Eine gefährliche Mixtur

Jugendliche und Alkohol - immer noch eine gefährliche Mixtur.
Jugendliche und Alkohol - immer noch eine gefährliche Mixtur.
Foto: dpa
Kinder und Jugendliche greifen an Karneval verstärkt zum Alkohol. An der kreisweiten Arbeitsgruppe Jugendschutz beteiligen sich auch die Ordnungsämter aus Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten

Rheinberg/Alpen..  Helau! Bald ist am ganzen Niederrhein wieder Karneval angesagt. Zum ausgelassenen Feiern in der fünften Jahreszeit gehört für viele nicht nur die richtige Verkleidung, sondern auch Alkohol dazu. So manch ein Jeck schaut an den Karnevalstagen vielleicht zu tief ins Glas – der Spaß hört aber auf, wenn schon Kinder und Jugendliche mit Alkoholvergiftungen im Krankenhaus landen.

„Sie sind neugierig und nutzen Karneval als Gelegenheit Neues auszuprobieren und unterschätzen oftmals die Gefahren, die vom Alkohol ausgehen“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung der kreisweiten Arbeitsgruppe Jugendschutz, an der sich auch die Ordnungsämter aus Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten beteiligen.

Alle zwei Jahre freuen sich die Rheinberger über ihren eigenen Rosenmontagszug durch die Innenstadt. Immer wieder gehörten in den vergangenen Jahren aber auch Krankenwagen zum Zug, „mit denen auch unter 16-Jährige stark betrunken ins Krankenhaus gebracht werden mussten“, erinnert sich Jugendpflegerin Babette Heimes. Zwei, drei Fälle seien das 2013 gewesen. „Es geht wieder zurück“, glaubt Heimes, „vielleicht auch wegen unserer Präventionsarbeit, man kann schon etwas bewirken.“

Polizei und Ordnungsamt werden auch in diesem Jahr beim Rosenmontagszug auf Rheinbergs Straßen unterwegs sein und Kontrollen durchführen. Da geht es um das Glasverbot, das seit einigen Jahren auf solchen Veranstaltungen gilt. „Es werden aber auch Ausweise kontrolliert und es wird geschaut, ob Jugendliche unter 16 Alkohol dabei haben“, sagt Babette Heimes.

Gemeinsam mit Mitarbeitern des Jugendzentrums Zuff will sie gezielt Jugendliche ansprechen, die offensichtlich zu viel getrunken haben. „Wir versuchen dann zu helfen, dass sie sicher nach Hause kommen. Zu Karneval ist es ja manchmal noch eiskalt draußen, da kann es richtig gefährlich werden, wenn die Jugendlichen betrunken draußen einschlafen.“ Alkohol gehöre einfach zu Karneval dazu, sagt Babette Heimes. „Viele Erwachsene trinken ja auch – aber bitte mit Vorbildfunktion!“ Aber wie können Eltern Einfluss nehmen auf den Umgang ihrer Kinder mit Alkohol? Die Arbeitsgruppe Jugendschutz hat hierfür Tipps zusammengestellt (siehe Infobox). Dazu gibt es eine kreisweite Elternbrief-Aktion: „Wir verteilen mit den Zeugnissen Elternbriefe in den Schulen, damit die Eltern rechtzeitig vor Karneval noch das Gespräch mit ihren Kindern suchen können“, sagt Rheinbergs Jugendpflegerin Babette Heimes.

Auch Ludger Funke, Leiter des Ordnungsamtes in Alpen, blickt dem Alpener Kinderkarnevalszug einen Tag vor Rosenmontag nicht nur mit Freude entgegen. „Leider ist es so, dass in den letzten Jahren verstärkt Jugendliche mit hohem Aggressionspotenzial den Zug gestört haben. Das macht uns schon Sorgen.“ In diesem Jahr seien Mitarbeiter des Ordnungsamtes verstärkt mit der Polizei im Zentrum und am Bahnhof unterwegs, auch ein Sicherheitsdienst sei engagiert. Das Kreisjugendamt mache zudem Ausweiskontrollen. „Das hat sich in Veen bewährt.“ Und auch das Glasverbot zeige bereits positive Auswirkungen: „Die Verletzungen sind zurückgegangen“, sagt Ludger Funke.

Sven Thiesis ist Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Alpener Kinderkarnevals (AKK) und enttäuscht darüber, dass immer öfter Jugendliche „unsere Veranstaltung nutzen, um sich zu betrinken. Das stört den Zug. Was die machen, hat mit unserem Karneval nichts zu tun...“ Im vergangenen Jahr hätten betrunkene Jugendliche randaliert und unter anderem einen Toilettenzug beschädigt. „Wir sind da machtlos“, sagt Sven Thiesis.

Damit der Kinderkarnevalszug in Alpen trotzdem stattfinden kann, hat der Verein Sicherheitskräfte engagiert. „Das bezahlen wir aus unserer Kasse, obwohl das auch immer schwieriger wird.“ Die Vorfreude auf den Zug lässt sich Sven Thiesis trotzdem nicht nehmen: „Die Kinder freuen sich auf die Wagen und die Bonbons – und wir freuen uns mit ihnen!“

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