Das Leben mit der Sucht

Drogenberater Ralf Eloo hilft den Menschen dabei, ihre Sucht zu überwinden – seit 25 Jahren.
Drogenberater Ralf Eloo hilft den Menschen dabei, ihre Sucht zu überwinden – seit 25 Jahren.
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
Heute ist Weltdrogentag. Ralf Eloo berät seit 25 Jahren zum Thema Sucht. in der Drogenberatungsstelle Kamp-Lintfort. Auch Rheinberger, Xantener, Alpener und Sonsbecker kommen zu ihm.

Kreis Wesel..  Amphetamine, Cannabis, Heroin – damit beschäftigt sich Ralf Eloo nicht nur heute, am internationalen Weltdrogentag. Mit der Sucht nach illegalen Drogen befasst er sich an jedem seiner Arbeitstage und das seit 25 Jahren. Er ist als Drogenberater in Kamp-Lintfort tätig und auch für Rheinberg, Alpen, Sonsbeck und Xanten zuständig.

404 Betroffene suchten die Drogenberatungsstelle an der Friedrich-Heine-Allee 20 im vergangenen Jahr auf. Gut ein Drittel stammte davon aus Rheinberg, etwas mehr als ein Drittel aus Kamp-Lintfort und die übrigen aus dem Rest des Einzugsbereichs.

Zu den Hauptsuchtmitteln zählen Drogen wie Cannabis, Speed, Pep und Ecstasy. „Nur etwa ein Viertel unserer Klienten kommen wegen einer Heroin-Sucht“, sagt der 58-Jährige. Die Drogen hätten einen Generationswechsel durchlaufen. Während die Heroinabhängigen, die zu ihm kommen, meist jenseits der 40 sind, handelt es sich bei den anderen Klienten um junge Leute unter 25 Jahren.

„Die Gefahr bei Drogen wie Amphetaminen und Cannabis ist, dass sie stark auf die Psyche wirken“, erklärt er. Die Gefahr psychischer Erkrankungen, wie Depressionen oder Psychosen steige mit dem Konsum. „Man wirkt damit stark auf die biologische und innere Uhr ein.“ Denn während Amphetamine aufputschend wirkten, hätte Cannabis den gegenteiligen Effekt, das innere Gleichgewicht käme damit durcheinander. Die Folgen seien Stimmungsschwankungen, aggressive Phasen, psychotische Schübe. Deshalb müsse er sich bei rund 40 Prozent dieser Drogenabhängigen meist mit einer doppelten Diagnose befassen – mit der Sucht und einer psychischen Erkrankung.

Zu Eloo kommen neben Drogenabhängigen auch besorgte Angehörige, Ehepartner, Lehrer oder Kinder von Abhängigen. Wenn die Betroffenen selber kommen, dann häufig wenn es nicht mehr geht, sie gesundheitlich angeschlagen sind, den Führerschein verloren haben oder sich beispielsweise die Frau trennen will. „Sie haben solange kein Problem mit der Sucht, bis sich etwas massives verändert hat“, sagt der erfahrene Suchtberater.

Für ein erstes Gespräch nimmt er sich dann viel Zeit, eine bis anderthalb Stunden geht er auf die genaue Problematik ein und sucht mit dem Betroffenen nach Lösungen. Die meisten kommen dann auch wieder.

Es gäbe aber auch schon Notfälle, die er persönlich zu einem Fachkrankenhaus begleitet hat, um sie vor sich selbst zu schützen. Er habe auch schon Klienten an die Drogen verloren. „Es gibt immer wieder Menschen, die man lange kannte und sich dann sagt ‘Schade drum’“, er denke aber lieber an die vielen positiven Fälle, wo er sich freuen kann, dass es den Menschen wieder besser geht: junge Leute, die ihre Gesellenprüfung mit der Note zwei abschließen oder zum ersten Mal Vater werden.

In der Drogenberatungsstelle gibt es auch eine Selbsthilfegruppe, ebenso im Rheinberger Pfarrheim St. Peter. Wer den Kontakt zu der Drogenberatungsstelle sucht, kann sie unter der Telefonnummer 02842-13069 erreichen.