Das aktuelle Wetter Rheinberg 12°C
Archäologie

Graben – ganz ohne Spaten

25.08.2010 | 17:16 Uhr
Graben – ganz ohne Spaten
Das Bodenradar in der Evangelischen Kirche in Orsoy.

Rheinberg-Orsoy.In die tiefen Geheimnisses der Evangelischen Kirche drang gestern Hightech ein. Über einen Meter ist der Boden aus dem Kirchenraum ausgeschachtet, an anderen Stellen noch viel tiefer. Der Niederrhein erlebte ein Novum der modernen Archäologie.

Ohne den Spaten anzusetzen, erforschten Tobias Rausch und Christoph Grützner vom Aachener Institut für Neotektonik und Georisiken der RWTH, was sich im Boden der Kirche verbirgt.

Dank Boden-Radar, das ihnen hilft, bis zwei Meter tief hinein zu schauen und später sogar dreidimensionale Bilder zu machen. An einem Tag schafften sie es, die 450 Quadratmeter Kirchenboden mit der 50 000 Euro teuren hochmodernen Technik zu untersuchen. Einem Schlitten ähnelt der große, mit modernsten Geräten voll gestopfte Kasten. Radarantenne nennt ihn Doktorand Grützner, der Bahn für Bahn durch den sandigen Boden zieht.

Bunte Bilder auf
dem Bildschirm

Elektromagnetische Radarwellen strahlt sie bis zu zwei Meter tief. Je nach Material und Schichtung werden die Wellen unterschiedlich zurückgeworfen, von der Antenne empfangen. Rausch trug den Computer, auf dem Bildschirm ein farbenprächtiges Bild. Für den Laien zunächst nicht zu enträtseln, für die beiden Geophysiker sehr aufschlussreich.

Grützner: „Kleine Mauerreste, Steine, aber auch Knochen dort Beigesetzter kann man bei der Auswertung erkennen. Metalle zeichnen sich besonders stark ab.“ Die Schatzkiste voller Gold fand er nicht, zum Leidwesen von Pfarrer Uwe Klein. „Wenn wir hier den berühmten Goldschatz fänden, wären unsere finanziellen Probleme gelöst“, unkt er. Er rühmt den hohen wissenschaftlichen Wert, den die Untersuchung hat. „Es hält sich das Gerücht, dass es eine Krypta gibt.“ Das Bodenradar hätte die finden müssen - fand sie aber nicht.

Dombaumeister und Bauleiter Professor Dr. Ing. Wolfgang Deurer ist fasziniert. „Das ist eine kleine archäologische Sensation.“ Nur eine kleine Fläche im Aachener Dom und den Aachener Marktplatz hat man bisher mit dem Bodenradar untersucht. Orsoys Evangelische Kirche ist damit die zweite Kirche, bei der Hightech Einblicke in den Boden gestattet. „Jeder archäologische Eingriff, jede Grabung, zerstört zugleich“, sagt Deurer. „Orsoy gibt uns eine einmalige Chance. Das war die Gelegenheit, den Boden tiefer zu untersuchen. Da kommen wir sonst nie wieder dran.“ Da riefen er und Klein die RWTH zu Hilfe.

Zur Hälfte hatten die Forscher den Untergrund durchleuchtet. Was sich da bis zwei Meter tief verbirgt, wissen Grützner und Rausch erst, wenn sie im September alles ausgewertet haben. Im Grundriss der Kirche wollen sie die Funde dann im 15-Zentimeter-Raster optisch darstellen. Sollte da etwa ein Skelett liegen, könnten sie es zeigen. „Wie beim Ultraschall oder einer Computer-Tomographie.“

Auch den Anfang des gefundenen Geheimganges durchsuchten sie mit dem Radar. Selbst ob es sich um gewachsenen Boden oder aufgeschüttetes Material, wie bei einem Grab, handelt, lässt sich darstellen. Da können noch Überraschungen drin sein...

Peter Bußmann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3606346/create

Aktuelle Fotos und Videos
JRK-Supercamp
Bildgalerie
FREIZEIT
Unwetter am Niederrhein
Bildgalerie
Wetter
Drachen und Gaukler
Bildgalerie
Fotostrecke
600 Jahr Feier
Bildgalerie
Amplonius
Aus dem Ressort
Dabei sein ist alles
Sport
Es muss ein Gefühl wie Weihnachten gewesen sein. Oder sogar noch schöner. Der Moment, als Jan Mätzkow auf das Siegertreppchen stieg. Nicht bis nach ganz oben, aber das lässt den jungen Mann kalt.
Immer mit der Ruhe!
Gesundheit
. Die Zahl der psychischen Erkrankungen im Kreis hat zugenommen. Das merkt der VdK in seinen Beratungen.