De Stadtkass ös leck...

Die Sterwardessen tanzten mit.
Die Sterwardessen tanzten mit.
Foto: Bussmann
Was wir bereits wissen
...doch die Rhinberkse Jonges bliewe geck. Viele Raketen bei erster Büttensitzung

Rheinberg..  Die beiden Büttenredner gleich in der ersten der drei Sitzungen der Rhinberkse Jonges in der Stadthalle rissen die Karnevalsbegeisterten von ihren Sitzen. Der Münsterländer Kiepenkerl Georg Welp, seit Jahren in der Bütt zu Hause, und Dr. Peter Houcken als freche Spitzen verteilender Bürgermeisterkandidat begeisterten mit tollen Pointen. Sie nahmen das aktuelle Motto des Rheinberger Karnevals wörtlich. „De Stadtkass ös leck, doch wej bliewe geck.“ Ihre Gags saßen so punktgenau, dass die Mauern der Stadthalle förmlich bebten. Da waren ihnen die ersten Raketen, höchste Auszeichnung einer Büttensitzung, sicher.

Bis lange nach Mitternacht

Rappelvoll war es, als Prinz Markus II., der Aufbauende, mit Zeremonienmeister Marius Bangert, Hofmarschall Chrischa Steinhaus und Clemens Geßmann, dem Präsidenten der Rhinberkse Jonges, um 19.30 Uhr samt Gefolge in die Stadthalle zogen. Dann ging es Schlag auf Schlag bis lange nach Mitternacht, bis sich beim großen Finale die Bühne mit allen Aktiven füllte. Als toll gestylte Stewardessen der „Liloki Airlines“ bewiesen die „Zehn Lilokis“, dass sie zu Recht Stadtmeister im Gardetanz sind. Eine grandiose Auflockerung zwischen den ersten beiden Büttenreden boten die acht Filutschis unter dem Titel „Happy Feet“. Acht futuristische Figuren mit merkwürdig verzerrten Musikinstrumenten fetzten gewaltig los.Des Rätsels Lösung: Ganz in schwarz, die Gesichter hinter schwarzen Masken verborgen, hockten die acht Filutschis hinter den mannsgroßen Puppen.

Höhepunkt war aber der Kiepenkerl mitsamt dem Bürgermeisterkandidaten. Welp zog wie immer mit der Kiepe ein, legte herzhaft los. Erzählte aus seinem Dorf im Münsterland, dass er acht Jahre Messdiener war („Mir ist nix passiert“), parlierte von Freund Ralph aus Marxloh. „Die sind kulturell ganz anders aufgestellt“. Die besondere Eigenart seiner Heimat? „Der Münsterländer ist ein wahrer Teufel der Erotik“. Da ließ er den Saal beben. Worauf alle warteten? Die Dönekes über Nachbar Walter. „Der ist auch Holländer.“ Der Saal bebte, als er den alten Kamper Hof wieder aufleben ließ. „Vorne die schmierige gelbe Tür. Dahinter der lange Flur vorbei an den Toiletten. Von links der Geruch von Pommes und Schnitzel, vom Herrenklo der nach Männerpisse und Zigarettenrauch, vom Damenklo der von Parfüm.“ „Die Hochburg des Rheinberger Hochadels.“ Hinter dem ungastlichen Gastraum der Saal. „Das war das Jagdschloss. Da biste auf Beutefang gegangen.“ Den Stehtisch mit halb ausgetrunkenen Bieren, Liköresten, dem Eisenrohr für den Fuß. Den suchte er Jahrzehnte später im neuen Kamper Hof. Da stand ein eingepackter Tisch. „Mit einer weißen Schlauchhusse, Maße 90- 60-90.“ Wohin mit dem Fuß? Der hatte sich irgendwann verheddert. „Da kam der auf einmal auf mich zu.“

Die Friko schmeckt

Erstklassig auch Bürgermeisterkandidat Dr. Peter Houcken in seiner gereimten Rede. Jeder bekam sein Fett mit. „´S rote Bübbele aus Alpsray“, die Heckers, Bechsteins, Devers, das Gemauschel um Orsoys Ortsvorsteherin. „Ein Bürgermeister, der nicht trinkt, mit dem ist kein Staat zu machen“, lockte er Lacher. Wer Bürgermeister werden muss? „Es scheint schon eine hier in Sicht, die rosige Dinge Euch verspricht.“ Aber? Sein Refrain: „Hier gibt’s nur einen: Der bin ich.“ So tönte es aus dem Saal zurück. Die zweite Rakete war fällig.

An die tolle Leistung anzuknüpfen wurde für die Nachfolger schwer. Paul van Holt, früher OKK-Präsident, kam mit Punto-Wirtin Fränzi Bröcking ins Thekengespräch. Die Friko schmeckte ihm. „Seit die Brötchen 30 Cent kosten, nehme ich wieder Fleisch“, antwortete die Wirtin. Die kleinen blauen Pillekes? „Gut, aber viel zu schade für zu Haus.“ Der Elferrat staunte, als ihr die Wirtin eine Lokalrunde Underberg ausgab. Die Wodnods als „KiKa-Markus Rasselbande“ ulkten über die Oschauer, griffen zu den Instrumenten, kreierten einen Song von der Prinzenwahl bis zum Rosenmontagszug. Georg´s Welpen, Mädel und Jungs der Stadtwache, ließen sich mit allen im Saal auf einen Plattdeutsch-Englisch Sprachkurs ein. Toll auch die Ollen Dollen, 13 Rhinberkse, die aus der Bühne ein Schwimmbad machten. Mit Badekappe, darunter ein Badeanzug aus dem vorigen Jahrhundert, tobten sie durchs Becken. Immer dabei auch die Papillonis, diesmal als Barbies. Kunterbunt machten es die Berkas. Von der einst stolzen Truppe kamen nur noch vier, hatten Lieder über den Prinzen gedichtet.

Am Ende gab’s noch mal einen Höhepunkt: Ein akrobatischer Gardetanz, die tanzende Stadtwache mit Kommandant Mathias Plugge. Da hatte der neue Tag schon begonnen....