Eintauchen in die Auenlandschaft

Sabine Hauke auf der Bislicher Insel.
Sabine Hauke auf der Bislicher Insel.
Foto: Christiane Kathrin Dase
Was wir bereits wissen
Mit Niederrhein-Guide Sabine Hauke geht’s im Nieselregen auf Wanderentdeckungstour auf der Bislicher Insel in Xanten

Xanten..  Ja, es ist tatsächlich Frühling! Auch wenn es sich bei sieben Grad und meist grauem Himmel nicht danach anfühlt. Egal – Sabine Hauke zieht sich einfach die Regenjacke und ihre Wanderschuhe an, mit Jack Russel Terrier-Welpe Foxi an der Leine geht’s zum Spaziergang auf die Bislicher Insel. „Wenn man die Welt nur durchs Fenster wahrnimmt, verliert man das Gefühl für die Jahreszeiten“, sagt die 52-jährige Natur- und Landschaftsführerin des Nabu, kurz Niederrhein-Guide. „Und der typisch niederrheinische Nieselregen gehört eben dazu...“

Aus Hamminkeln zieht es Sabine Hauke immer wieder ‘rüber auf die linke Rheinseite, zur Bislicher Insel nach Xanten. „Weil das hier einfach ein spannendes Gebiet ist. Die Römer waren hier. Und die Auenlandschaft ist traumhaft: Diese weiten Flächen, im Hintergrund die Stauchmoräne und dann unglaublich viel Horizont.“ Ebenmäßig zieht sich der Wanderweg über eine weite Strecke schnurgerade vorbei an Streuobstwiesen und Grasflächen, im Sommer zieht sich hierüber ein lilafarbener Teppich aus Blutweiderich, vorbei an Kopfweiden und Kiesseen.

Jetzt zieren kleine weiße Blüten einen sonst noch kahlen Mirabellenbaum – erste Frühlingsboten. Aber auch im Winter gibt’s beim Wandern auf der Bislicher Insel viel zu entdecken, findet Sabine Hauke. Als Niederrhein-Guide bietet sie zu allen Jahreszeiten Touren in dem Naturschutzgebiet an: „Im Winter sieht man hier viele unterschiedliche Moose, im Frühjahr blühen die Pappeln rot, im Sommer gibt es eine üppige Pflanzen- und im Herbst eine riesige Beerenvielfalt.“ Wer den zweieinhalb Kilometer langen Wanderweg (Achtung: dieselbe Strecke geht es wieder zurück!) durch die Auenlandschaft wandert, der sollte sein Fernglas nicht vergessen, rät Sabine Hauke: Neben verschiedenen Wildgans-Arten lassen sich hier auch Kormoran oder Steinkauz, das Wappentier der Bislicher Insel, beobachten.

Das Kieszeitalter hat die Bislicher Insel, die sich nach und nach von der Industrie- zur Auenlandschaft verwandelt, längst hinter sich gelassen. Heute zeugen vor allem die großen Wasserflächen, Heimat von zahlreichen Fisch- und Vogelarten – von dieser Vergangenheit. Diesen Artenreichtum hat das Naturschutzgebiet auch den regelmäßigen Überschwemmungen der Auenlandschaft zu verdanken: „Die Fische werden dabei aus dem Rhein hierhin gespült.“ Auch für die Menschen hat der Einfluss der Naturgewalten einen Vorteil: „Wenn die Auenlandschaft hier überflutet ist, dann ist das eine Entlastung für die Deiche in Richtung Holland. Den Klevern bringt das einen Zentimeter weniger Hochwasser im Rhein.“

Mit dem Fahrrad oder zu Fuß – wandernd, walkend oder joggend, „das kann man hier alles machen“. Sabine Hauke spaziert aber am liebsten über die Bislicher Insel: Die Haubentaucher auf dem Kiessee, das Storchenpaar, das gerade sein Nest bezogen hat, oder die gerade aufgeblühten Duftveilchen am Wegesrand: „Wenn man sich die Zeit nimmt, dann nimmt man am Wegesrand ganz andere Dinge wahr...“