Geschichte hautnah erleben im Archäologischen Park Xanten

Im „Classis Augusta Germanica“-Lager der römischen Rheinflotte im Archäologischen Park Xanten zeigte Jürgen Hübscher von Samstag bis Montag den Besuchern ein römisches Katapult.
Im „Classis Augusta Germanica“-Lager der römischen Rheinflotte im Archäologischen Park Xanten zeigte Jürgen Hübscher von Samstag bis Montag den Besuchern ein römisches Katapult.
Foto: Lukas Hübinger
Was wir bereits wissen
Von Samstag bis Montag schlugen die Soldaten der römischen Rheinflotte, die „Classis Augusta Germanica“, ihr Lager auf.

Xanten.. Man kann es drehen und wenden wie man will, doch der Geschichtsunterricht hat im Allgemeinen nicht den Ruf, besonders aufregend und interessant zu sein. Dabei gibt es so viel aus der Vergangenheit zu lernen, gerade über die Natur des Menschen. Oft fehlt nur der richtige Blickwinkel. Wer kann es einem 15-Jährigen denn verübeln, dass er so gar kein Interesse an einem Kaiser zeigt, der vor Tausenden von Jahren gelebt hat und dessen Bild in einem 25 Jahre alten Geschichtsbuch auftaucht?

Wäre es doch nur möglich, in der Zeit zu reisen, dann könnte man den Nachmittag auf Römischen Märkten verbringen, Legionären beim Anlegen ihrer Rüstung zuschauen, sich von der Schärfe ihrer Waffen überzeugen und danach gemeinsam historische Gerichte speisen. Geschichte eben hautnah erleben. Mit allen Sinnen.

Wunschvorstellung ist schon lange Realität

Diese Wunschvorstellung ist im Archäologischen Park Xanten schon lange Realität. Von Samstag bis Montag schlugen die Soldaten der römischen Rheinflotte, die „Classis Augusta Germanica“, ihr Lager auf der Wiese neben der Herberge auf. Mit einem guten Dutzend Zelten stellte die Gruppe sowohl die zivile wie auch die militärische Lebensweise der Legionäre dar. Die einzelnen Mitglieder der „Classis Augusta Germanica“-Gruppe haben sich allesamt auf ein Gebiet spezialisiert. „Das bedeutet monate-, wenn nicht jahrelanges Studieren von Fachlektüre“, erklärte Rene Keuth, Pressesprecher der Gruppe.

Ein Medicus klärte die Besucher über die Kräuterkunde der Römer auf, ein anderer führte die Waffen vor, wieder ein anderer zeigte, wie damals die Rüstungen gefertigt wurden. „Der Versuch der Darstellung, ist ein Spagat zwischen einem römischen Marschlager und der Zivilgesellschaft, also dem Handwerk“, sagte Rene Keuth. „Im Laufe der Zeit baut man sich ein Wissen auf, das man an die Besucher weiter geben kann.“ Der Austausch mit interessierten Menschen stand an diesen Tagen an oberster Stelle.

Unter Führung von Kaiser Augustus

Die „Classis Augusta Germanica“ existierten bis zum Jahre 79 nach Christus unter der Führung von Kaiser Augustus. Der Hauptstützpunkt von Obergermanien war in Köln. Die Aufgaben der römischen Marine bestanden unter anderem in der Grenzsicherung und in Schiffstransporten. „Wir legen uns schon ziemlich genau auf die Zeit fest“, erzählte Rene Keuth. Sogar die Mahlzeiten wurden an diesen Tagen so zubereitet, wie es damals üblich war. Am Sonntag aßen die Darsteller „Frikassé Alle Marticius“, eine Art Schweinegulasch, mit Rinderhackbällchen, der mit Äpfeln verfeinert wird. Ihre Beliebtheit im APX führt die Gruppe auf die authentische und gewissenhafte Darstellung der Lebensweise der „Classis Augusta Germanica“ zurück. „In den Park gehen Leute mit ihren Kindern, um ein bisschen Kultur zu atmen.“ Aber nicht nur im Archäologischen Park erfreut sich die Gruppe großer Beliebtheit. An durchschnittlich zwölf Wochenenden im Jahr sind die Legionäre auch an anderen Standorten zu sehen. „Das ist unser Hobby. Unter uns sind Feuerwehrbeamte, Bauingenieure und Bürokräfte“, berichtete Rene Keuth. Ein Hobby, von dem viele Menschen, am Pfingstwochenende, profitierten. Kinder und Erwachsene gleichermaßen bestaunten beispielsweise das kleine römische Katapult, welches von Jürgen Hübscher präsentiert wurde.

Wen die Neugierde gepackt hat, der hat am 6. und 7. Juni erneut die Chance, das Lager zu besuchen. Dann sind die „Classis Augusta Germanica“ wieder im APX zu Gast. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, für Groß und Klein.