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Das Feuer geht nicht aus

27.05.2008 | 19:56 Uhr

KIESABBAU. Seit gestern gibt's wieder regelmäßig jeden Dienstag Mahnwachen gegen die geplante Trockenabgrabung auf der Bönninghardt. Kirchenchor und Singkreis brachten ein Ständchen.

ALPEN-BÖNNINGHARDT. Versprochen ist versprochen. Bürgermeister Thomas Ahls hatte auf der großen Demonstration Ende April angekündigt, dass die Proteste gegen die Pläne der Kiesindustrie fortgesetzt werden. Seit gestern versammeln sich die Bönninghardter wieder zur Mahnwachen. Bis September sollen sie jeweils dienstags vom ungebrochenen Widerstand der Bönninghardter zeugen.

Dieses Mal war der Tambourkorps Bönninghardt der Ausrichter, hatte schon am Mittag Würstchen und Getränke besorgt, sich um das Material für das Feuer gekümmert und zwei Anhänger mit ausgedienten Weidenpfählen zum Grundstück von Michael Hackstein an der Bönninghardter Straße gekarrt. "Eigentlich wollte der Landwirt die verkaufen, aber nun hat er uns das Holz geschenkt", zeigte sich Friedhelm Rosin, Vorsitzender des Bönninghardter Fördervereins für Naturschutz und Brauchtum, begeistert vom Zusammenhalt der Bönninghardter. Die ließen zu Beginn zwar etwas auf sich warten, doch nach dem im Fernsehen übertragenen Länderspiel trudelten sie langsam ein. Darunter auch der katholische Kirchenchor und der Singkreis der evangelischen Kirche, die mit einem Ständchen aufwarteten.

"Als es im April die täglichen Mahnwachen gab, waren im Schnitt um die 80 bis 100 Personen hier. So viele sind es heute wohl auch", meinte Rosin.

Warum man die Mahnfeuer wieder entfacht, erklärt Hans Altmann, zweiter Vorsitzender des Tambourkorps: "Die Herren und Damen, die da zu entscheiden haben, sollen nicht glauben, die Sache ist mit der Demonstration erledigt. Die sollen wissen, dass wir das Loch nicht wollen."

Eine große Party

Friedlich geht's zu an den drei Mahnfeuern, es hat was von einer großen Party. Da wird gegrillt, ein Wasser oder auch ein Bierchen getrunken, man unterhält sich über das Dorfleben. "Ich wohne hier schon ewig und drei Tage", sagt Johannes Schmitz. Aber durch die Mahnwachen habe er 50 neue Bekanntschaften gemacht. Was Ortsvorsteher Rüdiger Kootz nur bestätigen kann: "Hier kommen Leute zusammen, die seit Jahren nicht mehr miteinander gesprochen haben." Egal wie es ausgehe, ist er sich mit allen einig, der Zusammenhalt sei prächtig.KLARTEXTDie Abbaupläne der Kiesindustrie haben ein Feuer entfacht. Und das lodert besonders auf der Bönninghardt hoch auf. Da waren sich Befürworter des Abbaus wie der Geschäftsführer der Kölbl Heidelberger Sand und Kies GmbH, Frank Zielonka, sicher, dass der aufflammende Widerstand nur einen kurzen Halbzeitwert hat, doch weit gefehlt. Das Besenbinderdorf macht weiter mobil. Und das Verblüffende dabei: Hier sitzen Jung und Alt, Neubürger und Ur-Bönninghardter in einem Boot. Wilhelm Busch schrieb mal: Das Gute, dieser Satz steht fest, ist stets das Böse, das man lässt. Das würden die Bönninghardter unterschreiben. Aber wohl auch, dass Böses manchmal Gutes hervorbringt. Denn das Dorf hat der Kiesindustrie etwas zu verdanken. Und zwar, dass es im gemeinsamen Protest weiter zusammenwächst.

ULRICH WEFERS u.wefers@nrz.de

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