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Rauchverbot

Geht den Wirten die Puste aus?

03.01.2012 | 18:45 Uhr
Geht den Wirten die Puste aus?
Foto: Lukas Barth/ddp

Kreis Wesel.   Das Rauchen in Gaststätten soll komplett verboten werden. Die Redaktion fragte die Betreiber nach ihrer Meinung.

Das uneingeschränkte und strikte Rauchverbot in Gaststätten in NRW ist so gut wie beschlossen. Der Gesetzentwurf, der fast alle der heute noch geltenden Ausnahmeregelungen unterbindet, muss nun in einer Expertenanhörung bewertet werden. Der Landtag in Düsseldorf soll dann im Frühjahr entscheiden.

Sorge um das Stammpublikum

Während NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) das Verbotswerk aus Düsseldorf als Vorstoß für den Gesundheitsschutz feiert, reagieren die Wirte in Rheinberg, Xanten, Sonsbeck und Alpen verhalten bis ablehnend. Die Redaktion hat sich umgehört.

„Wenn das totale Rauchverbot kommt, müssen wir uns wohl fügen“, sagt Martina Conrad, Wirtin des „Café Punto“ an der Gelderstraße in Rheinberg. Martina Conrad, bei der bisher an der Theke geraucht werden durfte, hofft, dass eine einheitliche Regelung, die alle Gaststätten in die Pflicht nimmt, auch die Konkurrenz in der Branche wieder in die Balance bringt: „Das spielt sich dann wieder ein.“

Kollegin Martina Kühnen von der Gaststätte „Mütterlein“ an der Egerstraße in Orsoy sieht die ganze Sache viel kritischer: „Rauchende Gäste werden ganz klar weg bleiben. Das neue Gesetz ist unfair, weil vor allem die kleinen Kneipen aussterben werden.“

Martina Kühnen, die die erfolgreiche Kneipe seit rund 15 Monaten führt, bedauert vor allem die Folgen des Rauchverbotes für das traditionelle Stammpublikum: „Rauchende Gäste, die sich hier zur Skatrunde treffen, haben jetzt ein Problem. Die Skatrunde kann nicht jedes Mal unterbrochen werden, damit einer zum Rauchen vor die Tür gehen kann.“

Vom Xantener Markt aus blickt Murat Kazak, Wirt des Restaurants „Zur Börse“, mit Groll nach Düsseldorf: „Das Rauchverbot wird ein harter Einschnitt für uns.“ Nach seiner Erfahrung sind die Gäste mit der Regelung zufrieden, wenn die Gaststätte das Rauchen an der Theke erlaubt und im Speiseraum verbietet. Murat Kazak: „Das müsste jeder Wirt mit seinen Gästen zusammen selbst entscheiden können.“

Gerade diese in der Vergangenheit unterschiedliche Auslegung der Anti-Rauchervorschriften in NRW will die Landesregierung jetzt stoppen. „Schlupflöcher“ im derzeitigen Regelwerk sollen gestopft werden, um vor allem den Kommunen, welche die Einhaltung des Gesetzes überwachen müssen, einen klaren Leitfaden an die Hand zu geben. Die Erfahrung hat nämlich gezeigt, dass Städte wie Rheinberg und Xanten sich angesichts der unübersichtlichen Gesetzeslage und trotz eindeutiger Rechtsprechung abwartend verhalten hatten. So wurden Raucherclubs zunächst noch geduldet. Gesundheitsministerin Steffens geht davon aus, dass die örtlichen Ordnungsbehörden die anstehende gesetzliche Klärung nun nutzen werden und den Nichtraucherschutz in ihren Kneipen und Gaststätten durchsetzen werden.

Während die Mitarbeiter der Ordnungsämter der Städten und Gemeinden schon mal den entsprechenden Bußgeldkatalog studieren, versteht Ralf Terlinden in Veen die Welt nicht mehr.

