Die Aushilfsbiene vom Niederrhein las in Rheinberg

NRZ-Gartenkolumnist und Buchautor Jens Dirksen las aus seinem Buch "Querbeet" in der Gärtnerei den Drijver.
NRZ-Gartenkolumnist und Buchautor Jens Dirksen las aus seinem Buch "Querbeet" in der Gärtnerei den Drijver.
Foto: Christoph Karl Banski
Was wir bereits wissen
Autor Jens Dirksen begeisterte mehr als 20 NRZ-Leser am Dienstagabend in der Gärtnerei den Drijver mit lustigen Anekdoten aus seinem grünen Paradies.

Rheinberg..  Im Winter erliegt er schon mal der „teuflischen Versuchung“ der Gartenkataloge. Im Frühjahr fühlt er sich genötigt, Aushilfsbiene zu spielen. Im Sommer plagt er sich mit Schnecken herum, die für Schicksalschläge bei vielen Gärtnern sorgen. Und dennoch liebt Jens Dirksen die Gartenarbeit.

Am Dienstagabend las der NRZ-Kolumnist von „Kraut und Rüben“ deshalb exklusiv für rund 30 NRZ-Leser in der Gärtnerei den Drijver aus seinem Buch „Queerbeet“ und gab im Anschluss Tipps für die Gartenpflege.

Unterbrochen von Applaus und zustimmendem Gelächter berichtete er vom Gartenblues, der ihn schon im Winter durch Gartenkataloge blättern lasse, seinem Kampf gegen das Unkraut und seine unangenehme Bekanntschaft mit der Kirschfruchtfliege – alles in chronologischer Reihenfolge von Januar bis Dezember.

„Nachdem meine Kinder kleine weiße Würmer in den Kirschen entdeckt haben, hatte ich schon die Hälfte beim Ernten aufgegessen“, las er schmunzelnd vor. Dieses Erlebnis sei jedoch geschmacksneutral und scheinbar gesundheitlich unbedenklich gewesen.

Manch einer der anwesenden Gärtner fand sich auch in seinen Ausführungen über die Gartenbekleidung wieder, die unangetastet in der Laube hängt. „Ich geh nur mal eben in den Garten“, sagte sich der dreifache Vater immer wieder, verbrachte dann stundenlang im Grünen. Die guten Schuhe und die schicke Hose seien danach meist grün und braun gesprenkelt, die unbenutzte Gartenkleidung blieb hingegen sauber.

Auch ließ er es nicht aus, über seine Künste als Pinselbiene zu berichten. Im März sei es noch sehr kalt gewesen, keine Biene war in Sicht. „Da habe ich mit einem haarfeinen Pinsel Biene bei der Pfirsichblüte gespielt“, erinnert er sich. Seinen Pfirsichbaum mag der Bauer aus Vierbaum nicht nur wegen des süßen Obstes, sondern vor allem wegen des schönen Grüns seiner Blätter so sehr.

Arbeit als Aushilfsbiene

Seine Arbeit als Aushilfsbiene zahlte sich aus – im Spätsommer trug sein geliebter Pfirsichbaum leckere Früchte. Aber auch im nächsten Jahr waren keine Bienen in Sichtweite. Diesmal bestäubte Jens Dirksen das Bäumchen nicht. Und siehe da: trotzdem konnte er wieder ernten. „Manchmal muss man auch den Dingen seinen Lauf lassen und tut gut daran, nichts zu tun“ – bestätigte sich damit erneut seine alte Garten-Weisheit.

Schallendes Gelächter erntete der Journalist auch für seine Ausführungen über das wildgewordene Eichhörnchen „Horst“, welches bei einem Besuch aufgeregt sein Hosenbein rauf- und runterkletterte und sich am liebsten in seinem Hühnerstall herumtrieb.

Zum Abschluss gab es noch eine offene Diskussionsrunde über die Schädlinge, die eine „brodelnde Wut im Gärtnerherzen“ entfachen können. Jens Dirksen empfiehlt, gegen die Schnecken die Gemüse- und Blumenbeete mit einem Schneckenzaun zu umgeben. Die Leser gaben auch Tipps – vom Ausstreuen von Sägespänen oder Asche rund um die Beete, über den Einsatz von Salz bis hin zur berüchtigten Bierfalle. Einig waren sie sich mit dem Vierbaumer darüber, dass „kein Mittel hundertprozentig gegen Schnecken wirkt“ und dass die Bierfalle die Schnecken zwar effektiv anlocke und zuverlässig töte, aber meist auch die Schnecken aus den Nachbargärten vom duftenden Gerstensaft betört würden und dann in den Garten kämen, wo die Falle steht.

Eine Leserin berichtete von schlauen Kaninchen, die ihr den Zaun einrennen, ein anderer Gast klagte über seine Probleme mit lästigem Giersch. „Da hilft nur einen halben Meter tief auskoffern“, erwiderte der Garten-Experte daraufhin, denn chemische Mittel müsse man alle zwei, drei Monate wiederholen.

Sein Motto vermittelte Jens Dirksen in der Lesung mit Humor: „Im Garten ist es sinnvoll, Toleranz zu üben“. Die Leser zeigten sich nach der Veranstaltung begeistert: „Es hat uns gut gefallen“, so Leo Bücker aus Rheinhausen. „Die Kolumnen sind immer interessant und schön zu lesen.“

Auch NRZ-Leser Ilias Stantscheff werkelt gerne im Garten: „Auf der Couch sterben die meisten Menschen“, sagt der 66-jährige Rheinberger. Deshalb freute er sich, bei der Lesung neue Tipps zur Gartenpflege zu bekommen, auch wenn sich bei ihm zuhause eher seine Gattin um das geliebte Grün kümmert: „Ein Garten darf nur so groß sein, wie ihn die Frau bewirtschaften kann“, gab er mit einem Schmunzeln zu. Gesundheitlich bedingt sei sie fitter für die Gartenarbeit. Er sei dann aber für das Fotografieren der blumigen Pracht zuständig.