Für ein gesundes Leben
09.09.2008 | 19:58 Uhr 2008-09-09T19:58:36+0200PROJEKT. An drei Rheinberger Grundschulen soll ein Netzwerk für mehr Bewegung und bessere Ernährung von Kindern entstehen.
RHEINBERG. Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, hieß es schon bei den alten Römern. Was aber, wenn der Körper nicht fit ist, und das schon von klein auf? "Gesunde Kinder in gesunden Kommunen" heißt das grenzüberschreitende Projekt, das diesem Trend entgegensteuern will. Initiiert, betreut und wissenschaftlich begleitet wird es vom Willibald-Gebhard-Institut der Universität Duisburg-Essen. Aus dem Kreis Wesel sind zwei Kommunen mit dabei - Moers und Rheinberg.
Rückwärtsgehen - Wie geht das?
Es gebe eine hohe Quote von Grundschulkindern, die unter Bewegungsmangel, ja sogar -armut leiden, sagt Dr. Roland Naul, einer der Köpfe des Projekts: "Die Kinder werden sitzend zur Schule gebracht, es gibt weniger Bewegungszeiten in den Schulen und am Nachmittag sitzen die am PC oder an der Spielekonsole." Es gebe repräsentative Untersuchungen, "dass Kinder zehn bis zwölf Stunden sitzend verbringen und nicht so wie früher stundenlang spielen."
Bis zu drei Viertel der Kinder in Deutschland könnten deshalb kaum koordiniert rückwärts gehen. Dieser Mangel schlage sich später im Alltag wieder: "Wer schlecht läuft, fährt schlecht Fahrrad. Wer Bewegungen im Raum nicht abschätzen kann, kann sich schlecht im Alltag bewegen." Und bis zu einem Viertel der Kinder sei übergewichtig: "Passives Freizeitverhalten führt zu falschem Ernährungsverhalten."
Mit einer vernetzten Strategie sollen jetzt Lehrer, Eltern, Gesundheits- und Sportämter sowie Vereine gemeinsam an der jeweiligen Schule Aktionen für mehr Bewegung und eine bessere Ernährung organisieren." Zu Beginn des Projekts soll ein Motorik-Eingangstest gemacht und ein Ernährungsprotokoll erstellt werden. Die Ergebnisse werden dann ein- bis zweimal pro Jahr überprüft, und Eltern sollen eine Entwicklungskarte ihrer Kinder erhalten.
Drei Schulen beteiligt
In Rheinberg beteiligen sich die Gemeinschafts-Grundschule Grote Gert, die Paul-Gerhard-Grundschule und die katholische Grundschule St. Peter. Da laufen schon erste Vorüberlegungen: "Denkbar wäre zum Beispiel, einen Ernährungsführerschein auszustellen, gemeinsames Kochen oder physiotherapeutischer Bewegungsunterricht", meint Gabi Krekeler, Leiterin der St. Peter Schule. Sabine Hellebrand, Leiterin der Paul-Gerhard-Schule, ist gespannt: "Wir machen auch dieses "Gesund macht Schule"-Projekt, das Angebot würde dazu gut passen. Und die wissenschaftliche Begleitung ist ein Anreiz."
Ein "Runder Tisch" soll mögliche Aktionen diskutieren. Unklar ist noch, ob der vor oder erst nach den Herbstferien zusammenkommt. Ein "Kommunalmoderator" soll dann alles unter einen Hut bringen.
Und Concordia Ossenberg und die Leichtathletik-Abteilung des SV Millingen wollen am Nachmittag Sportangebote für die Kids machen, sagt der Stadtsportverband-Vorsitzende Ulrich Glanz: "Wir wollen da mit Abhilfe schaffen. Denn das ist auch eine Aufgabe des Sports." Das Projekt wird von der Euregio Rhein-Waal und der Stadt Rheinberg mit je 10 000 Euro pro Jahr unterstützt. Angelegt ist es erstmal für die nächsten drei Jahre. Über die Ausgestaltung wird heute nachmittag ab 17 Uhr im Rheinberger Schul-und Sportausschuss diskutiert. Das Konzept wird in sechs NRW-Kommunen genutzt. Mittlerweile hat es bereits europaweite Verbreitung gefunden. Unter anderem gibt es Projekt-Netzwerke in Großbritannien und in der Tschechischen Republik. Ähnliche Aktionen sind auch in Rheinland-Pfalz und in zwei Städten Luxemburgs in Vorbereitung.HINTERGRUND
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