Antiker Jüngling aus Xanten in neuem Glanz

Everhard Mingels, (Vorsitzender NAVX) und Bürgermeister Thomas Görtz
Everhard Mingels, (Vorsitzender NAVX) und Bürgermeister Thomas Görtz
Foto: NRZ
Was wir bereits wissen
In Berlin steht das Original der Bronzestatue „Xantener Knabe“ in der Nähe der Nofretete – in Xanten hat die Kopie seinen Platz nahe des Bürgermeisters gefunden.

Xanten..  In Berlin steht der „Xantener Knabe“ – in unmittelbarer Nähe zur Nofretete – ganz prunkvoll und alleine im Bacchussaal des Neuen Museums. Jetzt hat die mehr als 100 Jahre alte Gipskopie des Originals ihren ganz persönlichen Ehrenplatz am ursprünglichen Fundort der Bronzeskulptur eingenommen.

„Ich bin durch das ganze Rathaus gelaufen, um einen Platz für die Statue zu finden“, berichtet Bürgermeister Thomas Görtz. Schließlich hat er diesen ganz besonderen Platz gefunden und zwar im Foyer des Rathauses. Über die neue Positionierung des „Lüttinger Knaben“, wie die Kopie auch genannt wird, freut sich Everhard Mingels, Vorsitzender des Niederrheinischen Altertumsvereins Xanten (NAVX): „In Berlin steht er an sehr prominenter Stelle, da kann er in Xanten nicht neben der Tür stehen.“

Im Durchgangsbereich des Bürgerservices war der hübsche Jüngling, der sich seit 2010 als Dauerleihgabe vom NAVX bei der Stadtverwaltung befindet, untergegangen und über die Jahre auch ramponiert worden.

Janos Neumann aus Mainz nahm sich jüngst im Auftrag des Vereins der Restaurierung des vielgereisten Jünglings an und überarbeitete ihn in mühevoller Kleinarbeit in der Dombauhütte Xanten.

Kniffliger Transport

„Der Transport war sehr knifflig“, verrät Mingels, der seinen „Knaben“ nicht nur als Gipskopie, sondern auch das etwas hellere Bronze-Original aus dem Berliner Museum kennt. Da Gips relativ anfällig sei, habe der Restaurator den einarmigen Jugendlichen mit einer Gummikarre und in Tücher eingewickelt abtransportiert. Nach vier Tagen hatte der Knabe sein strahlendes Antlitz wieder zurück und wurde auf einen Sockel in das Rathaus-Foyer neben einer Friedenstauben-Skulptur aufgestellt.

Das Original wurde 1858 aus dem Rhein gefischt und stammt aus der Antike. Fischer aus Lüttingen und Bislich hatten die knapp 1,50-Meter-hohe Figur damals entdeckt, weshalb sie auch als „Lüttinger Knabe“ bezeichnet wird. Die Gipskopie stammt aus einer Berliner Gipsformerei und wurde bereits 1908 im Klever Tor, dem ersten Museum des NAVX ausgestellt. Seitdem ist sie viel gewandert und begrüßt nun die Besucher des Rathauses.

Ein weiterer Bronzeabdruck des stummen Jünglings befindet sich im Römermuseum.