Die Reise in eine andere Welt

Ein Großteil der Messe befasst sich mit Literatur.
Ein Großteil der Messe befasst sich mit Literatur.
Foto: Bussmann
Was wir bereits wissen
In der Messe Niederrhein begann die 3. Buch- und Kulturmesse. Noch bis zum Ende der Woche gibt’s dort türkische Literatur, Mode, viel Kulinarisches und auch Vorträge

Rheinberg..  Wer in dieser Woche die Rheinberger Messehallen betritt, hat das Gefühl, in einen anderen Teil der Welt geraten zu sein: Fremde Gerüche, eine Vielfalt fremdartiger Speisen und Getränke, viele ungewohnt gekleidete Menschen. Fast komplett hat sich derzeit eine der riesigen Hallen in einen gigantischen Buchladen verwandelt. Wer allerdings triviale Unterhaltungsliteratur sucht, wird kaum fündig. Auch deutschsprachige Titel findet man wenig.

Lange Tischreihen biegen sich unter der Last der Bücher. Über 30 Verlage und Buchhändler bieten an, was der gläubige Muslim sucht. Allen voran wird der Koran, selbst in gewaltig großen Exemplaren, auf Buchständern liegend, angeboten. Die Bücher sind einen Blick wert, widmet man sich den arabischen Zeichen, kunstvoll und voller Farbe. Einige sind mit ihrem Einband besondere Schmuckstücke. Den Koran gibt’s aber auch als Taschenbuch.

Von Duisburg nach Rheinberg

Die Buch- und Kulturmesse hat nach zehn Duisburger Jahren die Rheinberger Messehallen als neue Heimat für mehr als eine Woche entdeckt. Die Messe bietet neben türkischer oder arabischer, überwiegend religiöser oder philosophischer Literatur auch Einblicke in das kulinarische Leben, vor allem der Türkei. Schon 2012, dem ersten Jahr in Rheinberg, wuchs die Buch- und Kulturmesse über alles bisherige hinaus, was in den Messehallen zuvor stattfand. 60000 Besucher kamen an zehn Tagen – eine neue Rekordzahl.

Auch bei der jetzt dritten Auflage stehen die Bücher im Vordergrund. Menschen aus anderen Kulturkreisen wie der Türkei oder vom Balkan finden in deutschen Buchhandlungen schwerlich das, was sie lesen wollen. Vor allem fehlt fach-, sach- und sprachkundiges Personal. Das gab’s in Rheinberg. Da wird gelesen und am Ende auch gekauft. Nicht nur der Koran sondern auch Kinderbücher gehörten zum Angebot. Denn Kinder sind gern gesehene Gäste. Neben Lesungen und Vorträgen von bekannten türkischen Schriftstellern, Geschenk- und Gebrauchsgegenständen aus einer anderen Welt, spielt auch Mode eine Rolle. Es gibt Kopftücher und orientalische Kleidung.

Geselligkeit steht zudem ganz oben an bei der Buch- und Kulturmesse, die das Bochumer Unternehmen Astec erfolgreich organisiert. Nicht zu vergessen waren die vielen landestypischen Speisen, besonders aus der Türkei. Gastfreundschaft wird groß geschrieben. „Probieren Sie mal“, hieß es allerorten.

Da steht Ali Genc aus den Niederlanden mit seinem türkischen Eis, ganz anders als das italienische, dass er akrobatisch ins Hörnchen streicht. „Kein Fettanteil, reine Milch, wenig Zucker“, lobt er. Mit dem türkischen Fez auf dem Kopf gibt’s nebenan bei Kakiki Gaziantep Tathlari aus Duisburg Honigsüßes aller Variationen, als Hauptmahlzeit Künefeci, ein Gericht mit Käse und Pistazien. „Halal“, absolut frei von tierischen Fettbestandteilen, ist ein neues Getränk für strenge Muslime. Sultan Cola heißt das Colagetränk, dass seinem amerikanischen Bruder nicht im Entferntesten gleicht – aber gut schmeckt: Reines Mineralwasser, mit Schwarzkümmel aus der Türkei, nach muslimischen Vorschriften für Strenggläubige hergestellt.

Wie man türkisch feiert, erfährt man ebenfalls. Feierlich gedeckte Tische, für das Brautpaar ein besonderer Tisch. Buchbar gleich nebenan in einer anderen Messehalle für bis zu 1500 Hochzeitsgäste mit viel Gold und Glimmer im Livan Dügum Solonu.

Nur einer fehlte in der Messehalle, die Stadt Rheinberg. Die Säule, oben mit Info und Rheinberg gekennzeichnet, hatte leere Fächer. Nicht mal ein Stadt- oder Routenplan war für die Besucher, die vom ganzen Niederrhein, aus dem Ruhrgebiet und auch den Niederlanden und Belgien stammen, vorhanden. Kein Hinweis zur Autobahn, in die Stadt, zum Bahnhof. Da zeigte sich die Gastgeberstadt wenig gastfreundlich.