Das aktuelle Wetter Rheinberg 14°C
Nachrichten aus...

Geister süß-sauer

30.10.2007 | 21:05 Uhr

HALLOWEEN. Das amerikanische Traditionsfest ist auch im Kreis Wesel auf dem Vormarsch. Dabei fällt der heidnische Brauch auf den Reformationstag, der Teil der europäischen Kultur ist.

KREIS WESEL. Ein Datum, zwei Feste. Das eine geht auf den 31.Oktober 1517 zurück, der Ursprung des anderen ist nicht konkret zu datieren: Halloween - dem Heidentum entsprungen - und Luthers Reformation. Vermutet wird, dass es sich um einen keltischen Brauch handelt, der mit irischen Einwanderern in die USA kam.

Kommerzieller Apparat

Hartmut Becks, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Alpen, hat den Vormarsch von Halloween in Deutschland bereits vor zehn Jahren kommen sehen: "An sich habe ich nichts gegen das Fest, denn viele, die es feiern, kennen die Hintergründe gar nicht. Damit ist es keine bewusste Entscheidung für den Brauch." Viel schlimmer findet Becks den "großen kommerziellen Apparat", der dahinterstünde. So würden heute hunderte Millionen Euro allein in der Süßigkeiten-Branche gemacht. Baden Coleman, gebürtiger Amerikaner aus Sonsbeck, kennt das Geschäft mit den Süßigkeiten - allerdings das der Kinder: "Die ziehen abends mit einem Kostüm verkleidet von Tür zu Tür, rufen Trick or Treat - Süßes oder Saures - und bitten um Süßigkeiten oder Geld." Wer nichts übrig habe, müsse mit einem Trick, einer Gemeinheit, rechnen. Dann könne es passieren, dass zum Beispiel der Baum im Vorgarten mit Klopapier geschmückt werde.

Terry Powell, in Xanten lebender Amerikaner, erinnert sich auch an Feierlichkeiten mit der ganzen Familie: "An dem Tag gibt es - bevor die Kinder gegen fünf, sechs Uhr abends zum Süßigkeiten sammeln gehen - ein großes Essen. Serviert wird Kürbis, ein spezieller Schinken und etwas Gemüse". Er selbst und auch seine eigenen Kinder hätten bis zum Alter von 13, 14 in Xanten jedes Jahr gefeiert. Doch mit 16 und 18 seien sie mittlerweile zu alt. Und Veranstaltungen für Erwachsene wie Partys in Kneipen oder Bars seien ja hier noch nicht so zahlreich.

Dass das in den USA ganz anders ist, weiß Baden Coleman: "In großen Städten wie Detroit geht es überall richtig zur Sache." Das sei was für "bad kids" im Alter von 18, 19 Jahren. Im Yuppie-Alter ginge es dann zu gepflegteren Halloween-Partys, zu denen sich die Frauen gerne mal als Krankenschwester verkleideten. "Es ist ein bisschen wie Karneval", erklärt er. Da würden dann auch Spiele wie "Bobbing for apples" veranstaltet. Dabei versucht man einen Apfel mit dem Mund aus einem mit Wasser gefüllten Behälter herauszuholen. Coleman glaubt, dass der Brauch "ein Gemisch von allem ist", nicht einer Kultur zuzuordnen sei. Diese Melange sei spezifisch für die USA.

Typisch für die USA

So sieht das auch Hartmut Becks: "Die Kultur, böse Geister mit Masken fernzuhalten hat sich in den USA entwickelt. Um so mehr erschüttert es mich, wie willens der Einzelne ist, seine europäische Kultur hinter sich zu lassen. " Zu dieser europäischen Kultur gehöre auch die uralte Verbundenheit mit Martin Luther, der sich - entgegen der Halloween-Tradition - von seinen Ängsten freigemacht und nicht von dämonischen Kräften habe ins Boxhorn jagen lassen. Luther habe sich damals von engen Strukturen - wie heute etwa durch die Wirtschaft induziert - befreit. Er hoffe, dass diese Identität in Zukunft nicht aufgegeben werde, nur weil anderes jetzt in Mode sei.GRUSELIGE ORTE"Nacht des Schreckens", Terra Zoo Rheinberg, ab 18 Uhr, Taschenlampe mitbringen Halloween-Party mit DJ Maik, Punto in Rheinberg, 20 Uhr "Halloween Dance Night", Landhaus Steinhoff, Budberg, 20 Uhr, Eintritt: 8 Euro "Punkrock Halloween", Exit in Xanten, ab 19.30 Uhr.

ANTONIA RÖDER

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2015182/create

Aktuelle Fotos und Videos
Unwetter am Niederrhein
Bildgalerie
Wetter
Drachen und Gaukler
Bildgalerie
Fotostrecke
Halloween im Terrazoo
Bildgalerie
Fotostrecke
Rheinberger Stolpersteine
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Warum bin ich weniger wert?
Tag-der-Begegnung
Inklusive Schreibwerkstatt interviewt den NRW-Behindertenbeauftragten Norbert Killewald
Ein ganz normales Leben
Tag der Begegnung
Klaus Löffler und Sylvia Schmidt - vom Wohnheim in die eigene Wohnung. 60 Quadratmeter groß ist sie in dem Mehrfamilienhaus, gut geschnitten.