„Das Publikum ist mein Regisseur“

Der Kabarettist Nils Heinrich kommt nach Rheinberg.
Der Kabarettist Nils Heinrich kommt nach Rheinberg.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Nils Heinrich gastiert am 21. Februar in Rheinberg

Rheinberg..  Nils Heinrich kommt mit seinem Programm „Ach komm!“ nach Rheinberg. Am Samstag, 21. Februar, begrüßt die Kulturinitiative den Kabarettisten in der Rheinberger Stadthalle. Doch wer ist Nils Heinrich? Wie „tickt“ der 43-jährige Kabarettist? Wie sieht er die Kabarettbranche und sein Publikum? NRZ-Mitarbeiter Lukas Hübinger interviewte den Kabarettisten.

Herr Heinrich, seit 2006 stehen Sie hauptberuflich auf der Bühne. Gab es einen Punkt, ab dem Sie sich selbst als Kabarettist ernst und wahrgenommen haben?

Nils Heinrich: So einen signifikanten Punkt gab es eigentlich nicht. Man rutscht da so rein, entwickelt mit der Zeit eine gewisse Routine auf der Bühne. Und wenn die Leute über das was ich erzähle lachen, dann es ja nicht so falsch sein.

Ist es für Sie ein Muss, dass die Besucher von Lachsalven geschüttelt werden und fröhlich die Show verlassen?

Nils Heinrich: Ich persönlich habe es natürlich lieber, wenn die Leute Spaß haben, dass bereitet mir dann ja auch mehr Freude auf der Bühne, aber nicht um jeden Preis. Billige Lacher mag ich nicht so sehr, ich finde es schön wenn die Witze „Abitur“ haben und das Programm die Lacher herauskitzelt.

Wie schwer fällt es Ihnen ein neues Programm auf die Beine zu stellen?

Nils Heinrich: Wenn man sich einfach so hinstellt und sagt: „Jetzt mache ich was Neues“, dann fällt einem mit Sicherheit nichts ein. Neue Nummern entstehen auf der Bühne oder zwischendurch. Auch das aktuelle Programm verändert sich mit der Zeit. Irgendwann habe ich genug Ideen gesammelt, um eine neue Show auf die Beine zu stellen. Es ist eine Entwicklung.

Die Kabarettszene boomt. Wieschaffen Sie es, sich von den anderen Künstlern abzuheben?

Nils Heinrich: Ich glaube man kann die Kabarettisten nicht als eine Masse betrachten, aus der man hervorstechen muss. Natürlich gibt es viele, aber alle machen etwas anderes und erzählen es auf ihre Weise. Wenn man selbst Spaß auf der Bühne hat, dann merken das die Gäste und lassen sich dann auch gerne inspirieren.

Inwiefern versuchen Sie die Menschen zum Nachdenken anzuregen und wie Gesellschaftskritisch sind Sie?

Nils Heinrich: Natürlich finde ich es gut, wenn die Leute Teile meines Programmes mit nach Hause nehmen, aber ich bin kein rein politisch motivierter Kabarettist. Politik findet ja ganz viel im Privaten statt. Ich mag es nicht, wenn die Verantwortung nur auf „Die da oben“ delegiert wird. Man muss sich ja auch fragen: „Wer hat die gewählt? In wessen Auftrag handeln die? Handeln die noch in dem Auftrag, den sie bekommen haben? Von wem bekommen sie jetzt ihre Aufträge? Und sind wir hier unten wirklich besser? Wir, die wir mit dicken Bonzenkarren unsere Kinder in die Schule fahren. Oder - ganz neuer Trend - unseren Kindern die Masernimpfung verweigern? Ich möchte mich mit sowas nicht ständig beschäftigen. Und ich bin auch froh, dass ich kein Politiker bin.

Die Besucher der Rheinberger Stadthalle werden eine Vorpremiere von „Ach komm!“ zu sehen bekommen. Was erwartet die Leute?

Nils Heinrich: Tatsächlich werden die Rheinberger ein noch nicht zu 100% fertiges Programm erleben. Das Publikum ist dann mein Regisseur. Vielleicht baue ich auch noch Nummern aus meiner vorherigen Show ein. Im neuen Programm geht es zum Beispiel darum, wie einen das vatersein verändert. Man benimmt sich zuhause plötzlich ganz anders und sieht auch andere Menschen in neuem Licht. Aber das ist nur ein kleiner Aspekt. Es geht um alles, was es so gibt und es wird viel Musik dabei sein.

Sind Sie für die große oder die kleine Bühne gemacht?

Nils Heinrich: Kleine Bühnen sind ehrlicher, aber auch schwieriger. Es ist einfacher 1000 Menschen zum lachen zu bringen, als 30, weil die Leute sich gegenseitig anstacheln und auch mit anderen Erwartungen kommen.