Der Wunsch, etwas zurückzugeben

Stefan Büscherfeld kümmert sich um die Musikgruppen.
Stefan Büscherfeld kümmert sich um die Musikgruppen.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Mehr als 20 Helferinnen und Helfer engagieren sich für das NRZ-Ferienprogramm für Familienmit schmalem Geldbeutel. Vaanilaa Ketheeswaranthan war selbst einmal Ferienkind

Rheinberg..  Am Ende hat’s dann doch gereicht. Wie in jedem Jahr. „Aber einfach war’s nicht“, sagt Bernard Bauguitte. Genügend freiwillige Helfer zu finden, die eine ganze Woche opfern, um Kindern schöne Ferien zu bereiten. Ehrenamtlich, versteht sich. Bauguitte ist Leiter des Diakonischen Werkes in Rheinberg und gehört mit Vertretern des Caritasverbandes Moers-Xanten und einem Team von engagierten freiwilligen Helfern zu den Organisatoren des Ferienprogramms für Familien mit schmalem Geldbeutel. Seit etlichen Jahren bietet die Truppe Kindern aus Familien, die finanziell nicht auf der Sonnenseite stehen, eine Woche Ferien. In diesem Jahr steht das „Haus der Generationen“ am Annaberg unter dem Motto: „Ich bau’ mir die Welt, wie sie mir gefällt.“

Damit die Woche aber so richtig schön wird, braucht das Organisationskomitee Verstärkung. Schon früh im Jahr beginnt die Suche nach ehrenamtlichen Helfern. Bewährte Kräfte sind dabei, auf die Bauguitte immer gerne zurückgreift. Gaby Renk zum Beispiel ist eine Frau der ersten Stunde, die immer bereit steht, wenn ihre Zeit es zulässt. Sie ist unter anderem Musiktherapeutin, hat sei kurzem auch Phonophorese im Angebot, dahinter versteckt sich Akupunktur mit der Stimmgabel. Kein Wunder, dass sie alles übernimmt, was mit Musik zu tun hat. „Ich finde es wichtig, solche Dinge auch für Kinder anzubieten, die sonst vielleicht keine Möglichkeit dazu haben.“ In den vielen Jahren hat sie viele tolle Kinder erlebt, wie sie sagt, die mit Begeisterung bei der Sache gewesen sind. „Und mit Musik kann man alle gut erreichen, das geht quer durch alle Sprachen und Kulturen.“ Immer noch findet sie es faszinierend, wie sich Kinder entwickelten, wenn sie gefördert werden, wenn sie merken, „ich kann das“.

Nicht von Anfang an, aber doch seit mehreren Jahren dabei ist Musiker Stefan Büscherfeld. Wie Gaby Renk setzt auch er auf die Förderung durch Musik. „Weil Musik gut für Kinder ist.“ Sie fördere Intelligenz, die soziale Kompetenz und vieles mehr. Das ist die eine Seite seiner Motivation, die andere aber auch das Gefühl, etwas Positives zurückgeben zu können. „Uns geht’s doch so gut, das sollte man sich immer wieder bewusst machen, weil es nicht selbstverständlich ist.“

Den Wunsch, etwas zurückgeben zu wollen, kennt Bernard Bauguitte. Immer wieder fragt er bei den Frauen, die zu ihm in die Sozialberatung kommen, ob sie nicht mitmachen wollen. Die Bereitschaft hier sei groß, frei nach dem Motto, dass eine Hand die andere wäscht, sprich: „Mir wurde hier geholfen, also helfe ich dir auch.“ Ganz oft bringen die Mütter dann gleich ihre Kinder mit, „das finde ich doppelt schön, wenn die Möglichkeit besteht, etwas gemeinsam zu machen“. Über ihre Kinder kamen auch Dagmara Woznik und Beata Lot ins Helferteam. „Sie machen seit Jahren hier mit, da haben wir gesagt, wir auch.“ Wobei sie in diesem Jahr wirklich einen undankbaren Job haben. Die beiden Frauen gehören zum Küchenteam. Bei Temperaturen weit über 30 Grad für 50 Leute kochen zu müssen, ist ein heißes Vergnügen. Na und, sagen die beiden. „Wir haben gute Laune. Und einen Ventilator.“

Vaanilaa Ketheeswaranathan ist eine der Jüngsten der mehr als 20 Helferinnen und Helfer. Die 16-Jährige geht noch zur Schule, hat gerade den Realschulabschluss gemacht und peilt jetzt ihr nächstes Ziel an: das Abi. Als Kind war sie immer bei den Herbstspielaktionen in der Reichelsiedlung dabei. Irgendwann war sie dafür zu groß und wechselte die Seiten – als Helferin. „Da habe ich erst gemerkt, wie viel Arbeit es ist, ein solches Programm zu organisieren.“ Dabei bleiben will sie auf jeden Fall, auch wenn sie künftig viel lernen muss. Schließlich geht’s um Noten, und Vaanilaa hat ein ehrgeiziges Ziel: den Numerus Clausus für ein Medizinstudium zu schaffen. „Aber so eine Woche in den Sommerferien oder im Herbst hier helfen – warum nicht?“