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Das ist doch krank!

18.05.2009 | 19:44 Uhr
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Einige Ärzte im Kreis Wesel schließen in dieser Woche ihre Praxen, um auf schlechte Bedingungen aufmerksam zu machen.

Kreis Wesel. Es ist wie eine Grippe, die nicht ganz auskuriert und dadurch nur noch schlimmer wird. Die Ärzte haben die Nase voll – und schließen deshalb in dieser Woche ihre Praxen in Rheinberg, Alpen, Xanten, Neukirchen-Vluyn und Moers.

Der Grund: „Die wohnortnahe medizinische Versorgung wird systematisch zerstört”, sagt Dr. Günther K. Gollan, niedergelassener Allgemeinmediziner in Rheinberg und erster Vorsitzender des Basisnetzes Rheinischer Ärzte. Schuld daran sei das Gesundheitssystem, das sich immer wieder weiter verschlechtere, meint Gollan. Schon jetzt fehle es am Niederrhein an Ärzten, besonders junge Mediziner arbeiten in anderen medizinischen Bereichen oder im Ausland, weil die Bedingungen dort besser sind. „Praxen können, obwohl sie zum Nulltarif vergeben werden, keine Nachfolger finden”, sagt Gollan. In Alpen seien die meisten Ärzte um die 60 Jahre alt, „in zehn Jahren wird es dort keinen Arzt mehr geben, wenn es so weiter geht.”

Der Trend gehe zu profitorientierten medizinischen Versorgungszentren statt zu Praxen. Nach Abzug aller Kosten wie Personal, Miete etc. blieben dem Facharzt oder Allgemeinmediziner zirka vier Euro pro Patient pro Monat. Patienten bekämen laut Gollan mehr Geld durch Bonusprogramme der Krankenkassen als der Arzt für seine Leistung. Die zentrale Frage, die sich stellt: Wo bleibt das ganze Geld? Das Geld, das Patienten an die Krankenkassen zahlen und wovon nur ein Teil bei den Ärzten ankommt.

In Rheinberg bleibe in dieser Woche die Hälfte der Praxen geschlossen, schätzt Gollan, in Alpen ebenso. Manche Ärzte schließen ihre Praxen die ganze Woche bis einschließlich 22. Mai, andere nur an manchen Tagen. Allerdings, erklärte Gollan, beteiligten sich nicht mehr so viele Kollegen wie noch vor einigen Monaten, weil bisherige Streiks, Aufklärungsversuche und Demos wie zuletzt vor knapp einem Dreivierteljahr nicht viel gebracht haben. Außer vielleicht, Frust zu erzeugen. „Das Engagement einiger Kollegen lässt zu wünschen übrig”, sagt Dr. Günther K. Gollan. „Wir haben uns gewehrt, aber es wird trotzdem schlechter. Es herrscht eine Aktionsmüdigkeit, doch zufrieden ist niemand.” Zu der Protestwoche aufgerufen hat die Freie Ärzteschaft. Auf dem Moerser Marktplatz gibt es heute ab 15 Uhr einen Infostand.

Denise Ludwig

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