Der Mann, der die Puppen tanzen lässt

Bernard Bauguitte lässt die Puppen tanzen.
Bernard Bauguitte lässt die Puppen tanzen.
Was wir bereits wissen
Bernard Bauguitte, der Leiter des Diakonischen Werkes in Rheinberg, hat ein ganz besonderes Hobby. Wie toll das sein kann, zeigt seine Gruppe heute beim Abschlussfest des Ferienprogramms

Rheinberg..  Der Glücksmichel hat ihn auf den Geschmack gebracht. Denn der Knabe aus dem Märchen war die erste Theaterrolle, die Bernard Bauguitte als Kind bekommen hatte. Bei der Volksbühne in Wattenscheid. „Beim ersten Auftritt rutschte mir fast das Herz in die Hose“, erinnert sich der heute 63-Jährige. Bei der zweiten Aufführung sah das schon ganz anders aus. „Da machte mir der Auftritt so viel Spaß, dass ich der Hexe gleich viel fester in den Hintern getreten habe.“

Das ist inzwischen 50 Jahre her, aber die Liebe zum Theater ist geblieben. Wenn sie sich auch ein wenig verändert hat. Selbst steht der Leiter des Diakonischen Werkes heute nicht mehr auf der Bühne, stattdessen lässt er die Puppen tanzen. Vor zehn Jahren machte Bauguitte einen Traum wahr, besuchte sein erstes Puppenspielerseminar. Und wenn er in zwei Jahren in Rente geht, dann will er sein Hobby noch professioneller betreiben. „Mir geht’s nicht ums Geld verdienen“, betont er. Sondern darum, die Menschen zu bewegen, zum Nachdenken zu bringen und natürlich auch zu unterhalten. „Die Menchen bei ihren Gefühlen zu packen, sie sollen mal lachen und mal weinen.“

Wenn gravierende Dinge passieren, dann verpackt er diese gerne in kleine Theaterstücke, die er mit seinen Puppen auf die Bühne bringt. Die Fusion des Diakonischen Werkes mit der Grafschafter Diakonie war ein solchr Anlass, das Thema Migration ebenfalls und zurzeit schreibt er an einem Stück über Menschen mit Demenz.

Die Arbeit mit Puppen sei sehr vielschichtig, und oberstes Gebot für einen Puppenspieler sei, flexibel und fix zu sein. Regelmäßig schaut sich Bauguitte andere Puppenspieler an, und ganz oft staunt er, was möglich ist. Mit Bühnenbild, mit Beleuchtung und vielem mehr. Erst kürzlich war er bei einer Vorführung, da verwandelte der Puppenspieler während der Aufführung ein Sofa, plötzlich fuhr eine Eisenbahn hindurch. Beneidenswert.

Seine Puppen lässt er bauen. Auf einem Markt in Hattingen hat er einen Puppenbauerin kennengelernt, eine ältere Dame aus Essen, die für ihn arbeitet. Neulich hat er sie besucht. Und kam ins Puppenparadies. Überall Figuren. Töchterchen Jasmin kommentierte dies so: „Ist das hier etwa die Augsburger Puppenkiste?“

Bauguitte gehört zu den Organisatoren des Ferienprogramms für Familien mit schmalem Geldbeutel. In dieser Woche hat er im „Haus der Generationen“ eine Gruppe betreut, die heute beim Abschlussfest ihre Künste zeigt. Natürlich ging’s ums Puppenspiel. Und welchen Rat gibt Bernard Bauguitte seinen jungen Künstlern? Dass sie Mut haben sollen, sagt er. Mut zum Auftritt, und auch Mut, dazu zu stehen, wenn man den Text einmal vergessen hat. Dann muss ein guter Puppenspieler eben improvisieren.