Ein Fass ohne Boden
27.11.2008 | 20:17 Uhr 2008-11-27T20:17:58+0100INNENSTADT. Der Püttmann-Abriss steht im Rat auf der Tagesordnung. Grundsanierung des Gebäudekomplexes würde knapp 580 000 Euro kosten. Neuer Wasserschaden nach den Schneefällen.
RHEINBERG. Alle Jahre wieder in der letzten Ratssitzung des Jahres: Püttmann steht auf der Tagesordnung. Und das wird auch in diesem Jahr nicht anders sein. Denn da die CDU im Bauausschuss anmeldete, den Abriss des Gebäudes noch nicht zu Ende diskutiert zu haben, wurde die Entscheidung darüber in den Rat vertagt (wir berichteten).
Da verschwindet wieder ein altes Gebäude
Gekauft worden war der Bereich im vergangenen Jahr, um irgendwann den historischen Wallgraben wieder in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, nämlich frei von Gebäuden. Zweiter wichtiger Punkt für die Stadtplaner beim Kauf der Grundstücke: Die Verkehrssituation dort zu verbessern.
Alle anderen Pläne, die möglicherweise darauf hinauslaufen könnten, das Gebäude zu erhalten, würden Geld kosten. Und zwar richtig viel Geld, so der erste Beigeordnete Klaus-Dieter Henne. 579 700 Euro rechnet die Stadt für eine Grundsanierung, so die Kostenschätzung von Anfang November. Ob das reicht? Denn durch den starken Schneefall in der vergangenen Woche hat es einen erheblichen Wasserschaden im Anbau gegeben. Die Fotos, die die Verwaltung im Ausschuss zeigte, sprachen eine deutliche Sprache.
Es bleibe, so Henne, die verständliche Sorge, dass wieder ein altes Gebäude aus Rheinberg verschwinde. Das gefalle ihm auch nicht, aber es sei die Geschäftsgrundlage gewesen beim Kauf des Grundstücks. Und was sei die Alternative? Wofür könnte es sich lohnen, das Gebäude stehen zu lassen? Ein neuer Betrieb sei doch schon vorher nicht gefunden worden. Sollte die Stadt das Gebäude nutzen? Zum Beispiel dann, wenn das Jugendamt aus dem alten Rathaus auszieht und eine anderweitige Bleibe suche? Dort müsste enorm viel Geld hineingesteckt werden. Aber "es war Konsens, da nichts hineinzustecken." Ab 15. Dezember steht das Gebäude leer, die ehemaligen Besitzer ziehen aus. Was bedeute, dass es hier keine soziale Kontrolle mehr gebe. "Wir sind vor Vandalismus nicht gefeit."
"Schrottimmobilie nicht auf Teufel komm raus erhalten"
"Möglichst schnell entsorgen", erläuterte SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Ohl die Haltung seiner Fraktion. Ansonsten sei zu befürchten, dass man dort über Wochen und Monate mit einem Schandfleck werde leben müssen. Die Wälle wieder in ihren historischen Zustand zu versetzen, sei mit dem Püttmann-Komplex darauf nicht möglich, betonte FDP-Vertreter Hans-Peter Götzen. Der Abriss sei vereinbart gewesen. Das Thema in den Rat zu schieben, sei möglich, aber das Gebäude längere Zeit stehen zu lassen oder möglichst zu investieren, dafür sei die FDP nicht zu haben. "Das ist ein Fass ohne Boden." Auch Klaus Lorenz (SPD) erinnerte an die Absicht, die damals mit dem Kauf des Komplexes verbunden gewesen war: den Stadteingang neu zu gestalten und die Wallanlagen freizulegen. "Aber nicht, dass wir diese Schrottimmobilie auf Teufel komm raus erhalten."
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