Ein Berg aus Müll
10.02.2012 | 17:44 Uhr 2012-02-10T17:44:00+0100
Rheinberg-Winterswick. Ein Freizeitparadies wird die ehemalige Deponie Winterswick frühestens 2030. Jetzt stehen erst Dichtungsarbeiten an.
Daran, dass hier einst eine Mülldeponie war, erinnert nicht mehr viel. Es ist kalt und zugig, auf dem knapp 30 Meter hohen Hügel, der größtenteils aus Müll besteht.
Wenn es nicht so trüb wäre, könnte man von hier aus bis ins Ruhrgebiet schauen. Besuchern bleibt der Ausblick allerdings verwehrt: „Das hier ist ein Betriebsgelände, das man nicht einfach für die Öffentlichkeit öffnen kann“, sagt Michael Block, Sprecher der Abfallentsorgungsgesellschaft Ruhrgebiet (AGR).
14 Jahre war die Anlage in Betrieb
Die AGR betrieb einst die Deponie und ist nun für deren Rekultivierung und die Nachsorge auf dem 30 Hektar großen Areal zuständig. 14 Jahre lang, zwischen 1983 und 1996, war die Mülldeponie Winterswick in Betrieb. Tonnen über Tonnen von Abfällen aus der Umgebung haben hier den Ort ihrer letzten Bestimmung gefunden.
Mülltrennung war damals noch Zukunftsmusik, weswegen von Plastik über Papier bis hin zum Restmüll alles Mögliche unter der Erde liegt. Ende 1996 kippte der letzte Wagen seinen Müll auf die Deponie, die danach von der Müllverbrennungsanlage Asdonkshof ersetzt wurde.
Schluss war damit aber noch lange nicht. Denn eine stillgelegte Mülldeponie kann man nicht einfach so sich selbst überlassen. „Mit dem Abfall, den jeder von uns produziert, müssen wir noch Jahrzehnte lang leben“, sagt Ulrich Rode, bei der AGR für die Betriebstechnik der Deponien verantwortlich. Frühestens 2030, so lauten die Prognosen, kann die Anlage aus der Nachsorge entlassen und dann eventuell für die Naherholung genutzt werden.
Vor kurzem haben die AGR-Vertreter im Rheinberger Umweltausschuss über ihre Arbeit informiert. Wenn man Block auf die politischen Diskussionen anspricht – es gab Ideen die stillgelegte Deponie schon früher als Freizeitparadies zu nutzen – , blockt er ab. Die AGR, sagt er, mache lediglich ihre Arbeit und erfülle damit die Auflagen der zuständigen Behörden. „Wir sind für die Planung der Folgenutzung nicht der zentrale Ansprechpartner.“
Der richtige Ansprechpartner sind die AGR-Vertreter für alle technischen Fragen rund die Abwicklung der Deponie. Schon 1994, als der Betrieb noch lief, begann die AGR in einzelnen Sektoren mit den Abdeckarbeiten. Gut einen Meter dick ist die Schicht, die den Abfall derzeit überzieht.
Auf dem Tisch im warmen Büro der Baubaracke liegen die Pläne für die kommenden Maßnahmen. Die einzelnen Bauabschnitte sind mit verschiedenen Farben markiert. Im Frühjahr sollen die Abdichtungsarbeiten beginnen.
Zu sehen ist davon im Moment noch nicht viel. Die Arbeiten ruhen, weil der Boden gefroren ist. Unterteilt in sieben Bauabschnitte gilt es eine 21 Hektar große Fläche abzudichten. 2017 soll alles dicht sein.
Ton, Drainagekies, Lehmboden und ganz oben eine Art Mutterboden – knapp drei Meter dick wird die Schicht sein, die das Eintreten von Regenwasser verhindern soll. Denn wenn Wasser auf die organischen Müllrückstände trifft, entsteht Methangas. Und Methangas ist nicht nur leicht brennbar. Sondern auch extrem klimaschädlich. „25 Mal klimaschädlicher als CO2“, sagt Dr. Susanne Raedeker von der AGR, die für die Deponienachsorge zuständig ist.
Noch immer gärt es unter der Oberfläche
Das Gas, das – obschon von Jahr zu Jahr weniger – noch immer entsteht, wird gesammelt und zum Blockheizkraftwerk auf dem Deponiegelände geleitet. Dort wird es in Strom umgewandelt und ins Netz eingespeist. 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr sind es momentan.
Erst wenn Ende 2012 der erste Bauabschnitt der Abdeckarbeiten beendet sei, könne man über eine mögliche wirtschaftliche Folgenutzung nachdenken. „Es gibt unterschiedliche Vorstellungen, was man machen könnte“, sagt Block. Eine Option könne eine Biogas-, eine andere eine Photovoltaikanlage sein. Letztlich liege die politische Entscheidung beim Stadtrat und die rechtliche Genehmigung bei der Bezirkregierung, sagen die AGR-Experten.
Dauerhaften Publikumsverkehr könne es zwar auch dann noch nicht geben. „Aber wir sind ein öffentliches Unternehmen. Und wenn es Gruppen von Bürgern gibt, die sich das Gelände anschauen wollen, können sie sich gerne bei uns melden.“
Wer Interesse an einer Besichtigung hat, kann sich bei Ulrich Rode von der AGR unter der Tel. 0209/9705765 melden.
0mitdiskutieren