Arbeiten für den Rosenmontagszug in Rheinberg

Mit Volldampf arbeitet die fleißige Stammmannschaft der Wagenbauer der Rhinberkse Jonges an Figuren und Wagen. Links im Bild Zugleiter Markus Geßmann, neben ihm sitzend Wagenbaumeister Dieter Knop, neben ihm Stellvertreter Hubert van Thenen junior.
Mit Volldampf arbeitet die fleißige Stammmannschaft der Wagenbauer der Rhinberkse Jonges an Figuren und Wagen. Links im Bild Zugleiter Markus Geßmann, neben ihm sitzend Wagenbaumeister Dieter Knop, neben ihm Stellvertreter Hubert van Thenen junior.
Foto: Peter Bußmann
Was wir bereits wissen
Die Vorbereitungen bei den Rhinberkse Jonges laufen auf vollen Touren.

Rheinberg..  Rheinbergs Rosenmontagszug wird wieder Höhepunkt des Jahres werden. Zumindest optisch und von der Freude derer, die aktiv mitmachen. Soviel sei verraten. Davon kann man sich in der Wagenbauhalle der Rhinberkse Jonges im Rheinberger Gewerbegebiet Nord überzeugen. Rheinfeld 16 die Adresse, eine unscheinbare Halle. Wäre nicht das große Logo der Narren, hielte man sie für die eines Gewerbebetriebes. Auffällig, dass an einigen Tagen abends Auto neben Auto draußen parkt. Tritt man durch die Tür neben dem Tor, ist es aus mit Ruhe. Erstaunen: Man glaubt nicht, wie viele Karnevalswagen, die Rosenmontag im närrischen Lindwurm durch Rheinbergs Straßen gleiten, in eine kleine Halle passen. Der Lärm ist beachtlich: Die Bandsäge im hinteren Raum sirrt, die Kreissäge, auf der Karl-Heinz Braems gerade Holzplatten schneidet, kreischt.

Noch etwa vier Wochen bleiben

Etwa vier Wochen bleiben noch, bis Zugleiter Markus Geßmann an Rosenmontag Punkt 14.11 Uhr das Startkommando gibt. Er hat seine Arbeit getan: Viele Gespräche mit Behörden, Polizei, Hilfsdiensten wie DRK, die Organisation des Zuges, die Arrangements, alleine elf Musikkapellen ziehen mit, sind weitestgehend erledigt. Einige Wagen, die als Prunkwagen dabei sind, sind erst grobe Rohbauten. Jetzt herrscht in der Halle geregelte Hektik, Montag, Mittwoch und Samstag. Dieter Knop, Steinmetz, ist Wagenbaumeister. Für ihn und sein Helferteam sind die wenigen Wochen zwischen dem Elften im Elften und Rosenmontag harte Arbeit. „Acht Jahre bin ich Wagenbaumeister. Nach diesem Zug ist definitiv Schluss“. Davor war er 13 Jahre Saalbaumeister. Einen Nachfolger hat er aufgebaut: Stellvertreter Hubert van Thenen junior. Hektik herrscht für Knop jedes Jahr rund um den Prinzenwagen. „Den können wir erst bauen und planen, wenn der Prinz gewählt ist.“ Was erst um den Elften im Elften geschieht. „Dann klingelt bei mir am Sonntag das Telefon. Da sagt einer: Ich bin der Neue. Dann geht es los.“ Innerhalb von drei Tagen stehen Orden und grobe Skizze des Prinzenwagens. Da ist Knop als Wagenbaumeister gefordert. „Ich interviewe den Prinzen, erforsche Familie, Beruf, Hobbys.“ Die bringen Ideen für Orden und Wagen.

„Diesmal war es einfach“, lacht Knop. Markus Becker, als Markus II. Regent der Narren, brachte seine Idee mit. „Ich war vor fünf Jahren auf einer Kölner Sitzung. Da gefiel mir die Dekoration.“ Ähnlich sollten Orden und Wagen werden, würde er Prinz. Er ist es jetzt. Schon am 13. November entstand aus dem Kölner Foto der Entwurf des Prinzenwagens. Der steht in der Halle, fleißige Hände bemalen den acht Meter langen Wagen. Erwin Thiemann, über 50 Jahre Wagenbauer, einer der ersten Stunde der Rhinberkse, baute ein Modell.

Das wird Wirklichkeit. Verraten, wie der Wagen aussieht? „Dann ziehen wir Dir das Fell über die Ohren“, unken die Wagenbauer. Bernd Dormann, Hallenwart, für Logistik, Essen und Getränke, lacht. „Hacky“ Hackstein, einst auch Prinz, ist Werkstattmeister. „Der Schraubenzähler“, lästern einige. Verantwortlich, dass alles, von Nagel bis Hänger, an Ort und Stelle ist, wenn es losgeht. Nicht nur die eigenen Wagen der Rhinberkse entstehen. „Hier kann jede Gruppe, jede Nachbarschaft, alle die einen Wagen bauen, die Halle nutzen“, wirbt Zugleiter Geßmann. Seit 2001 ist das so: Wer einen für den Zug bauen will, dem helfen die Jonges.

Der längste je gebaute Wagen

„Der Prinzenwagen wird der Längste, den wir je gebaut haben“, so Knop. Maße bestimmt das Tor der Halle. Da musste mal Luft aus den Reifen, weil man sich verschätzte. „Als Hacky, Bergwanderer, Prinz wurde, mussten wir das Gipfelkreuz auf dem Pappmacheeberg absägen, draußen wieder anbauen.“ Ein Schock kam vor Jahren bei Schneefall. Sonntags war das Dach voll geschneit. „Das war Drinnen eine Tropfsteinhöhle.“ Tauwasser kam von der Decke auf die frisch bemalten Wagen. Die meisten waren aus Pappe. Riesige Planen mussten her, um zu retten, was zu retten war. An den größten anzunehmenden Unfall erinnert sich Thiemann. „Durch Brandstiftung wurde in der Alten Kellnerei, wo wir früher bauten, mal das große Narrenschiff zerstört.“ Doch meist ist Spaß dabei: „Da wird auch geulkt. Mancher merkt nicht, dass er auf die Schüppe genommen wird“, lacht Knop, erinnert an einen Prinzenorden. „Der hat das bis heute nicht gemerkt.“ Ein Ziel hat er nie erreicht: „Ich wollte immer am Altweibermorgen alle Wagen fertig haben.“ Das klappt nicht. Meist ist der letzte Pinselstrich Rosenmontagmorgen. Obwohl jetzt drei Tage die Woche gearbeitet wird.