Eine abenteuerliche Musikreise

sMatthias Goebel mit seiner Band.
sMatthias Goebel mit seiner Band.
Foto: Florie
Was wir bereits wissen
Seit 16 Jahren ist der Rheinberger Matthias Goebel als Profimusikerunterwegs.Aktuell geht es mit großem Orchester in die arabische Welt

Rheinberg..  Entspannt und gut gelaunt stellte sich Matthias Goebel mit seinen Musikern des „Tabadoul Orchesters“ nach dem MI-Jazz-Konzert in der Alten Kellnerei zum Gruppenfoto auf. Zuvor hatte das zwölfköpfige Ensemble mit Musikern aus Köln, Ägypten und der Türkei die Kompositionen des Ägypters Mohamed Abdel Wahab dem Publikum zu Gehör gebracht – mit Matthias Goebel samt Xylophon mittendrin.

„Ich bin in die Gruppe irgendwie reingerutscht, und der Raimund Kroboth hat sich jahrelang mit der Musik beschäftigt“, erzählt der 36-Jährige später am Stehtisch. „Was mich daran fasziniert ist, dass alle Musikrichtungen – arabischen Ursprungs und westeuropäische Musik – wunderbar vereint sind. Wenn man aus allen Kulturen das Beste nimmt, kann man eine wunderbare neue Kultur schaffen.“

Emirate und Beirut

Seit einem Jahr arbeitet der gebürtige Rheinberger mit dieser Formation zusammen – am Freitag ging es auf eine Tournee, die die Musiker in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Beirut führt. Matthias Goebel ist auf die kommenden Tage und Erlebnisse gespannt.

Seit 16 Jahren arbeitet er als professioneller Musiker – dass er als Sohn einer Krankengymnastin und eines Diplom-Wirtschaftsingenieurs mal von Rheinberg aus in die Musikwelt streben würde, war nicht so geplant. „Ich hatte schon meinen Medizin-Studienplatz in Bonn, das ist meine andere Leidenschaft – Gehirnforschung. Stattdessen war ich naiv genug, ein Musikstudium anzufangen.“ Bereut hat er den Schritt nach Köln nicht.

Die Affinität zur Musik kam schon in frühen Jahren. „Musik habe ich angefangen zu machen, weil ich ziemlich viele Eindrücke der Welt nicht verarbeiten konnte, das hat mein Klavier zu spüren gekriegt, und das war der Einstieg.“ Seine Musikkarriere begründete Matthias Goebel in Rheinberg als Mitbegründer der „Zauberlehrlinge“ und des MAP-Festivals. „Die Geburtsstunde der Band und das erste MAP, das war ein kreativer, humorvoller Moment“, erinnert er sich an diese Erfahrung. „Das ist auch hier in der Band so – es kommt mir sehr zugegen, dass ich eine Big Band hatte, die alle Stilarten durch den Fleischwolf gedreht hat.“

Mit der Rheinberger Truppe erlebte er mit dem Konzert auf Schalke 2007 auch zum ersten Mal, „dass mit Musik alles möglich ist. Ein sensationelles Erlebnis.“ Nach und nach zog er sich aus dem Projekt zurück. „Aber es ist immer schön, zurückzukehren und zu sehen, die gibt es noch.“ Und als Organisator der MI-Jazz-Reihe ist er der Heimat noch immer verbunden. „Ich habe das Vergnügen und Glück, die richtigen Leute kennenzulernen und nach Rheinberg zu holen.“

Party mit Lagerfeld in Singapur

Über Köln, Berlin und New York und Begegnungen mit Musikern wie Mathias Haus, David Friedman und Stefan Bauer kam der Schritt in die weite Musikwelt – wie 2014, wo er auf der Aftershowparty von Karl Lagerfeld in Singapur spielen durfte „bei Leuten, die man sonst nur aus Zeitschriften kennt“. Sein bewegendstes Erlebnis hatte Matthias Goebel in der Berliner Philharmonie beim Quartettabend mit zwei Klavieren und Schlagzeug zu Bartoks Klaviersonate. „Die Akustik da ist wahnsinnig, es gibt nur magische Momente. Und man denkt, wenn man in so ehrfürchtigen Häusern spielt, das läuft alles nach Knigge ab. Aber nach dem zweiten Stück stand eine Frau auf und rief: Wo spielen Sie denn sonst so?“

Er selbst bezeichnet diesen Weg als „abenteuerliche Reise.“ Goebels bevorzugtes Instrument – neben Schlagzeug und Klavier – bleibt das Xylophon. „Das Xylophon ist die perfekte Symbiose aus beiden Instrumenten: ich kann Grooves spielen, und Melodien und Akkorde wie auf dem Klavier.“ Was er bedauert, ist, dass musikalische Bürgerinitiativen wie die Kulturbühne in Rheinberg aufgeben mussten. „Ich hoffe, dass Rheinberg und die Region mal einen Kulturmanager einberufen und alle Potenziale, die da sind, vereinen.“

Seit Juni 2012 lebt Matthias Goebel in Düsseldorf, leitet dort sein eigenes Mallut-Musikinstitut. In Wuppertal stellt er im März in Zusammenarbeit mit der dortigen Hochschule und Kollegen aus New York und Philadelphia ein europäisches Vibrafonfestival mit Hochkarätern wie David Friedman auf die Beine.

Entspannung findet Goebel, wenn er mit seiner Frau Sarah Maria am Rhein spazieren geht, um das Erlebte zu verarbeiten. Was eine mögliche Familienplanung betrifft, hält sich der Instrumentalist zurück: „Es ist noch keine Handballmannschaft geplant.“