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Helfen, wo es geht

10.02.2012 | 07:00 Uhr
Helfen, wo es geht
/ WAZ FotoPool

Rheinberg. Heute ist Freitag, der 10. Februar 2012. Wenn es nach den Schülern der Gemeinschaftsschule geht, ist das kein normaler, sondern ein ganz besonderer Tag: Zum ersten Mal gibt es ein Zeugnis auf der weiterführenden Schule.

Auch die Schüler der Integrationsklasse, die wir als Redaktion schon einmal vorgestellt haben und auch künftig weiter begleiten werden, sind gespannt auf ihre ersten Ziffernnoten.

Dabei sollte es eigentlich nur verbale Beurteilungen im Fließtext geben, erst ein Beschluss von höherer Stelle stoppte vor sechs Wochen diese pädagogische Innovation - jetzt gibt es doch die klassischen Schulnoten auf dem Zeugnis. „Wir haben alle einen eigenen Termin bei den Lehrern. Dann müssen wir auch berichten, was wir gut können und was nicht“, erklärt Hanna. Durch die Selbstreflexion sollen die Schüler eigene Stärken erkennen und sich Lernziele für das kommende Halbjahr setzen können.

„Wir haltengut zusammen“

Kaum zu glauben, dass der erste Schultag jetzt knapp fünf Monate zurück liegt. Die Steckbriefe der damals neuen Klasse hängen immer noch an der Decke, doch die Zeit des Beschnupperns ist vorbei: „Wir halten gut zusammen“, berichtet Jasmin. Auch die Klassenlehrer der 5g sehen eine positive Entwicklung: „Wenn die Schüler Probleme der anderen wahrnehmen, helfen sie sich auch“, so Martin Bitter. Helfen, das kann pädagogisch sinnvoll geschehen, indem ein Schüler dem anderen Tipps gibt. Hilfe, das kann aber auch das Abschreiben der Mathe-Hausaufgaben sein.

Ganz aktuell sieht Martin Bitter mit seinem Kollegen Dirk Helbing das Aufkommen eines neuen Trends unter den Schülern: „Sie kippeln gerne mit den Stühlen“, schmunzelt er. Es ist einfach eine ganz normale Klasse. Und irgendwie doch nicht. Von den 17 Schülern haben sechs besonderen Förderbedarf. Kinder mit Lern- und Sprachschwierigkeiten, emotionalen und sozialen Entwicklungsstörungen sitzen in der 5g Stuhl an Stuhl mit Schülern, die ohne diese Einschränkungen lernen. Regelmäßig besucht Sozialpädagogin Nadine Lemm die Klasse, die Stunden mit ihr bleiben besonders in Erinnerung: „Einmal mussten wir uns alle auf einen Stuhl stellen. Dann wurde nach und nach ein Stuhl weg genommen - am Ende standen wir mit allen 17 auf nur fünf Stühlen“, berichtet Ömercan. Das klappt nur, wenn alle zusammen halten: „Wir helfen uns bei allem.“ Auch im Sportunterricht, wenn die Regeln nicht klar sind: „Wenn Alex was nicht versteht, erklären wir ihm das auch noch einmal“, sagt Eric. Alex ist Autist - ihn an der Klassengemeinschaft teilhaben zu lassen, ist eine große Herausforderung.

Natürlich gibt es immer wieder Reibereien, gerade in den Pausen, doch Martin Bitter stimmt mit seinen Schülern überein: „Sie lernen, miteinander umzugehen und die Eigenarten der anderen zu akzeptieren.“ Am Dienstag geht es mit der ganzen Jahrgangsstufe nach Grefrath zum Schlittschuhlaufen. Bitter fragt die Schüler, wer schon Schlittschuhlaufen kann. Dann fügt er hinzu: „Und wer von denen möchte es den anderen zeigen?“ Die Finger bleiben oben.

Willi Haentjes

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2012-02-10 07:00
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