Als König braucht man auch am Niederrhein viel Zeit

In Xanten Lüttingen fiel in diesem Jahr das Königsschießen aus.
In Xanten Lüttingen fiel in diesem Jahr das Königsschießen aus.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die St.- Pantaleon-Bruderschaft Xanten steht in diesem Jahr ohne Schützenkönig da. Bezirksverband sieht den Ursprung in der Zeitproblematik

Kreis Wesel..  Es war um 20.45 Uhr am Samstagabend, als der Vorstand der St.- Pantaleon-Bruderschaft Lüttingen die Suche nach einem Aspiranten für das Königsschießen erfolglos abbrach. „Ein richtiger Grund ließ sich auch nach langen Gesprächen und Beratungen nicht finden“, zeigte sich Oberst Bernhard Hußmann enttäuscht. „Ob die Leute die Verantwortung scheuen oder die Öffentlichkeit – ich weiß es nicht.“ Finanzielle Gründe könne es nicht haben, meint Bernhard Hußmann. Denn der König wird von allen Mitgliedern für seine Aufgaben finanziell unterstützt. „Viele unserer Mitglieder finden es gar nicht so schlimm, dass wir nun keinen König haben“, sagt Bernhard Hußmann. „Aber für uns Verantwortliche, die alles von langer Hand planen, ist es schon traurig, dass das Königsschießen dann zu keinem Ziel führt.“ Anstatt eines Krönungsballs fand gestern Abend daher auch nur ein kleiner Umzug durch den Ort mit anschließendem Schützenball statt. Dass das Problem, Aspiranten für das Königsschießen zu finden, in den nächsten Jahren kleiner wird, bezweifelt Bernhard Hußmann. „Wir haben zwar in den letzten Jahren viele jüngere Mitglieder aufgenommen, der Zulauf ist eigentlich okay“, so der Brudermeister. „Aber die jungen Mitglieder sind ja teilweise noch in der Ausbildung oder haben kleine Kinder, so dass ihnen einfach die Zeit fehlt, das Amt des Königs zu bekleiden.“

Auch Karlheinz Kamps, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbands der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, sieht den Ursprung in der Zeitproblematik. „Dass der Samstag mittlerweile oft ein normaler Arbeitstag ist, hindert viele Mitglieder daran, das Amt des Schützenkönigs zu bekleiden“, so Karlheinz Kamps. „Die Termine, die ein König wahrnehmen muss, fallen nun mal meistens auf einen Samstag.“ Schützenkönig zu sein, bedeute daher auch, sich für anstehende Termine vielfach Urlaub zu nehmen. Je nach dem mit wie vielen Vereinen eine Bruderschaft vernetzt sei, seien es nicht wenige Termine, die im Jahr wahrgenommen werden müssten.

Auch die St.-Marienbruderschaft Winterswick stand vor einigen Jahren ohne König da. „Es hat sich keiner gemeldet und dann steht man schon vor einem Problem“, sagt Pressesprecher Heinrich Schug. „Wir haben uns damals entschieden trotzdem zu schießen – eben nur ohne König.“ Gründe, dass keiner das Amt innehaben wollte, seien damals auch persönlicher Natur gewesen. Das mangelnde Interesse am Schützenwesen gerade bei jungen Menschen sieht Heinrich Schug als Problem.

In Sonsbeck hingegen sind die Vereine bis jetzt davon verschont geblieben, ohne König das Schützenfest zu feiern. „Hier schießen alle drei Vereine gemeinsam einen König aus“, sagt Ralf Weiler, Brudermeister der St. Sebastianus Bruderschaft Sonbeck. „Ich könnte mir aber vorstellen, dass es auch auf uns mal zukommt, denn die Vereine sind überaltert und der Nachwuchs fehlt.“ Viele Mitglieder seien schon weit über 70 Jahre alt und würden es körperlich nicht mehr schaffen.

Einzig der Junggesellen-Schützenverein Alpen bleibt in der Königs-Frage optimistisch. „In den vergangenen Jahren hatten wir immer zwischen drei und neun Kandidaten, die mitgeschossen haben“, sagt Präsident Florian Lenzen. „Man merkt zwar, dass der Nachwuchs wegbleibt, aber bisher sind wir von dem Problem verschont geblieben.“ Und dies, so hofft der Präsident, soll auch in den nächsten Jahren so bleiben.