Den Zug in Borth und Wallach gibt es schon zum 90. Mal

St. Martin Frederik Jänicke beim Umzug im vergangenen Jahr.
St. Martin Frederik Jänicke beim Umzug im vergangenen Jahr.
Foto: Karlheinz Kröll
Was wir bereits wissen
Der Martinsumzug in Wallach und Borth wird in diesem Jahr 90 Jahre alt. Und er ist beliebt wie eh und je, weiß Manfred Tenié.

Rheinberg-Wallach/-Borth..  „Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir. Dort oben leuchten die Sterne und unten leuchten wir. Ein Lichtermeer zu Martins Ehr! Rabimmel, rabammel, rabumm“, ertönt es jedes Jahr um den 11. November herum. St. Martin ist da! Klassiker wie „Ich geh mit meiner Laterne“ oder „Martin war ein frommer Mann“ kennt dann jeder, denn die Lieder gehören seit jeder zum Martinsfest wie „Stille Nacht“ zu Weihnachten.

Mit zur Tradition gehören auch die Martinsumzüge in Borth und Wallach. In den beiden Rheinberger Ortsteilen ist der Umzug samt Mantelteilung in diesem Jahr jedoch etwas Besonderes, denn der Zug feiert sein 90-jähriges Bestehen. Bei solch einer runden Feier kann es schon mal voll werden, erzählt Manfred Tenié. „Wir rechnen in Wallach in diesem Jahr wieder mit 1000 Leuten.“ Der Alpener kennt sich im örtlichen St.-Martinsumfeld bestens aus, denn er ist seit einigen Jahren im Vorstand des Martinskomitees Borth/Wallach, das die Umzüge Jahr für Jahr organisiert. In Wallach und Borth ist das aber gar nicht so einfach, denn seit der Trennung der beiden Umzüge im Jahr 1967 plant das Komitee jedes Jahr aufs Neue zwei Feste. „Das ist eine logistische Herausforderung, denn alle müssen innerhalb von eineinhalb Stunden von einem Ort zum anderen gebracht werden.“

Doch lohnt sich der Aufwand heute überhaupt noch? Immerhin bekommen die Kinder außerhalb der Schule genügend Freizeitaktivitäten geboten. Tenié kann diese Frage mit einem klaren „Ja!“ beantworten. „Wir packen in diesem Jahr wieder 1400 bis 1500 Tüten.“ Ein Abwärtstrend sei nicht zu erkennen. Einzig das Verhältnis zwischen Tüten für Kinder und Senioren würde aufgrund des demografischen Wandels ein wenig kippen. Dem Martinskomitee gehe es trotzdem gut: „Wir haben ungefähr 55 Mitglieder. Der Älteste ist Kurt Kammer mit 90 Jahren. Auf der anderen Seite haben wir aber auch jede Menge junge Leute dabei.“

Das verdeutlicht auch das Martinsspiel, das von mindestens neun Kindern unterstützt wird. Der Nachwuchs werde überall auch dringend gebraucht, denn Kapellen seien heute beispielsweise nur schwer zu bekommen: „Im nächsten Jahr fällt alles ganz anders, da haben wir dann erst am 18. November die Umzüge, weil Kapellen fehlen.“ Nur um einen St. Martin musste man sich in all den Jahren keine Gedanken machen. Den Anfang machte 1926 Wilhelm Brings, auf ihn folgten Wilhelm Vüllings und Johann Böhmer, anschließend Familie Jänicke um Karl Jänicke, seinen Sohn Wolfgang und ab 2006 dessen Sohn Frederik.

Für die Zukunft hofft Tenié weiterhin auf die Unterstützung der Bürger, denn ohne sie sei das alles niemals möglich geworden. Und auf weitere Geschichten wie im letzten Jahr, als ein kleiner Junge seine Schokolade in eine Kiste warf, die an Bedürftige weitergegeben wird. „Ich fragte ihn daraufhin, ob er die Schokolade nicht möge.“ Das Kind entgegnete Tenié nur kurz: „Wenn ich die so gerne mag, mag die jemand anderes bestimmt auch gerne.“