Doppelmoral der Politiker

Der Wirt der Gaststätte „Zur Deutschen Flotte“ ist sauer: „Soll ich jetzt einen 70-jährigen Gast, der schon seit 40 Jahren in die ,Flotte‘ kommt, wegen einer Zigarette rausschicken?“ Seine Gaststätte sei vor allem ein Platz für Gespräche und Gemeinschaft: „Es gibt Leute, die sich noch ohne Handy miteinander unterhalten wollen und sich dabei nicht bevormunden lassen möchten.“ Terlinden ärgert auch die Unbeständigkeit der Gesetzgebung und die Doppelmoral der Politik: „Viele Wirte haben Tausende Euro investiert, um den Nichtraucher- vom Raucherbereich zu trennen. Das war jetzt alles umsonst.“ Verstehen könne er außerdem nicht, dass die Politik bei der Tabaksteuer die Hand aufhalte, das Rauchen ausgerechnet in Gaststätten aber verbieten will.

Das sind die Pläne der Gesundheitsministerin:

Die vielerorts bestehenden Raucherclubs werden wieder abgeschafft und wie gewöhnliche Gaststätten behandelt. Auch bei Veranstaltungen, wie etwa Karnevalssitzungen, soll künftig ein Rauchverbot gelten, selbst wenn sie – wie Schützenfeste – in Festzelten stattfinden. Ausnahmen vom Rauchverbot soll es nur noch in der Außengastronomie geben. In Schulen darf künftig auch bei nichtschulischen Veranstaltungen nicht mehr geraucht werden. Auch Spielplätze sollen generell als Nichtraucherzonen ausgewiesen werden. Raucherräume in Sport-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sollen künftig ausgeschlossen sein.

Christoph Girschik

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Kommentare
04.01.2012
18:05
Pinkelrinne an die Theke
von kuhgummikuh | #4

Wenn es tatsächlich der Gemütlichkeit schadet, wenn jemand zum Rauchen vor die Türe geht, sollte man an den Theken Pinkelrinnen anbringen, denn auch dazu verlässt der eine oder andere das Lokal. Wie ungemütlich!
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Diskussionen bei der Einführung der Gurtpflicht. Auch da war für viele das Ende der Demokratie und der persönlichen Freiheit gekommen. Wenn es das ist, was unsere FREIHEIT ausmacht - "armes Deutschland".
Was das Kneipensterben betrifft: Seltsamerweise finden alle Wirte, die den Laden (wg. Rauchverbot) aufgeben müssen einen Nachpächter.
Dem Oktoberfest hatte man auch schon das Ende prognostiziert, und was war? Der Bierumsatz ist im letzten Jahr mal wieder gestiegen.

04.01.2012
08:48
Geht den Wirten die Puste aus?
von Mallzig | #3

„Helmpflicht beim Blumenpflücken“ – grüne Gedanken schaffen das normale Leben weitestgehend ab.

Es ist längst kein Geheimnis mehr: in Deutschland haben sich einige aufgemacht, dem scheinbar unmündigen Bürger ein grandioses Erziehungsprogramm zuteil werden zu lassen. Man könnte meinen, dass nur grüne Lebenskünstler und ein paar selbsternannte Volkserzieher wissen, worum es im Leben geht. An diesem Erziehungswesen soll das ganze Volk genesen. Rauchverbote, E-Zigarettenverbot, Zucker -, Fett -, Cola -, Alkohol – Verbote und sicher noch weitere „Schädlingsbekämpfungsideen“ machen die Runde. Die politisch Verantwortlichen glänzen durch Lemmingverhalten und folgen dem Diktat auf Schritt und Tritt. Von Abwägung und demokratischer Gerechtigkeit ist nur wenig zu sehen. Eine komplette Veränderungen innerhalb der politischen Landschaft ist erkennbar. Hervorgerufen durch schamloses Eingreifen in persönliche Lebensführung. Wehrt sich der Bürger dagegen? Scheinbar nicht. Noch ist kein allgemeiner Aufschrei zu hören. Möglicherweise stellt die Alltagsbewältigung viele vor andere Probleme, die gemeistert werden wollen. Da zählen Verbote vielleicht nicht zu den Prioritäten, es sei denn, man ist irgendwann selbst betroffen. Doch dann ist es zu spät. Gesetz ist dann Gesetz, Nachbesserungen scheitern dann an parlamentarischer Trägheit und Feigheit gegenüber dem vielzitierten Mainstream. Dann folgt Wut, Enttäuschung und häufig virtuelle Bestürztheit. Danach setzt Lethargie ein. Eine Spirale, mit der es sich prima planen und erziehen lässt. Das wissen die Protagonisten der Diktatur über den Körper sehr genau. Und deshalb scheint es zu gelingen. „Helmpflicht beim Blumenpflücken“ ist deshalb keine Satire, sondern könnte bald Wirklichkeit werden. Nur der gesund und überversichert lebende Mensch wird dann wertvoll sein. Alle anderen gehören geläutert und gegebenenfalls bestraft. Gerne auch als Unterschicht tituliert, finden sich dann Menschen in der Ausgrenzung, die soeben noch der Meinung waren, sie tragen ihren Teil zum Volkswohl bei. Der Liberale wird zum Außenseiter, der Raucher zum Killer und der Weintrinker zum Abszess der Gesellschaft. Viel Vergnügen im Jahr 2012. Was immer auch Vergnügen dann noch sein mag?

