Einsatz im OP-Container

Skalpell und Co. Hat Dirk Henricy zusammengesammelt und fertig gepackt - für das Projekt in Afrika.
Skalpell und Co. Hat Dirk Henricy zusammengesammelt und fertig gepackt - für das Projekt in Afrika.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Dirk Henricy ist OP-Leiter am St. Josef-Hospital in Xanten. Im März reist er nach Benin.

Xanten..  Nervös – so ein bisschen? „Klar. Aber ich freue mich auch total!“ Dirk Henricy schnappt sich den Teddy mit dem grünen Mundschutz, mit dem man kleinen Kindern die Angst vor der OP nehmen möchte. „Und der kommt auch mit.“ Dirk Henricy ist OP-Manager und Fachpfleger am St. Josef-Hospital, und in ein paar Wochen macht er sich auf den Weg nach Benin, Westafrika. Gemeinsam mit seinem langjährigen Chef, Dr. Johannes Kohler, und einem ehrenamtlichen Ärzte- und Pfleger-Team vom Niederrhein bricht er auf zu einer ungewöhnlichen Aktion: Operieren mitten im afrikanischen Busch – dort, wo Strom, wenn überhaupt, nur aus dem Generator oder aus der Autobatterie kommt, wo frisches Wasser aus mitunter weit entlegenen Brunnen geholt werden muss und eine Frau, die ihr Kind per Kaiserschnitt auf die Welt bringen müsste, keine Chance hat, die Geburt zu überleben...

Mitte Januar wird vom Niederrhein aus via Rotterdam ein OP-Container auf den Weg geschickt, ein mehr als 12 Meter langes, schmales aber hochmodernes, kleines OP-Zentrum mit allem, was ein Chirurg und sein OP-Chef so brauchen – inklusive einem digitalen Röntgengerät. Und wenn nach etwa sechs Wochen Seereise das tonnenschwere Teil im Hafen von Cotonou in Benin ankommt und dann auf die abenteuerliche Weiterfahrt über holprige Straßen in die 150 Kilometer entfernte Krankenstation in Gohomey gefahren wird, dann ist Dirk Henricy dabei. „Wir brauchen vor Ort dann noch mal drei, vier Tage, um den Container startklar zu machen – und dann legen wir los.“ Kleinere Operationen zunächst, Knochenbrüche, Typhus-Bäuche, Korrekturen von Sehnenfehlstellungen, Kaiserschnitte vielleicht. Große, komplizierte Operationen sind erst einmal nicht vorgesehen – doch niemand weiß, was das Helferteam erwarten wird.

Vierzehn Tage will Dirk Henricy in Afrika bleiben, hat seinen Urlaub dafür geopfert. Weil er an die Idee glaubt. Weil er helfen will. Und weil ihn eine kleine Hilfsorganisation aus Kevelaer so beeindruckt hat, die dank Spendengeldern den OP-Conatiner finanzieren konnte. „Seit mehr als 20 Jahren hilft Dr. Elke Kleuren-Schryvers mit ihrer Aktion pro Humanität in Benin, hat eine Krankenstation aufgebaut mit mehr als 50 beninischen Beschäftigten. Das ist großartig. Als mein Chef Johannes Kohler, mit dem ich ja viele viele Jahre am OP-Tisch gestanden habe, mich fragte, ob ich ihn nach Benin begleiten würde, habe ich gar nicht lange überlegt. Klar will ich.“

Das ist gut zwei Jahre her – und damals dachte noch niemand an Ebola. „Das hat uns alle sehr nachdenklich gemacht“, sagt Dirk Henricy. Ganz klar ist: „Wenn Ebola auch in Benin auftreten sollte, stoppen wir die Aktion. Das ist viel zu gefährlich.“

Dr. Johannes Kohler, langjähriger Chefarzt an St. Josef, legt zum 1. Januar das Skalpell aus der Hand – ehrenamtlich aber wird er sein Können und sein Wissen in Benin einsetzen. „Mein ‘alter’ Chef wird die OP-Teams koordinieren“, so Dirk Henricy. „Unser großes Ziel ist ja, dass wir mehrere Teams zusammenbekommen, die ehrenamtlich immer wieder für mindestens ein oder zwei Wochen am Stück im OP-Container arbeiten werden.“

Dass das bei bis zu 38 Grad im Schatten und einem tropisch-feuchtem Klima nicht ganz leicht sein wird, weiß Dirk Henricy. „Aber wir können so viel dort bewirken, wir können wirklich helfen. Das ist unsere Motivation. Außerdem: Unser OP-Container hat zwar keine Fenster, ist aber vollklimatisiert.“

Seit Monaten hat er bei Firmen, Zulieferern und Kliniken getrommelt, hat kistenweise OP-Equipement zusammengesammelt – vom OP-Tisch bis zum Nahtmaterial, von Abdecktüchern bis zum Mundschutz. Und ein paar Mal ist er nach Marburg gereist um zu schauen, wie der Bau des Containers bei der Firma TTM denn voranschreitet. „Ehrlich, das ist schon eine tolle Herausforderung so ein Projekt mitzugestalten – von der Planung bis zur Durchführung.“

Vierzehn Tage wird Dirk Henricy im Busch-Krankenhaus Dienst tun - wenn alles klappt, geht Mitte März die Reise los. „Wir haben dann alles dabei, um 50 bis 60 OPs machen zu können.“

Eine bunte Benefiz-Gala soll im Februar das Projekt OP-Container für Benin der Aktion pro Humanität (APH) unterstützen.


Steffi Neu, WDR-2-Moderatorin und APH-Botschafterin, wird gemeinsam mit WDR-Mann Ludger Kazmierczak durchs Programm führen. Der Klever Veranstalter Georg van den Höövel unterstützt den Abend und stellt das Festzelt zur Verfügung.

Mit Trio Nova, Rene Steinberg, Katharina Schoofs und „Massive Beat“, ASS-Dur, Gildo Horn.


T ermin: 5. Februar, 20 Uhr, Festzelt, Kleve, Hokovitplatz. Eintritt inkl. Flying Buffet 59 Euro. Tickets und Infos: www.aph-gala.de