Das geht alle an!

Friedhelm Woch vom Diabetikertreff.
Friedhelm Woch vom Diabetikertreff.
Foto: Mendel
Was wir bereits wissen
Beim großen Gesundheitstag am Samstag ist auch der Diabetiker-Treff mit von der Partie

Rheinberg.. Samthandschuhe sind es nicht. Die wären auch vollkommen fehl am Platze, denn es geht nicht darum, Politiker sanft anzufassen. Nein, es sind einfache weiße Baumwollhandschule mit einer einfachen, aber eindeutigen Botschaft. „Diabetes stoppen - jetzt!“ Die Handschuhe hat Friedhelm Woch im Moment oft dabei. Denn der Diabetiker-Treff Rheinberg unterstützt die Kampagne seines Dachverbandes. Pünktlich zur Bundestagswahl soll in Gesprächen mit Kandidaten das Thema nach vorne gebracht werden.

Und das ist dringend notwendig, sagt Woch. Der Verband hat etliche Forderungen aufgestellt, nicht alle davon, das sieht der Sprecher der Rheinberger Gruppe sehr realistisch, seien realisierbar. Ein wichtiger Punkt: die Vorsorge. Die sollte bereits in der Schule anfangen. „Jeden Tag eine volle Stunde Sport in der Schule“, lautet die Forderung. Woch selbst plant bereits seit längerem, mit dem zuständigen Fachbereich in Rheinberg Gespräche über entsprechende Aktionen zu führen. Er denkt dabei an das Projekt „speed 4 - wir bewegen Kinder“. Bei Schulmeisterschaften von der lokalen Ebene bis hin zur Bundesentscheidung steht Sport im Vordergrund. Viele Kommunen und Schulen sind dabei, in diesem Jahr mit rund 500 000 Kindern.

Vorsorgen und versorgen

Ein weitere Stellschraube, an der gedreht werden kann, sagt Woch, sei der Süßigkeitenverkauf in den Schulen. „Der sollte einfach nicht erlaubt sein.“ In der Mensa sollte gesundes Essen auf den Tisch kommen und generell das Bewusstsein für ungesunde Nahrungsmittel geschärft werden. Wer wisse schon, dass in einem normalen Fruchtjoghurt mehr Zucker ist als in einem Glas Cola? Er, so Woch, hätte sich gewünscht, dass die Ampelkennzeichnung für Lebensmittel durchgesetzt worden wäre - die nächste Hausaufgabe für Politiker im Rahmen der Kampagne.

In der Schule anzufangen, sei sicher sinnvoll, aber es könne jeder etwas für sich tun. Die Kampagne richtet sich auch gezielt an Menschen, die (noch) nicht erkrankt sind. Achtsam sein, mögliche Symptome (unter anderem häufiger Gang zur Toilette, auffällige Müdigkeit) schnell abklären lassen, sich viel bewegen und gesund ernähren, aufs Gewicht achten. Wobei das Gewicht an sich gar nicht der entscheidende Faktor sei, sondern der Bauchumfang. Gründliche Information sei zudem wichtig, um mitreden zu können. Nicht nur beim Arztbesuch selbst, eine Forderung der Kampagne ist auch, dass Betroffene bei Entscheidungen über ihre Versorgung Stimmrecht haben sollten. „Kurz: Wir brauche eine nationale Diabetes-Strategie.“

Vorsorge ist die eine Seite, die Versorgung die andere. So gebe es Schulungen für Diabetiker, aber nur 56 Prozent der Betroffenen - das sind die Zahlen für NRW - würden diese auch wahrnehmen. Eine Schulung, hätten Untersuchungen ergeben, habe eine Nachhaltigkeit von drei Jahren, aber jeder Erkrankte dürfe nach den Vorschriften nur eine Schulung besuchen.

Das Thema Diabetes treibt Woch seit vielen Jahren um, mit sechs Jahren erkrankte sein Sohn. Vor 16 Jahren gründete Woch den Diabetiker Treff. Der trifft sich regelmäßig zum Stammtisch und zu Vorträgen zu bestimmten Themen rund um die Erkrankung. Beim jüngsten Termin ging es um Fußpflege für Diabetiker, rund 50 Interessierte waren gekommen.

Friedhelm Woch weiß, dass er immer wieder aufklären und informieren muss. So hat er sofort zugesagt, beim großen Gesundheitstag von NRZ/WAZ und AOK am kommenden Samstag vor dem AOK-Gebäude dabei zu sein.