Das Siegfriedspektakel lockt noch bis Sonntag nach Xanten

Auch beim Siegfriedspektakel in Xanten: die Band „Scherbelhaufen“
Auch beim Siegfriedspektakel in Xanten: die Band „Scherbelhaufen“
Foto: Lukas Hübinger
Was wir bereits wissen
Das Leben in der damaligen Zeit wird von vielen Hundert Menschen dargestellt.

Xanten..  Das Mittelalter war eine harte Zeit. Schlechte hygienische Bedingungen verursachten Seuchen und Epidemien, es fehlte an medizinischer Versorgung, der Großteil der Bevölkerung war bitterarm und ihr Aberglaube versetzte die Menschen in Angst und Schrecken.

Im Vergleich zur damaligen Zeit, leben wir heute geradezu paradiesisch: Essen ist im Überfluss vorhanden, die durchschnittliche Lebenserwartung hat sich fast verdoppelt. Doch wenn man sich einmal von den brutalen Fakten verabschiedet, dann übt die Zeit der Ritter und Könige auf viele eine große Faszination aus...

Früher gab es keinen Burnout, keinen Leistungsdruck, keine Effizienz um jeden Preis. Der Schmied fertigte sein Schwert nach bestem Gewissen und Können und hielt am Ende ein fertiges Produkt in den Händen, für das er bewundert und respektiert wurde. In der Vorstellung vieler Menschen war das mittelalterliche Leben entspannt und puristisch.

Wer das unbeschwerte Dasein genießen möchte, der ist auf dem Xantener Siegfriedfest genau richtig aufgehoben. Viele Hundert Menschen stellen seit Donnerstag das mittelalterliche Leben nach. Gekocht wird auf dem offenen Feuer, die Kleidung ist handgefertigt, die Waffen sind durch zahlreiche Hammerschläge in Form gebracht worden.

„Es ist einfach lustig, man ist so vollkommen raus aus dem Alltag“, erzählte Babara Scheel, die an einem Stand selbstgewebte, bunte Brettchenbortenbänder verkaufte. „Das ist eine Webtechnik aus der Wikingerzeit, die in Europa in Vergessenheit geraten ist.“ In die Mittelalterszene sind Babara und Jörg Scheel über ihre Kinder hineingerutscht. Leben müssen sie von dem Verkauf, im Gegensatz zu einigen anderen Ausstellern, nicht. „Es ist die Erfahrung die man macht. In unserer Zeit kauft man Dinge nur noch, hier kann man sie selbst machen“, begründete Sohn Henning Scheel seine Leidenschaft für das Hobby.

Am Donnerstag eröffnete das Spektakel bei unglaublichem Sonnenschein. Es war wie der Gang in eine andere Zeit. Fremde Gerüche schwebten über das Festivalgelände, rustikale Männer spielten altertümliche Musik und viele Besucher trugen lederne Westen, Leinenhemden, schweren, groben Schmuck und Korsetts. Einige erinnerten an Hippies oder Gothics, andere versuchten nur möglichst authentisch, die Kleidung der Vergangenheit zu repräsentieren.

Das Xantener Siegfriedspektakel ist „das“ mittelalterliche Fest in der Umgebung. Die Besucher kommen teilweise von weit her, um an diesem Wochenende dabei sein zu können. Immer wieder spricht jemand auch Englisch oder Niederländisch. Auf dem großen Gelände gibt es alles, was das mittelalterlich inspirierte Herz höher schlagen lässt. Köstliche Gerichte schmeicheln dem Gaumen. Handgemachter Schmuck lädt zum Bummeln ein und die Atmosphäre ist gemütlich und familiär. Trotzdem hat man das Gefühl, etwas Neues zu entdecken, oder viel mehr, etwas Altes wiederzuentdecken. Wie wäre es zum Beispiel mit einem gerösteten Hanfbrot, gefüllt mit Putenfleisch, Bohnen und Pilzen? Dazu ein Bier aus einer bunten Tontasse und als Dessert eine Dattelstange im Pistazienmantel? Die Liste der Köstlichkeiten ist lang, aber zum Glück geht das Festival insgesamt vier Tage. Neben dem Flair, der von der Gesellschaft und den Ständen aus-geht, wird den Besuchern auch ein umfangreiches Bühnen- und Schauspielprogramm geboten. Zweimal am Tag galoppieren die Ritter zu einem Turnier in die Arena. Auch der berühmte Xantener Drache zeigt sich an diesem Tagen. Musikalisch wird das Fest von verschiedenen Bands abgerundet, die sich auf die Musik der Szene spezialisiert haben. So sind die rustikalen „Dudelzwerge“ sogar mit einem eigenen Merchandise-Stand vertreten.

Wer das Festival noch nicht besucht hat, der hat noch am heutigen Tag und am Sonntag die Chance dazu. Ein Besuch lohnt sich sowohl mit als auch ohne die Familie.