Blaues Auge für die Bauern
03.09.2010 | 17:57 Uhr 2010-09-03T17:57:00+0200
Rheinberg/Sonsbeck.Erst zu kalt, dann zu trocken, später zu heiß und zum Schluss zu nass – so lässt sich die Wetterbilanz aus Sicht eines Landwirts zusammenfassen.
Am Ende dieses Wetter-Wirrwars steht ein durchwachsenes Resümee: von „katastrophal“ bis „mit einem blauen Auge davongekommen“ lautet das Fazit der hiesigen Bauern. Eines steht also fest: Richtig zufrieden sein kann keiner. Zünglein an der Ernte-Waage war vor allem eines: „Die Bodenbeschaffenheit, die auch hier in der Region unterschiedlich ausfällt“, so Theo Zerbe, Vorsitzender des landwirtschaftlichen Kasinos Rheinberg. Wer zum Beispiel sein Getreide auf Sandböhen stehen hatte, hatte größere Ernteausfälle zu verzeichnen, als diejenigen, die Felder mit tiefgründigem Boden bestellen. „So wie zum Beispiel in der Region um Orsoy“, erklärt Zerbe.
In punkto Getreide waren vor allem die Erträge der Wintergerste längst nicht so katastrophal wie etwa beim Weizen. „Natürlich gab es Einbußen, aber letztlich sind wir noch glimpflich davongekommen“. weiß der Landwirt. Denn: Im Gegensatz zu anderen Jahren seien die Getreide gut. Der geringe Ertrag könnte so ein wenig ausglichen werden – wenngleich die Kosten sicher nicht gedeckt würden.
Eigenproduzenten
haben das Nachsehen
Anders hingegen sieht es bei denjenigen Landwirten aus, die ihr Getreide nicht verkaufen, sondern an ihr Vieh verfüttern. So wie zum Beispiel der Sonsbecker Landwirt Johannes van Betteray. 35 Hektar hat er gepachtet, um das Futter für seine Schweinezucht selbst zu produzieren. In diesem Jahr muss er Ernteeinbußen von bis zu 20 Prozent hinnehmen, wie er sagt. Vor allem der Hafer hätte durch das Wetter gelitten. „Die Aussaat war fast schon zu teuer, wenn ich mir den Ertrag davon ansehe“, so van Betteray. Die Konsequenz für den Landwirt: Es gibt kaum Futter für sein Tier. Die Ferkelpreise fallen, die Futterkosten steigen. „Die Mindererträge sind fast kaum auszugleichen.“
Eine Hoffnung hat der Sonsbecker: Noch stehen seine Zuckerrüben auf dem Feld. „Vielleicht gibt es ja einen goldenen Herbst. Dann bleibt wenigstens diese Ernte nur etwas unter dem Durchschnitt.“ Van Betteray gehört übrigens auch zu den Bauern in der Region, die Mais anbauen. Das nun auch am Niederrhein ein so genannter Maiswurzelbohrer aufgetaucht ist, lässt ihn – so wie auch seine Kollegen – aufhorchen. „Noch ist dieser Schädling hier im näheren Umkreis zum Glück noch nicht aufgetaucht.“ Ist dies der Fall, wird es brenzlig. Denn dann wäre im Radius von fünf Kilometern um den Fundort der Anbau von Mais nach Mais verboten. „Was für viele Landwirte fatal wäre“, so Zerbe. Weitere Ernte-, und damit vor allem Futterausfälle für das eigene Vieh wären damit programmiert.
So hoffen die Bauern, dass sich der Schädling schnell wieder aus dem Staub macht.
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