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Der Beweis - Elektroautos sind sexy

07.06.2012 | 08:00 Uhr
Der Beweis - Elektroautos sind sexy
Der Tesla Roadster ist der erste vollständig elektrisch betriebene Sportwagen .Foto: Markus Joosten

Alpen.  Michael Eymann fährt den ersten vollständig elektrisch betriebenen Sportwagen - aus Überzeugung. Der Tesla Roadster bietet alles, was man von einem Sportwagen erwartet. Darüberhinaus kann er an einer Steckdose aufgeladen werden und benötigt keinen Ölwechsel. Und er ist leise - sehr leise.

Wenn der nachtschwarze Sportwagen in die Innenstadt der Gemeinde Alpen einbiegt, schauen sich die Passanten schon mal um. Die flache Flunder sieht aus wie ein Bolide aus der Fertigung des britischen Sportwagenherstellers Lotus. Die Karosse zeigt alles, was man von einem Sportwagen erwartet: Über die Vorderräder duckt sich das Cabrio wie ein Raubtier zum Sprung. Das breite Heck hebt vor dem Hintermann frech die Rücklichter.

Aber irgend etwas fehlt. Diese Katze schleicht . Statt des sonoren Auspuffgeräuschs eines ordentlichen V8 Mittelmotors ist von diesem Sportwagen nur das Summen der Reifen auf der Straße zu hören . Im Auto sitzt der Alpener Geschäftsmann Michael Eymann, der sich bei jedem Stop Fragen verblüffter Passanten gefallen lassen muss: „Ich fahre einen Tesla Roadster. Es handelt sich um den ersten vollständig elektrisch betriebenen Sportwagen überhaupt.“

Aufladen in der heimischen Garage

Benjamin van Rienen mit einem Ladestecker vom Tesla.

Der IT-Programmanager Michael Eymann ist Überzeugungstäter. „Mit diesem Auto trete ich den Beweis an, dass Elektroautos auch sexy sein können“, sagt Eymann. Er ist zusammen mit dem Hamminkelner Benjamin van Rienen nach Alpen gekommen, weil vor dem Rathaus eine der wenigen öffentlichen Elektroladesäulen steht. Die beiden fahren die einzigen Exemplare des 100 000 Euro teuren Tesla am Niederrhein und verstehen sich als Speerspitze für die Interessen der häufig belächelten Elektro-Enthusiasten. Benjamin van Rienen: „In der Regel laden wir unsere Tesla an der Steckdose in der heimischen Garage auf. Unser Besuch an der Ladesäule in Alpen soll jedoch darauf aufmerksam machen, dass Ladesäulen für Elektroautos eigentlich an jeder Ecke stehen müssten, um dieses Antriebskonzept zu fördern.“

Die beiden Freunde wissen auch, dass ihnen aus der Szene der Sportwagenfahrer eine Mischung aus Skepsis und blankem Hohn entgegenschlägt. Das Ego eines potenten Porsche-Piloten atmet schließlich durch armdicke Auspuffrohre, die beim Tesla gänzlich fehlen. Michael Eymann begegnet diesem Fetisch mit kühler Gelassenheit: „Mit einer Beschleunigung von 3,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h zeige ich einem Porsche Carrera die Rücklichter. Der Porschefahrer muss dabei noch nicht einmal meine Auspuffgase einatmen.“

Der zweisitzige Sportwagen wird von einem 215 kW (288 PS) starken Elektromotor im Heck angetrieben. Das maximale Drehmoment von 370 Nm (400 Nm bei Sport Variante) liegt bei Drehzahlen von 0–5400/min an. Bei der Endgeschwindigkeit hat die Elektroflunder allerdings das Nachsehen: Um die Akkubelastung zu verringern, wird der Roadster zugunsten der Reichweite bei 201 km/h elektronisch abgeregelt.

Reichweite von mehr als 350 Kilometer

Der Hersteller verspricht eine Reichweite von 350 Kilometer, die bei zärtlichem Tritt auf das Elektropedal auf 400 Kilometer gesteigert werden können. Dabei verbraucht der Tesla nur 56 Kilowattstunden Energiegehalt, was dem Heizwert von gut sechs Litern Benzin entspricht. Außerdem wirkt der Elektromotor beim Bremsen als Generator und kann so einen Teil der aufgebrachten Bewegungsenergie wieder in elektrischen Strom umwandeln. Dies spart besonders bei Stadtfahrten Energie. Die Ladezeit beträgt mit Schnellladestation bei optimalen Bedingungen drei Stunden.

Benjamin van Rienen und im Hintergrund Michael Eymann mit ihren Elektroautos.

Wenn Michael Eymann mit seinem Tesla an einer Tankstelle vorbeifährt, kann er sich ein zufriedenes Lächeln nicht verkneifen. Ein Ladezyklus für sein Elektromobil kostet auf deutsche Strompreise übertragen etwa 11 Euro.

Die Frage, ob sein Flitzer ein teures Spielzeug ist, will er nicht gelten lassen. „Ein Spielzeug ist der Tesla schon. Der Wagen braucht aber kein Benzin und keinen Ölwechsel. Trotz des hohen Anschaffungspreises liegen die Gesamtbetriebskosten deshalb in der Höhe der Kosten eines Audi A6.“

Christoph Girschik



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