Dem Kiebitz eine Chance geben

Kiebitz Vogel
Kiebitz Vogel
Foto: dpa

Rheinberg..  Mit Frühlingsbeginn ist der Kiebitz in unsere heimischen Felder zurückgekehrt. Doch schon seit längerer Zeit gehen die Bestände immer mehr zurück. Auch in Rheinberg und am gesamten Niederrhein. Schuld sei die intensive Bewirtschaftung der Äcker, die sich der Kiebitz in der Regel für seine Brutplätze aussucht, heißt es von der Biologischen Station des Kreis Wesel.

Im Bereich Orsoyer Rheinbogen konnten Mitarbeiter der Biologischen Station um die 15 Kiebitzpaare auf einem der Äcker ausmachen. „Wir haben die Kiebitzfunde in Rheinberg an die Untere Landschaftsbehörde weitergegeben, damit diese sich mit den Landwirten in Verbindung setzen und entsprechend informieren können,“ sagt Regina Müller von der Biologischen Station. „Mit den Landwirten kann dann im Hinblick aufs nächste Jahr versuchen, über Schutzmöglichkeiten zu sprechen.“ Man wisse aber von vielen Bauern, die wissen, dass auf ihren Äckern Kiebitzpaare brüten, so Regina Müller. Und sie würden auch so gut es geht Rücksicht auf die Paare und ihre Gelege nehmen. Leider sei das mit der Bewirtschaftung Felder nicht immer vereinbar.

Massiver Bestandseinbruch

Um dem massiven Bestandseinbruch des Kiebitzes entgegenzuwirken hatte die Untere Landschaftbehörde des Kreis Wesel die Landwirte in der Region um Unterstützung gebeten. Landwirte, die auf ihren Feldern Kiebitzpaare beobachtet haben, sind gebeten worden, dort freiwillig und mindestens bis zum 10. Mai auf jegliche Bodenbearbeitung zu verzichten. Denn für die Landwirte sind die gutgetarnten Gelege auf dem Boden der Felder kaum zu entdecken und mit den schweren Maschinen schnell zerstört. Mit einem Ausgleichsbetrag in Höhe von 280 Euro pro Hektar wird das Entgegenkommen der Landwirte prämiert. Zudem können auch gleich attraktive Naturschutzverträge mit 5-jähriger Laufzeit abgeschlossen werden, die speziell auf den Schutz von Kiebitz-Bruten auf Ackerflächen zugeschnitten sind. „Es haben sich auch vereinzelt Landwirte gemeldet, die bereit wären mit uns einen solchen Naturschutzvertrag abzuschließen“, sagt Bernd Finke von der Unteren Landschaftsbehörde. „Leider bezieht sich dieses Angebot nur auf Maisäcker, Bauern die Getreide oder Kartoffeln anbauen können momentan von diesem Projekt nicht profitieren.“ Deshalb könne man nicht sagen, dass die Landwirte in Rheinberg kein Interesse in Sachen Kiebitzschutz hätte. Doch wer Gemüse, Kartoffeln oder Getreide anbaut, müsse sich momentan um den Schutz der Feld- und Wiesenvögel noch selbst kümmern. „Das Programm ist im Moment noch in der Erprobungsphase“, so Bernd Finke. „Ich würde mir wünschen, dass es in der Zukunft praxisnäher und besser umsetzbar gestaltet wird.“

Zusammenarbeit unausweichlich

Denn eine Zusammenarbeit mit den Landwirten ist unausweichlich. „Es liegt definitiv an der Art und Intensität der Bewirtschaftung der Äcker“, so Hans Glader von der Biologischen Station. „Diese lässt dem Kiebitz kaum noch eine Chance geeignete Stellen zum Brüten zu finden.“

Durch den Absturz des Bestandes in ganz Deutschland ist der Kiebitz, der schon länger auf der Roten Liste steht, gefährdet wie nie. „Es ist die nächste Sorgenart, bei der es genau so knapp ist, wie bei der Uferschnepfe“, sagt Regina Müller. „Es ist die Frage, ob gewisse Arten an Wiesenvögeln bei uns zukünftig überhaupt noch zu finden sind.“ Daher müsse weiterhin viel für den Schutz getan werden.