Gefährliche Nistplätze

Schornsteinfeger Josef van Mahmen zeigt Dohlengitter
Schornsteinfeger Josef van Mahmen zeigt Dohlengitter
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Dohlen suchen sich für die Aufzucht ihrer Jungtiere gerne Schornsteine aus. Für die Höhlenbrüter ein praktischer Platz – für die Bewohner eine Gefahr

Xanten..  Sie war der Vogel des Jahres 2012, ist mit ihrem schwarz-grauen Gefieder hübsch anzusehen und gilt als ziemlich geschwätzig – die Dohle. Doch zur Brutzeit kann sie eine große Gefahr für den Menschen sein. Denn Dohlen sind Höhlenbrüter und daher sind Schornsteine für sie gute Nistplätze. Sie fliegen über die Dächer, werfen Äste in die Schornsteine. Dort, wo am meisten hängen bleibt, wird das Nest gebaut. Für die Nachzucht zwar recht praktisch, für die Bewohner des Hauses können die Vogelnester aber lebensgefährlich werden. Schornsteinfegermeister Josef van Nahmen und seine Kollegin Manuela Lomme hatten alleine in den vergangenen vier Wochen gut zu tun. „Gut 25 Nester haben wir in unserem Bezirk entfernt“, so van Nahmen. „Gott sei dank noch ohne Eier oder Jungtiere darin.“ Doch dazu später.

Wenn ein Schornstein mit Nistmaterial der Dohlen verstopft ist, macht es sich bei einer Öl- oder Gasheizung für die Bewohner in der Regel schnell bemerkbar. „Es ist schnell ein Abgasgeruch im Gebäude zu bemerken und auch die Luftfeuchtigkeit im Raum schnellt in die Höhe“, so der Bezirksschornsteinfeger. „Bei Kaminöfen, die mit Holz befeuert werden, sieht es da schon anders aus.“ Dort treten bei einem verstopften Schornstein Rauchgase aus, unter anderem das hochgiftige Kohlenmonoxid (CO). Es ist geruchslos, geschmackslos und unsichtbar und macht es dadurch zu einer tödlichen Gefahr. „Ich rate Kaminofenbesitzern daher dringend dazu, einen CO-Warnmelder im Wohnraum zu installieren“, so van Nahmen. „Der sollte etwa in 1,50 Meter Höhe angebracht werden und warnt die Bewohner vor der tödlichen Gefahr.“ Eine weitere Alternative, sich vor den Dohlennestern zu schützen, ist ein Schutzgitter. Diese werden auf den Schornstein gesetzt und so können sich die Vögel erst gar nicht im Schornstein einnisten. Vor allem bei Häusern, die schon einmal von einem Dohlennest betroffen waren, macht der Einsatz besonders Sinn. „Dohlen sind sehr standorttreue Vögel und versuchen den gleichen Schornstein immer wieder zu erreichen“, weiß der Experte. „Auch der Nachbarschaft ist deshalb in diesem Fall zu einer solchen Maßnahme zu raten.“ Wenn in den Nestern jedoch schon Eier oder gar Jungvögel vorhanden sind, wird die Sache etwas komplizierter. Da Dohlen wie alle europäischen Vögel besonders in der Brutzeit unter Artenschutz stehen, machen sich sowohl Hausbesitzer, als auch der Schornsteinfeger strafbar, wenn sie die Nester entfernen. Dann heißt es entweder die Situation Aussitzen und aufs Heizen verzichten, denn so Josef van Nahmen: „Nach acht Tagen sind Eltern, wie auch Jungvögel in der Regel weg und das Nest kann einfach entfernt werden.“ In dringenden Fällen sind aber auch die Untere Landschaftsbehörde und Naturschutzorganisationen zur Stelle, um eine zeitnahe Lösung zu finden. Denn die Gesundheit der Menschen, wenn Gefahr im Verzug ist, stehe nach wie vor an erster Stelle.