Heiteres und Besinnliches zu Heinz Erhardt in Alpen

Die prall-bunte Lebensgeschichte des Komikers Heinz Erhardt ließ Frank Suchland im Menzelner Adlersaal Revue passieren.
Die prall-bunte Lebensgeschichte des Komikers Heinz Erhardt ließ Frank Suchland im Menzelner Adlersaal Revue passieren.
Foto: Peter Bußmann
Was wir bereits wissen
Der „Botschafter der guten Laune“ wurde den Zuhörern im Menzelener Adlersaal durch Frank Suchland in einem Dichterporträt nahegebracht.

Alpen-Menzelen..  Wer kennt ihn nicht, den Mann, der einst mal den Beinamen „Botschafter der Guten Laune“ erhielt oder den einige scherzhaft den Bundeshumorminister nannten: den kleinen dicklichen Herrn mit der schwarzen Hornbrille und dem schütter über den Kopf gelegten Haaren, den unvergessenen Komiker Heinz Erhardt. Sonntagmorgen rückte er in den piekfeinen Gasträumen des Menzelener Adlersaals mal wieder in den Mittelpunkt. Im Fokus stand ein Dichterporträt, nicht einfach eine Parodie, sondern sein gesamter Lebensweg, von der Geburt bis zu seinen letzten Tagen.

„Die prall-bunte Lebensgeschichte des großen Komikers“ nannte es der Westfale Frank Suchland, bekannter Autor, Komponist und Rezitator. Zum ersten Mal war er am Niederrhein, kam auf Einladung des Menzelener Ehepaars Michaele und Friedhelm Holtermann in den Adlersaal, faszinierte und begeisterte die zahlreich gekommenen Gäste, denen er Heinz Erhardts nicht immer leichtes Leben ausbreitete. Selbst nannte Suchland, der mal Musik und Germanistik studiert hatte und der ein breites Programm an Lesungen anbietet, seine Geschichten um Heinz Erhardt, der, was nur Wenige wissen, auch ein anerkannter Komponist von Renommee war, „einen interessanten, verschmitzten und nachdenklichen Bilderbogen über die ernste Kunst des heiteren Lachens“. Dazu schilderte er in Details Erhardts Lebenslauf und rezitierte passend stimmige ausgesuchte Verse, dessen bekannte Vierzeiler und Bonmots aus dem Alltag des jungen und später reifer gewordenen Komikers.

Es wurde ein überaus gelungener Vormittag. Mal erschütterten Lachsalven die Gaststätte, dann wieder wurde es auch schon mal nachdenklich still. Denn tief in Heinz Erhardt lebte auch sehr viel Nachdenkliches, gepaart mit Melancholie. Dem Rezitator gelang es, auch dieses Bild gelungen zu zeichnen. Er unterhielt sein Publikum, die Menzelener Gaststätte war gefüllt, nicht nur vorzüglich mit viel Heiterem und einem gehörigen Schuss an Ironie, stets treffsicher mit unerwarteten Pointen, sondern gab ihm auch eine Portion Lebensweisheit mit auf den Weg.

Langweilig wurde es nie, auch wenn es um Erhardts Schulzeit, sein Leben in Lettland oder in St. Petersburg oder Berlin ging. Suchland bezog sein Publikum von der ersten bis zur letzten Sekunde mit ein. Obwohl es eine mehr biografische Lesung denn eine Parodie wurde, gab es reichlich Gelegenheit zum Training der Bauchmuskeln, wenn es mal wieder am Ende der Erhardtschen Kehrverse eine unverhoffte Wendung gab. 35 Gedichte des Komikers hatte Suchland eingebaut, die bewiesen, dass es dem nicht nur um platte Alltagskomik ging. Es waren auch recht kritische Gedichte darunter wie eines über Amerika, das zu seiner Zeit von den Menschen und der Politik ganz anders gesehene Land.

Suchland versuchte gar nicht erst, Stimme und Mimik des Komikers zu imitieren. „Er hatte eine einzigartige Sprechweise“, so der Rezitator. Dass Erhardt auch die Großen der deutschen Literaturgeschichte nicht verschonte, zeigte seine Version des bekannten Erlkönigs. Da lag am Ende nicht der Sohn tot in des Vater Armen. „Der Junge lebt, das Pferd ist tot“, so Erhardt. Wie sich der Komiker selbst sah, zeichnete Suchland. „Er empfand sich selbst als harmloser Langeweiler.“ In „Der Kuckuck ist ein scheues Reh“ deutet er auf sich selbst hin. Eine kleine Kostprobe zu Erhardts witzigen Gedichten gefällig? „Es brüstet sich der Enterich, die fettste Ente enter ich! Doch kurz darauf bekennt er: ich verzichte drauf, sonst kenter ich – als mausetoter Enterich beziehe niemals Rente ich.“ Herrliche Pointen erschütterten das Publikum. Wenn der Komiker beispielsweise die Einehe nicht monogam nannte, sondern sie als „monoton“ bezeichnete.