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Ein Schiff wird kommen

10.06.2012 | 22:00 Uhr
Ein Schiff wird kommen
Die „Heinrich Thomas“ setzt mitfahrende Mülheimer am Anleger in Xanten ab.

Xanten/Rheinberg. Jungfernfahrt der „Weißen Flotte“ von Bislich nach Orsoy: Radtransporter wurde nicht genutzt.

Gespannt wartete Klaus Leonhards an dem Anlieger nahe der Bislicher Insel. Der 49-jährige Alpsrayer war nicht mit dem Rad, dafür aber mit einer klaren Erwartungshaltung gekommen. „Ich wollte im Juli auf dem Boot mit Freunden meinen runden Geburtstag feiern, Freunde und Bekannte zum Brunch dort einladen.“ Entsprechend wollte er sich mal umsehen und schauen, was an Bord so geht.

Der Brite Rod Langham war mit seiner Frau und zwei zusammenklappbaren Rädern vom „Orsoyer Hof“ aus aufgebrochen. „Es ist unser letzter Urlaubstag, wir mögen Radfahren und haben im Hotel einen Flyer gesehen“, winkte das Paar der festgekleideten Gruppe der Schützengemeinschaft Bislich zu, die am seitlich gelegenen Radweg eintraf: „Wir sind zum 650. Jubiläum von St. Helena geladen“, meinte deren Vizepräsident Thomas Jansen – und fuhren mit ihren Rädern weiter.

Mal eine andere Perspektive

Links vom Steg wartete Michael Gieffers mit Rucksack auf das Eintreffen des Schiffes. „Ich hab immer schon mal gedacht, fahr bei sowas mal mit. Mal eine andere Perspektive sehen, von der Wasserseite aus neue Stellen entdecken“, hoffte der 43-jährige Budberger auf etwas weniger bewölktes Wetter.

Derweil hatte Frank Schlosser die Ladefläche des Anhängers für die Räder geöffnet, die mitgenommen und parallel zur Fahrt eigentlich nach Orsoy an den Steiger gefahren werden sollten. „Passen 48 Räder rein, in das Fahrzeug davor noch mal 15“, durfte er dann angesichts der dürftigen Resonanz ohne Ladung wieder abfahren.

Mit einer halben Stunde Verspätung traf die „Heinrich Thomas“ dann am Steg ein – im Gepäck eine gut 60-köpfige Besuchergruppe aus Mülheim, die von zwei Bussen des Unternehmers Verhoeven abgeholt und zu einer Dom- und Stadtführung nach Xanten gefahren wurden.„Man sieht eine ganze Menge, muss nicht ins Ausland fahren für sowas“, waren Elke Meier und ihre Freundin Tina Eden angetan.

Die drei Schleusen auf dem Weg – insbesondere in Meiderich – hatten die Verspätung verursacht, erläuterte Kapitän Wolfgang Mück. Warum so wenige Mitfahrer für die Orsoy-Fahrt gekommen waren, konnten sich Mück und sein zweiter Schiffsführer Martin Knebel auch nicht so richtig erklären. „Wir hatten mit wesentlich mehr gerechnet, waren sehr überrascht. Vielleicht der Fußball“, holte Knebel das Seil zum Ablegen ein. Knapp zwei Stunden später traf das Schiff in Orsoy ein, wo die Mülheimer Gäste auf dem Rheindamm das Schiff zum Rücktransport erwarteten. „Schöne Stadt, mit den kleinen Häusern und dem historischen Stadtbild – aber nach der Domführung war leider noch Kirmes da“, erkundigten sich Frederik Wohlgehaben und seiner Schwiegertochter Svetlana am dortigen Kunst-Punkt nach weiteren Angeboten. „Wir dachten, wir machen das wegen der Flotte mal spontan auf – und es hat sich gelohnt“, waren Petra Platzek und Brigitte Devers zufrieden.

So wie auch die vier Reisenden, die auf dem Rheindamm nach ihrer Ankunft die Eindrücke ihrer zweistündigen Fahrt diskutierten. „Der letzte Kilometer am Orsoyer Rheinbogen kam mir wie ein Urwald vor“, meinte Klaus Leonhards. „War sehr interessant – vor allem die Brücken“, klappten Rod Langham und seine Frau für den kurzen Weg zum „Orsoyer Hof“ ihre Räder wieder aus. Und Michael Gieffers hatte eine besondere Beobachtung gemacht - „Dass heute so viele Angler am Rhein zu sehen sein würden, hätte ich nicht gedacht.“

Alexander Florie


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