Wer sich zum Beispiel gegen eine Verschärfung des Rauchverbots in Nordrhein-Westfalen aussprechen möchte, der erhält die Gelegenheit dazu in einer Petition, die durch BFT e.V. Bürger für Freiheit und Toleranz auf den virtuellen Weg gebracht wurde. Bis Anfang März 2012 läuft diese Solidaritätsbekundung im Internet. Alle Unterzeichner werden dann an Ministerpräsidentin Hannelore Kraft übermittelt, damit diese den NRW-Landtag über Volkes Meinung informieren kann. Man darf aber gespannt sein, inwieweit sich die Bürgerinnen und Bürger für ihre eigenen Belange motivieren lassen. Wenn sich eine große Anzahl von Unterstützern der Petition aufmacht, dann dürfte dieses vom Landtag in Düsseldorf kaum ignoriert werden. Zudem die Reihen der Befürworter eines absoluten Rauchverbots in NRW nicht geschlossen sind. Hier ist jeder Abgeordnete selbst gefordert, ob er das Übermaß an Volkserziehung zulässt, oder er in freier Entscheidung gegen eine weitere Verschärfung der Bürgerdrangsale votiert.

Abstimmen kann man hier:
http://www.openpetition.de/petition/online/kein-neues-nichtraucherschutzgesetz-in-nordrhein-westfalen

3 Antworten
Geht den Wirten die Puste aus?
von simmes | #3-1

Kann man eben nicht!

Abstimmen kann man hier nur GEGEN ein neues Nichtraucherschutzgesetz, nicht DAFÜR. Als früherer DDR-Bürger meide ich solche "Abstimmungen", bei denen ich nur die Wahl "zwischen einer Option" habe.

Geht den Wirten die Puste aus?
von Mallzig | #3-2

@simmes#3-1

Wer bei dieser Petition abstimmt, stimmt GEGEN die Verschärfung des Rauchverbots!! In NRW soll das gleiche strenge, absolute Rauchverbot eingeführt werden, wie es in Bayern seit nunmehr 1 1/2 Jahren ist!! Und das muss nicht sein!

Und das muss nicht sein...
von simmes | #3-3

...finden jetzt schon 0,02% aller Einwohner von NRW. Und wo können wir können wir anderen abstimmen?

Wer einen Satz unterschreibt wie "Es gibt keine Raucherclubs mehr", hat ja wohl sein Wohnung (oder seine Kneipe) schon lange nicht mehr verlassen.

04.01.2012
06:59
Blockierter Kommentar.
von steff1904 | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

04.01.2012
06:58
Geht den Wirten die Puste aus?
von steff1904 | #1

Tja..
Der mündige deutsche Bürger halt.....

Aber es hat ja keiner diese Regierung gewählt.. komisch.. komisch komisch....

Aber Hauptsache, der Altkanzler der SPD raucht weiter immer und überall...

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