Ein Knie aus dem Drucker

Das Xantener St. Josef Hospital.
Das Xantener St. Josef Hospital.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
St. Josef-Hospital in Xanten setzt in Zukunft auf eine einzigartige Kniebehandlung

Xanten..  Ein neues Kniegelenk aus dem Drucker: Für Dr. Olaf Nosseir, Chefarzt der Chirurgie des St.-Josef-Hospitals, dürfte es mittlerweile fast schon zur Normalität gehören, was für viele nach einer futuristischen Idee aus einem Hollywood-Film klingen mag. Seit Ende November kann man dieses scheinbare Zukunftswerk in Xanten bestaunen - in der Gegenwart. Aber wie kommt man zu solch einem Knieimplantat?

Zuerst einmal wird das Knie im Krankenhaus mittels Computertomographem (CT) millimetergenau vermessen. Das entstandene Bildmaterial wird danach per E-Mail an eine amerikanische Firma verschickt, die für die Herstellung des Implantates zuständig ist. Bis das maßgeschneiderte Gelenk und die individuell angefertigten OP-Instrumente dann in Deutschland im Krankenhaus ankommen, ziehen erst einmal sechs Wochen ins Land. Dr. Nosseir bestätigte auf Nachfrage jedoch, dass dieser Schritt in Zukunft noch schneller vonstatten gehen könnte: „Der Mutterkonzern plant, in Zukunft einen weiteren Sitz in der Schweiz zu errichten.“ Aufgrund der Einzigartigkeit der Anfertigungen öffnet das Operationsteam das erhaltene Paket erst im OP-Saal.

Schnelle Genesung

Die Kosten für das Implantat, die von den Krankenkassen übernommen werden, betragen etwa 3500 Euro und sind damit knapp 1000 Euro höher als für eine herkömmliche Prothese. Dies liege laut Nosseir vor allem daran, dass die Behandlung noch recht neu sei und sich gerade erst in der Chirurgie etabliere. Dafür biete sie seiner Meinung nach erhebliche Vorteile. Während man bei der konventionellen Methode sein Knie meistens erst nach einer Woche um 90 Grad beugen könne, sei bei der neuen Behandlung schon ab dem zweiten bis dritten Tag eine solche Kniebeugung möglich. Darüber hinaus sei es von Vorteil, dass der Gelenkersatz an jeden Patienten individuell angepasst würde, bei der herkömmlichen Prothese würde hingegen das Knie an die Prothese angepasst, wozu größere Teile vom Knochen entfernt werden müssten.

Wer für eine solche Behandlung in Frage kommt, ist simpel zu beantworten, denn lediglich eine Nickel-Allergie und eine Bein-Fehlstellung von mehr als 15 Prozent sind Ausschlusskriterien für das Einsetzen des Gelenks aus Cobalt-Chrom.

Gegenüber älterer Behandlungsmethoden, so sagte Dr. Nosseir, hätten die Knieimplantate keine Nachteile, vielmehr würden sie nur Vorteile bieten. „Man hat als Patient keine Fremdkörpernachteile, da das Knieimplantat genau an das Knie angepasst ist. Darüber hinaus gibt es keine neue Situation für die Bänder.“ Im Vergleich zu herkömmlichen Behandlungsmethoden nähmen auch diese Methode gerade Menschen zwischen 50 und 70 Jahren in Anspruch. Jedoch fügte er hinzu, dass man ein solches Implantat in jedem Alter erhalten könne. „Die Patienten erhalten genügend Informationen und fragen oft gezielt nach dieser Behandlung“, so der Chefarzt der Chirurgie.

„Die Methode ist sicher und hat auf jeden Fall Zukunft. Ich glaube sogar, sie ist die Zukunft“, betonte er zuversichtlich. Auch wies er darauf hin, dass hiermit kein Leistungssport möglich sei. „Allgemein ist mit solchen Prothesen kein Sport, wie zum Beispiel Tennis, möglich. Das sollte den Patienten bewusst sein.“ Hier unterscheiden sich die verschiedenen Behandlungen nicht. Auch dieser künstliche Gelenkersatz ist nicht frei von Verschleiß. Nach etwa zehn Jahren müsse das Inlay, eine Art Bandscheibe, durch ein beigelegtes Teil ersetzt werden. Dieses Paket hebt das zertifizierte Endoprothesezentrum, welches als einziges am linken Niederrhein diese Operation durchführt, für den Patienten auf. Was vor Kurzem noch nach Zukunftsmusik klang, ist mittlerweile wahr geworden: neue Kniegelenke aus dem Drucker.