Handwerker suchen Azubis

Das Handwerk liefert Qualität: Guido Lohmann, Josef Lettgen, die Azubis Denal Forcakovic und Leon van den Boom sowie Günter Bode (v.l.).
Das Handwerk liefert Qualität: Guido Lohmann, Josef Lettgen, die Azubis Denal Forcakovic und Leon van den Boom sowie Günter Bode (v.l.).
Foto: privat
Was wir bereits wissen
Lehrstellen bleiben unbesetzt, Betriebe schließen, weil sich kein Nachfolger findet: Kreishandwerkerschaft und Volksbank wollen das mit „Werkstattgesprächen“ ändern.

Kreis Wesel..  Handwerk hat goldenen Boden – dieser alte Satz, verspricht Kreishandwerksmeister Günter Bode, hat noch immer Gültigkeit. Nachwuchs findet das Handwerk indes immer weniger, Lehrstellen bleiben unbesetzt, Betriebe schließen, weil sich kein Nachfolger findet. Dies sieht nicht nur die Kreishandwerkerschaft, sondern auch die Volksbank Niederrhein als Finanzierer des Handwerks mit Sorge – gemeinsam riefen sie die „Werkstattgespräche“ ins Leben: Handwerk und Schule im Dialog für Ausbildung.

Volksbank-Chef Guido Lohmann nimmt kein Blatt vor den Mund: Man müsse den „Akademisierungswahn“ von Politik und Eltern stoppen. Chancengleichheit bedeute nicht, alle auf die Uni zu schicken, Chancengleichheit müsse beim Start in die Schule gegeben sein. Aber: „Die Betriebe sind selber Schuld, sie wollen für alles mindestens Abiturienten. Da ist Umdenken nötig. Es ist höchste Zeit, neue Wege für das Rekrutieren von Auszubildenden zu finden.“

Kreishandwerksmeister Günter Bode schwört auf das duale Ausbildungssystem: „Es ist ein weltweiter Erfolgsschlager.“ Auf der anderen Seite breche jeder dritte Studienanfänger sein Studium ab: „Wo bleiben die? Die kommen im Handwerk nie an!“, klagt Bode. Guido Lohmann zu den Verdienstmöglichkeiten: „BWL-Bachelor gibt’s wie Sand am Meer, aber gute Handwerker verdienen richtiges Geld.“ Er muss es wissen, schließlich verwaltet er deren Konten.

Doch vor allem wollen die Handwerker an den Schulen um Auszubildende werben. „In den berufsvorbereitenden Unterricht in Klasse 8 oder 9, da müssen die Infos rein“, fordert Josef Lettgen, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Dass es höchste Zeit ist, mahnt Günter Bode an: „Die Lage wird schlimmer. Die Überalterung in den Betrieben ist ein entscheidender Faktor.“

In den 94 meisterpflichtigen Berufen werden gute Azubis händeringend gesucht, und nicht nur das: Im Regierungsbezirk Düsseldorf steht in rund 9000 Handwerksbetrieben eine Nachfolge an. „Wenn ich aufhöre, muss ich meinen Betrieb dicht machen“, bedauert Bode – von seinen Meistern wolle keiner die Firma übernehmen. Daher sagt Guido Lohmann: „Nicht groß reden – handeln.“