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Rekordversuch

Der Meister der Murmeln

17.06.2011 | 19:06 Uhr
Der Meister der Murmeln
Rollen sie schon? Klaus Peter Beier testet schon einmal die ersten Schienen. Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool

Alpen/Kamp-Lintfort.Klaus Peter Beier sammelt Rekorde; normalerweise im Achterbahnfahren, nun baut er die längste Murmelbahn der Welt - in Kamp-Lintfort. Den Rekord von 210,31 Metern will er mit seiner Konstruktion übertrumpfen.

Ein kleiner Anstoß genügt, und die Kugel kommt ins Rollen. Sie schlingert etwas in der Holzrille, das kostet Energie. Aber sie lässt sich nicht von der Bahn bringen, und wird zum Selbstläufer. Das kennt Industriemechaniker Klaus Peter Beier ´41) nur zu gut, nicht nur von seinem neuesten Projekt: der längsten Murmelbahn der Welt. Derzeit liegt der Rekord bei 210,31 Metern. Die will der Alpener mit seiner Konstruktion in der Alten Lohnhalle des Bergwerks West in Kamp-Lintfort übertrumpfen.

Mit einer kleinen Hebebühne fährt er an dem sechs Meter breiten und hohen Gerüst hoch, um die ersten zehn Holzschienen, die sich im Zickzack nach unten winden, mit einer Hand voll Murmeln zu testen. „Die Steigung, die wir errechnet hatten, reicht leider noch nicht“, erklärt Beier. Das wäre ein Zentimeter pro Meter Bahn gewesen, also sechs Zentimeter pro Strecke, bevor die Kugel ins nächste Loch fällt. „Mit der Länge kommen wir aber trotzdem hin“, ist Schwiegervater Ernst Dams zuversichtlich, dass der Weltrekord schon funktionieren wird. Mit ihm und Schwager Klaus Schulz hat er Unterstützung aus der Familie. Doch auch Freunde und Kollegen packen beim Bau der Bahn mit an.

Für den guten Zweck

Die Familie hilft mit: Klaus Peter Beier aus Alpen (r.) mit Schwiegervater Ernst Dams und Schwager Klaus Schulz (v.l.). Foto: Bernd Lauter / WAZ FotoPool

Fragt man ihn, wie er auf die Idee gekommen ist, die längste Murmelbahn der Welt bauen zu wollen, zuckt er mit den Schultern: „Ich habe viele Ideen. Ich sammel Rekorde, wie andere Briefmarken“. Und das schon seit rund 20 Jahren. Dabei ist Murmelbahn-Bauen noch das harmloseste: die letzten fünf Rekorde holte der Alpener mit Dauer-Achterbahn- und Wasserbahnfahren. Hunderte Runden, stunden- oder mitunter tagelang. „Dafür mache ich mir beim Riesenrad in die Hose“, erklärt er, denn das sei ihm zu hoch. „Bei Achterbahnen fährt man zwar auch schon mal 60 Meter in die Höhe, aber da ist man auch schnell wieder unten.“ Doch nicht nur des Kicks wegen will er Rekorde erzielen, sondern vor allem, um damit Spenden für den guten Zweck zu sammeln; zum Beispiel für die Aktion Mensch, für die dabei schon einige tausend Euro herausgekommen sind. Mitunter durch Spenden seines Arbeitgebers Norgren, der ihn auch in diesem Jahr mit einem eigens dafür entwickelten pneumatischen Murmel-Aufzug unterstützt: damit fahren die Kugeln vom Ende der Bahn wieder auf die Anfangsschiene zurück. Außerdem wurde er für den gestrigen Nachmittag frei gestellt, um an der Bahn zu arbeiten, damit sie planmäßig am Montag vom Notar abgenommen werden kann. Später wird der Rekord dann in der Guinness-Weltrekord-Datenbank im Internet veröffentlicht – denn „solche Spaßrekorde werden nicht mehr im Buch abgedruckt“, weiß Beier.

Bahnen werden später an Kindergärten gespendet

Doch in diesem Jahr sind es vor allem Sachspenden vieler Firmen für den Bau der Bahn, im Wert von mehreren tausend Euro. Die will er nach dem Rekord an Kinderheime und Kindergärten spenden. Dazu gehören auch die rund 25 Murmelbahnen, die ihm von Spielzeugherstellern zugesandt wurden, und die zusätzlich zu der längsten Murmelbahn ausgestellt werden sollen. Eine hat er bereits dem integrativen Kindergarten in Bönninghardt gestiftet. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Murmelbahnen sehr förderlich sind für Kinder, die Probleme mit der Motorik haben“, sagt Beier. Therapeutische Wirkung hat das Hobby auch beim derzeitigen, autistischen Weltrekordhalter Jelle Bakker aus den Niederlanden, der schon zahlreiche seiner Murmelbahnen ausstellte.

Besichtigungstermine

Zu sehen ist die längste Murmelbahn und die Murmelbahn-Ausstellung am nächsten Wochenende, 25. und 26. Juni, von 10 bis 17 Uhr in der Alten Lohnhalle des RAG Bergwerk West, Friedrich-Heinrich-Allee 63, in Kamp-Lintfort.

Stefanie Brüning

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