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Gut, aber (noch) nicht sehr gut

26.06.2012 | 21:30 Uhr
Gut, aber (noch) nicht sehr gut
Aus der Gemeinschaftsschule Rheinberg wurde die Europaschule Rheinberg. Foto: Gerd Hermann/WAZ FotoPool

Rheinberg. Eltern und Lehrer der Europaschule Rheinberg ziehen Bilanz nach dem ersten Jahr.

Wer auf Fastfood steht, dürfte sich wie im Paradies fühlen. Pizza und Würstchen schon in der ersten Pause - hurra! Eltern finden das weniger prickelnd. Kein Wunder also, dass ein Punkt, der an der Europaschule verbessert werden sollte, das Mensaessen ist.

Was sonst noch anders werden könnte, aber vor allem auch, was gut ist und beibehalten werden sollte, das war Thema in dieser Woche in der Europaschule. Das erste Jahr ist fast vorbei, Ende nächster Woche beginnen die Ferien. Und da hatten Schulleiter Norbert Giesen und sein Team die Eltern eingeladen, mit ihnen gemeinsam Bilanz zu ziehen.

Bekanntlich geht die Gemeinschaftsschule pädagogisch neue Wege, und so war auch der Elternabend kein Frontalunterricht. Im Klartext: Es stand keiner vorne und fragte einfach ab, was ist gut, was ist schlecht, um dann auf Antworten zu warten. Stattgessen gab es Gruppen an quadratischen Tischen, die die verschiedenen Fragen zunächst untereinander diskutierten, dann ihre Punkte auf DIN-A-3-Bögen notierten und am Ende einer jeden Runde konnte jeder lesen, was andere Eltern und Lehrer wollen und wünschen. Eine pfiffige Idee, weil Eltern wahrscheinlich in den kleinen Runden viel offener und mutiger diskutierten. Sich vor eine große Gruppe zu stellen und zu reden, ist schließlich nicht jedermanns Sache. Und so war der Abend ausgesprochen fruchtbar, es gab viele Ideen und Anregungen.

Die Gemeinschaftsschule ist eine neue Schule, das was sie möchte, für Eltern, die Schule ganz anders kennen, gewöhnungsbedürftig. Vielen Eltern fehlt die Kontrolle, die Verbindlichkeit. Ohne Noten fällt es manchen von ihnen schwer, einzuschätzen, wie und wo ihre Kinder stehen. So stand das Thema Noten gleich mehrmals auf den Papieren. „Wenn’s wenigstens eine Einschätzung des Lehrers mit Worten wie gut, befriedigend oder so ähnlich geben würde“, so eine Mutter. Schülerinnen und Schüler gehen unglaublich gerne auf diese Schule, das wurde in allen Gesprächen deutlich. Viele Eltern aber würden sich weniger Freiwilligkeit wünschen, weniger Selbstständigkeit.

Zu jung für diesen Lernstil?

„Fünftklässler sind noch zu jung für diesen Lernstil“, sagt eine andere Mutter. Sie könnten sich noch nicht selbst einschätzen und würden auch mehr Anleitung durch die Lehrer brauchen. „Kinder müssen an Vieles erst herangeführt werden.“

Die individuelle Förderung, das individuell gesteuerte Lernen wird groß geschrieben an der Europaschule, das wird von den Eltern auch honoriert und gut beurteilt. Allerdings wünschen sich manche Mütter und Väter mehr Förderung für leistungsstarke Kinder. Auch hier werde zu viel auf Freiwilligkeit gesetzt, so der Eindruck.

Kleine Klassen, die Zweier-Teams bei den Klassenlehrern, die Art und Weise, wie auf Probleme der Kinder eingegangen werde, dafür gab’s großes Lob. Was könnte dazu kommen? Erst mal gar nichts, lautete ein Vorschlag, „dafür zunächst die ganzen Baustellen abarbeiten“. Andere Eltern und Lehrer hatten allerdings noch Wünsche, zum Beispiel gesünderes Essen, größeres Sportangebot, das Fach soziale Verantwortung, jahrgangsübergreifender Unterricht.

Die Ergebnisse sind demnächst auf der Homepage der Schule nachzulesen. Eine Steuerungsgruppe wird den Abend zudem auswerten und sich mit den verschiedenen Fragen befassen. Solche Runden wie am Montag, dazu Fragebögen und Gespräche gehören zum Alltag der Europaschule. „Wir sind“, sagt der Schulleiter, „keine Schule, die sich abschottet.“

Carmen Friemond



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