Die legen 'ne Schippe drauf
03.09.2009 | 19:45 Uhr 2009-09-03T19:45:00+0200Junge Menschen haben im Rahmen eines Internationalen Camps eine Feuerstelle in der St. Bernardin-Wohnanlage in Sonsbeck-Hamb gebaut
Der Betonmischer rotierte, der kleine Schaufelradbagger rollte – und 15 junge Menschen aus aller Welt im Alter zwischen 16 und 26 Jahren nahmen die Schippe zur Hand. Auch der 19-jährige Ander aus dem spanischen Bilbao half fleißig mit. „Wir planieren hier noch die Fläche vor der Halle", erklärte der 19-jährige. Die bunte Truppe war auf Einladung des Internationalen Jugendgemeinschaftsdienstes (IJGD) für das zweiwöchige Workcamp zur St. Bernardin-Wohnanlage in Sonsbeck gekommen, unter anderem waren Briten, Italiener, Iren und Japaner dabei. Entsprechend mussten die Teilnehmer sich erstmal zusammenfinden. „Am Anfang war es schon schwer, weil ich vorher noch nie mit so vielen Leuten aus anderen Ländern zusammen war”, schmunzelte Ander.
Mit der Zeit habe sich das aber gegeben, erzählt die 23-jährige Polin Kamila. „Wenn man zusammen kocht, arbeitet und soviel Zeit miteinander verbringt, dann kommt das." Sie hatte bewusst Sonsbeck ausgesucht als Ort, wo Menschen mit Behinderungen leben. „Für mich war das wichtig, denn meine Mutter arbeitet in Polen in einer Schule für Behinderte.” In der Turnhalle auf dem St.-Bernardin-Gelände konnten die jungen Leute nach der Arbeit schlafen, die Pfadfinder aus Kapellen hatten ein Koch- und ein Arbeitszelt zur Verfügung gestellt. Sich selber gemeinsam organisieren, das sei das Konzept, meinte Martina Blauhut, eine der beiden IJGB-Gruppenleiterinnen. „Das war für viele ungewohnt. Aber so kommt man sich näher, das schweißt zusammen."
Fünf Stunden pro Tag waren das Minimum – Unterstützung gab es von ehrenamtlichen Mitarbeitern, und auch die Bewohner des Wohnheims halfen tatkräftig mit: „Die Gruppenleiter haben bei uns gegessen und wir haben den Jugendlichen die Wäsche gewaschen", erzählt Renate Fink, Vorsitzende des Bewohner-Beirates. Am Anfang sei der Kontakt mit den Jugendlichen noch zögerlich gewesen. „Aber die Japaner sagen jetzt auch schon mal Hallo oder Morgen, wenn wir aus der Waschküche winken."
Bei Ausflügen nach Köln, Essen und Xanten konnten die Teilnehmer die Region erkunden oder machten sich wie die 21-jährige Too Young Lee aus Südkorea auch mal allein auf den Weg. „Am Sonntag war ich mit dem Rad in Holland, das war toll. Ballons am Himmel, Kirchen in der Straße, super." Das Ergebnis der zweiwöchigen Arbeit konnte sich sehen lassen. Neben der alten Aussegnungshalle war eine kleine Natursteinmauer mit einem Hügel als Feuerstelle und eine gepflasterte Rundfläche mit Sitzwürfeln entstanden. Jeder hatte dort sein eigenes Ornament eingearbeitet – zum Beispiel Liebe in ukrainischer Sprache, die japanische Fahne, eine Kirche und das Ying-Yang-Zeichen.
Der Leiter der Wohnanlage, Hans-Dieter Kitzerow, war sehr angetan. „Super”, so sein Fazit. Die Arbeit sei aber nur ein Mosaik im Rahmen des Projekts Landschaftspark St Bernardin, das er in sieben Jahren verwirklicht sehen möchte. „Wir machen das aber bewusst kleckerweise, und es ist nicht schlimm, wenn nicht alles fertig wird." Dabei will man auf Firmen verzichten. „Das könnten wir auch finanziell nicht stemmen, sondern wir binden lieber Vereine und Gruppen ein. Der Effekt ist so dann auch ein ganz anderer." Am Abend wurde noch gegrillt, heute steht zum Abschied eine Fahrt nach Amsterdam an. Am Samstag geht es dann nach Hause. Für Kamila aus Polen steht jedenfalls jetzt schon fest: „Ich komme wieder."
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