Heribert Hölz beim Papstbesuch in Bosnien

Hilfe die ankommt: Das Haus der jungen Frau aus Zentralbosnien (Mitte) wurde bei der Flut im Mai 2014 komplett zerstört. Mit Spenden, unter anderem aus Rheinberg, konnte sie inzwischen ein neues Dach aufbauen.
Hilfe die ankommt: Das Haus der jungen Frau aus Zentralbosnien (Mitte) wurde bei der Flut im Mai 2014 komplett zerstört. Mit Spenden, unter anderem aus Rheinberg, konnte sie inzwischen ein neues Dach aufbauen.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Heribert Hölz von der Bosnienhilfe hat den Besuch von Papst Franziskus in Sarajevo miterlebt. Und er ist wieder durchs Land gereist, um zu sehen, wie die Spenden bei den Menschen dort ankommen

Kreis Wesel..  Heribert Hölz ist das Gesicht der Bosnienhilfe: 82 Mal war er in den vergangenen 23 Jahren dort, um den Menschen vor Ort zu helfen, mit den gesammelten Spenden eine Perspektive zu geben. Seinen jüngsten Besuch wird der 72-Jährige so bald wohl nicht vergessen. Zwischen 65 000 Kroaten, Moslems und Serben stand er da am 6. Juni im Kosevo-Stadion in Bosniens Hauptstadt Sarajevo und lauschte bei einem feierlichen Gottesdienst den Worten von Papst Franziskus.

Inzwischen ist Heribert Hölz zurück von seiner Reise, auf den Papstbesuch blickt er nüchtern zurück: „Natürlich musste der Papst Prioritäten setzen, Gespräche mit Geistlichen, Ordensleuten, auch mit der Jugend führen“, sagt er. Aber: „Bei einem Papst, dem die Aura anheftet, für die Armen einzutreten, von dem hätte ich mir gewünscht, dass er die Arbeit der Caritas an diesem Tag in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt hätte...“

Zu einem Gespräch mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche war es nicht gekommen. Was er dem Papst trotzdem gerne gesagt hätte? „Ich hätte versucht, ihm zu erklären, wie ich Bosnien sehe und erlebe. In welcher Armut die Menschen – und zwar ein wesentlicher Teil des Volkes – hier leben“, sagt Hölz. Vom Rest der Welt kaum wahrgenommen, sei das Land das wohl „größte Altersheim Europas“. Junge Menschen hätten in Bosnien keine realistischen Perspektiven, sagt der 72-Jährige, „weil es hier keine Arbeit gibt. Alle Menschen reden von der Arbeitslosigkeit in Griechenland. 26 Prozent: davon können die Menschen in Bosnien nur träumen“, sagt Heribert Hölz. In Zenisca, mit 115 000 Einwohnern die viertgrößte Stadt des Landes, liege die Arbeitslosenrate bei 75 Prozent. Zwei Schulen unterstützt Hölz mit der Bosnienhilfe seit Jahren – um den Schülern eine berufliche Zukunft in ihrer Heimat zu ermöglichen. Vieles hat der 72-Jährige in Bosnien schon gesehen und erlebt. Doch manchmal sind es die Einzelschicksale, die ihn daran erinnern, wie wichtig seine Arbeit dort auch nach mehr als 20 Jahren noch ist. Wie das von der jungen Frau aus Maglay, einer Stadt, die in der Mitte des Landes am Fluss Bosna liegt. Die 31-Jährige und ihr Mann haben beide keinen Job und einen schwerbehinderten Sohn, den die Mutter betreut. Bei der Flut im Mai vergangenen Jahres hatte die Familie ihr Haus verloren. Als Hölz die junge, verzweifelte Frau im März besuchte, erkannte er die Notsituation der jungen Familie.

Für genau solche Fälle hatten Spender aus Rheinberg ihm Geld gegeben, erinnert sich Hölz. Er gab der Frau das Geld und war überrascht, als er sie Anfang des Monats erneut in ihrem Dorf besuchte: „Das zerstörte Haus hatte plötzlich ein neues Dach!“ Und Hölz ist voller Hoffnung, dass das Haus bei seinem nächsten Besuch wieder bewohnbar sei könnte. Im Oktober ist es so weit.