Die letzten Tage des alten Rathauses
14.04.2010 | 08:38 Uhr 2010-04-14T08:38:00+0200
Alpen.Zuerst die Fakten. Das neue Rathaus hat 2,3 Millionen Euro gekostet. Auf 600 Quadratmetern entstehen unter anderem das Bürgerbüro, 50 Büroplätze, eine Dachterrasse, 800 laufende Meter Archivfläche und zwei Durchgänge zum bestehenden Rathaus.
Im September soll der Neubau eröffnet werden. Warum müssen die Mitarbeiter überhaupt umziehen? Und was passiert mit dem denkmalgeschützten Altbau von 1905? Ein Rundgang.
Tür öffnet
automatisch
Die Tür öffnet sich automatisch, wer hineingeht, sieht rechts und links des schmalen Ganges insgesamt acht Büros, zu den hinteren geht es drei Treppenstufen hinauf. Behindertengerecht sieht anders aus. Eine Etage höher sitzt Bürgermeister Thomas Ahls. Dazu gibt es weitere Büros, das Trauzimmer und den Sitzungssaal. Im 2. OG arbeiten weitere Rathausmitarbeiter, die meisten haben Büros mit Dachschräge. Das war es dann auch schon.
„Das Hauptproblem ist nicht der Platz, auch wenn das Rathaus einst für eine Gemeinde mit 8500 Bürgern gebaut worden war“, sagt Thomas Ahls. Laut des Bürgermeisters sind es vielmehr brandschutztechnische Gründe, die die Verwaltung in den Neubau zwingen. „Es gibt keine Fluchtwege“, sagt er.
Macht man sich auf den beschwerlichen Weg in den Keller, stellt man fest, Archivare hätten ihre helle Freude an dem staubigen Allerlei aus Akten und Registern. Seit 15 Jahren hat sich niemand mehr um eine Archivierung gekümmert. Was sich ändern soll, wenn die Papiere erst in den Neubau gewandert sind.
Das alte Rathaus war bereits in den 1970er Jahren – nach der kommunalen Neugliederung ist die Gemeinde auf heute 13 000 Einwohner gewachsen – zu klein für die Verwaltung. Die Gemeinde kaufte das benachbarte Wohnhaus. In dem muffigen Gebäude sitzen heute unter anderem die Bauverwaltung und auch ein Bezirksbeamter der Polizei. Der Bau soll nach dem Umzug verkauft werden.
„Das wird schwierig“, sagt der Bürgermeister. Es müsse entkernt werden, zudem hat es keine Heizung, die Anlage des Rathauses versorgt den Nebenbau mit. Mit 160 000 Euro steht das Haus in den Büchern, ein Interessent soll sich bereits gemeldet haben.
Alle Büros sind
gleich groß
Beim Richtfest am Freitag sehen viele Mitarbeiter erstmals ihre neue Büroräume. „Einzelbüros haben 13 Quadratmeter, Zweierbüros 20 und Zweierbüros mit Publikumsverkehr 25 Quadratmeter Fläche“, sagt André Emmerichs von der Personalverwaltung. Beim Umzug würden die Kollegen einiges an Altakten ausmisten, um als verschlankte Verwaltung in die neuen Räume zu ziehen.
Zurück in den betagten Altbau: Hier bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. 700 000 bis 800 000 Euro kostet der Umbau. Ins Erdgeschoss zieht die öffentliche Bücherei, im 1. Obergeschoss bleiben auch nach dem Umbau Sitzungssaal und Trauzimmer bestehen, auch der Bürgermeister bleibt. Ganz oben bekommen die Fraktionen eigene Räume. „So etwas hatten wir bisher nicht“, sagt Ahls.
Auf eines müssen die Mitarbeiter demnächst verzichten: Die liebevoll vertäfelte „Rathausklause“ im Obergeschoss. Die Sozialräume werden im Neubau nüchterner eingerichtet sein. Dafür entsprechen sie aber den neuesten Brandschutzvorschriften...
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