Geplanter Rheinberger Polderdeich in Orsoy Land stößt bis an die B 57

Im Bereich Orsoy Land
Im Bereich Orsoy Land
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Das Überflutungsgebiet, das die Spitze eines extremen Rheinhochwasser wegnimmt, soll 8,8 Millionen Quadratmeter groß werden.

Rheinberg..  Es wird sicherlich eine der größeren Maßnahmen zum Schutz vor einem Rheinhochwasser in den nächsten Jahren, aber es soll ja auch vor einem extremen Hochwasser schützen, dass „rein rechnerisch nur alle 350 bis 400 Jahre“ vorkommt, wie es Erik Buschhüter vom Landesumweltministerium am Dienstagnachmittag in der Ratssitzung nannte. Aber, wie das immer mit der Statistik so ist: Das Hochwasser muss nicht erst in der ganz fernen Zukunft oder in den nächsten 100 Jahren eintreten, dazu kann es theoretisch jederzeit kommen.

Und dafür soll mit dem „Polder Orsoy Land“ Vorsorge betrieben werden. Das 8,8 Millionen Quadratmeter große Gebiet zwischen Rhein, Eversael, B 57 und Ossenberg dient als Rückzugsraum, um einem extremen Rheinhochwasser die Spitze zu nehmen. Dazu wird im bestehenden Banndeich am Rhein ein sogenanntes Einlassbauwerk errichtet. In Richtung Stadtmitte soll es einen neu zu errichtenden Polderdeich geben. Er schützt die Stadt vor dem Wasser, wenn der Rückzugsraum geflutet wird.

Durch das Fluten dieses Raums (er nimmt etwa 20 Millionen Kubikmeter Wasser auf) kann der Rheinpegel um ungefähr acht Zentimeter gesenkt werden. Das klingt nach wenig, hat aber schützende Auswirkung bis weit in die Niederlande hinein. Sinkt der Wasserstand des Rheins wieder ab, kann das Wasser nach und nach über ein Auslassbauwerk in der Nähe der Ossenberger Schleuse wieder in den Fluss befördert werden.

Für den Bauch des Polderdeichs kann Material verwendet werden, das im Bereich des Überflutungsgebiets vorhanden ist. Der Sand könnte komplett gewonnen werden, auch ein Teil des nötigen Lehms und Kieses. Das unter anderem stieß Josef Devers (CDU) sauer auf. In Rheinberg solle gar kein Kies mehr abgebaut werden, habe der Rat beschlossen. Er ärgerte sich auch darüber, dass Rheinberg keine Planungshoheit über das Gebiet habe.

Jürgen Bartsch (Grüne) erkannte die Notwendigkeit des zusätzlichen Hochwasserschutzes an, fragte aber, was für die Menschen hinter dem Polderdeich getan werde. Michael von Parzotka-Lipinski (SPD) vermisste einen Karte, auf der schützenswerte Bereiche in dem betroffenen Gebiet eingezeichnet seien. Dann könne man ins Auge gefasste Ausgleichmaßnahmen vielleicht besser verstehen.

Herbert Becker (FDP) machte sich Gedanken um einen steigenden Grundwasserspiegel. Der werde erhöht, wenn das Gebiet geflutet sei, räumte Generalplaner Michael Patt ein. „Die vorhandenen Pumpen in Eversael reichen nicht aus. Es müssen wohl zwei neue gebaut werden, um die Pumpleistung um einen Kubikmeter in der Sekunde zu erhöhen.“

Damit das Gebiet genutzt werden kann, soll es für Menschen zugänglich gemacht werden. Ein dafür ins Auge gefasster Steg fand allerdings nicht das Gefallen der unteren Landschaftsschutzbehörde – was Jürgen Madry (SPD) ärgerte: „Der Orsoyer Rheinbogen ist zum Teil Naturschutzgebiet, er ist von der Maßnahme betroffen, aber gegen einen Steg hat man etwas?“

Diese und andere noch auftretenden Stellungnahmen werden in der nächsten Zeit in die Planung einfließen – denn noch ist nichts geplant: Die Veranstaltung in der Ratssitzung war lediglich zur Information über den derzeitigen Stand der Dinge vor dem Einstig in das Planungsverfahren gedacht.

Und Viktor Paeßens, in einer doppelten Rolle als Ratsherr, aber auch Deichgräf des, wie er betonte, „hochwasserschutzpflichtigen“ Deichverbands Orsoy als Träger der Maßnahme, versicherte: Niemandem werde gegen seinen Willen Land für das Bauwerk weggenommen. Es werde entweder ein Einvernehmen geben oder der Polderdeich werde an einer anderen Stelle gebaut.