„Genug ist nicht genug“ mit dem Son’Theater in Sonsbeck

Foto: Lukas Hübinger
Was wir bereits wissen
Wer das Stück „Genug ist nicht genug“ mit dem „Son’Theater“ sieht, weiß die Macken der Verwandtschaft schnell zu schätzen.

Sonsbeck..  Seine Familie kann man sich nicht aussuchen. Ein Satz, den jeder vermutlich schon einmal gesagt oder zu hören bekommen hat. An dieser Tatsache lässt sich nicht rütteln. Es ist einfach, wie es ist. Doch wer denkt, die eigene Familie wäre schrecklich, der sollte sich einmal das Stück „Genug ist nicht genug“ des Sonsbecker „Son’Theaters“ anschauen. Denn die Familie, die einem in diesem Schauspiel präsentiert wird, stellt selbst die schlimmsten Macken der eigenen Verwandtschaft in den Schatten.

Der Unternehmer Erich, gespielt von Wolfgang Närdemann, feierte in seinen Geburtstag hinein. Nach dem ersten Auftritt des Griesgrams wurde jedoch klar: Der Mann hatte absolut keine Lust, ja, man könnte wohl eher sagen, er hatte absolut keinen Bock, zu feiern oder Gäste zu empfangen. Mehr als schlecht gelaunt kam er nach Hause und drückte seiner Ehefrau Helga, die von Beate Dahms verkörpert wurde, erst einmal ein paar bösartige Sprüche rein. Schamlos äffte Erich Helga nach, spottete über ihr Essen, über ihre Intelligenz und ihre nicht vorhandenen Talente. Die arme Helga schien an diese Behandlung gewöhnt zu sein, denn sie nahm es mehr oder weniger mit Fassung.

Nach und nach klingelte das Telefon und alle Gäste, einer nach dem anderen, sagten ab. Erich machte das nicht besonders viel aus. „Gäste ist gut, diese Arschkriecher sehe ich doch schon die ganze Woche.“

Im späteren Verlauf stellte sich raus, dass Erichs Firma kurz vor dem Bankrott stand und er auf dem Weg nach Hause einem anderen Mann ins Gesicht geschlagen hatte, nachdem der ihn unnötigerweise angehupt hatte.

Wolfgang Närdemann, der bei diesem Stück auch Regie führte und die Gesamtleitung hatte, verkörperte auf sehr authentische Weise einen cholerischen Drecksack.

Als Erich gerade über Helgas Mutter herzog, deren Männer in regelmäßigen Abständen verstarben, klingelte es an der Tür und zwar sturm. „Oh, so wie die Sturm schellen, haben die die Party aber wirklich nötig.“ Herein kamen Helgas Schwester Evelyn alias Regina Leurs und deren tollpatschiger Mann Hagen, der von Christian Grune gespielt wurde. „Auf dein Wohl, Stinktier“, prostete Evelyn Erich zu, die aus ihrer Abneigung gegenüber ihrem Schwager keinen Hehl machte. Hagen gab sich zumindest am Anfang noch ein wenig mehr Mühe, eine gute Stimmung zu verbreiten. Leider war er dermaßen ungeschickt, dass er so ziemlich alles kaputt machte, was ihm in die Finger kam, und damit Erichs Zorn nur noch vergrößerte. „Zum Lügen fehlt ihm ja jede Fantasie, schließlich arbeitet er ja im Amtsgericht“, lästerte Erich bei Evelyn über Hagen, der währenddessen den Handtuchhalter im Bad zerstörte.

„Sag mal Helga, hast Du vergessen, Deinen Mann gegen Tollwut impfen zu lassen?“, fragte Evelyn etwas später bissig. Kurz danach verdrückte sich Erich mit den Worten: „Ich hole das Rattengift. Anders wird man die doch nicht los.“

Schwarzhumorig

Diese Beleidigungen zogen sich durch das gesamte Theaterstück und sorgten dafür, dass sich das Publikum förmlich wegschmiss vor Lachen. Die Komödie war durch und durch gut gelungen, sehr unterhaltsam, witzig, schwarzhumorig und gespickt von zahlreichen „Running-Gags“ und cleveren Vernetzungen.

Nach der ersten Pause tauchte dann noch Helgas und Evelyns naive und egozentrische Mutter Hetti auf. Die Schauspielerin Renate Heursen-Janßen feiert mit dieser Rolle ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Hetti ignorierte die Spuren der Gewalt, die sich zum Zeitpunkt ihrer Ankunft, in der ganzen Wohnung zeigten und brachte mit ihrer guten Laune nur weiteren Zündstoff in die kleine Gesellschaft. Am Ende wendete sich dann vieles doch noch zum Guten und die Familie verblieb mit einem vorläufigen Waffenstillstand. Blut ist eben doch dicker als Wasser.

Das Stück wird noch am kommen-den Wochenende, den 17. bis 19. April und am darauffolgendem Freitag und Samstag, den 24. und 25. April, jeweils um 20 Uhr, im Son’Theater, gezeigt.