Alpener Schlitten

Holger Dahm und Claudia Dahm produzieren Schlitten.
Holger Dahm und Claudia Dahm produzieren Schlitten.
Foto: Willi Haentjes
Was wir bereits wissen
Holger Dahm ist ein Tüftler. Der Bönninghardter entwickelt Schlitten aus Edelmetall

Alpen-Bönninghardt..  Viele Alpener, die ihren Heimatort jenseits des Niederrheins vorstellen müssen, kennen diese Fragen: „Alpen? In Süddeutschland? Mit den Bergen?“ Nein. Es ist Alpen am Niederrhein, ohne Zugspitze und Skigebiete. Wenn es in Alpen einen Berg gibt, dann ist das der Höhenzug, auf dem die Bewohner der Bönninghardt leben. Und genau dort, in Alpens luftigsten Höhen, wartet ein Mann auf etwas, dass es in den bayrischen Alpen gibt – und am Niederrhein eben nur ganz selten. „Ich brauche Schnee!“ Holger Dahm sitzt an seinem Küchentisch, orangefarbenes Polo-Shirt, leuchtende Augen. „Bei Schnee fällt den Menschen auf, wie toll ein Schlitten ist!“

Gesagt, getan

Der Bönninghardter ist ein Tüftler. Ein Garagen-Held, der aus Dingen, die andere wegwerfen, Ideen entwickelt. Einer, der aus alten Auto-Felgen Stehtische bastelt und Benzinkanister in Outdoor-Radios verwandelt. Eigentlich verdient er mit CNC-Maschinen sein Geld, aber manchmal überkommt ihn der Entwickler-Geist. Vor drei Jahren war so ein Moment. Mit einem Geschäftspartner saß er am Tisch und hatte eine fixe Idee: „Wir wollten einen Schlitten entwickeln. Einen richtig stabilen, hochwertigen Schlitten.“ Gesagt, getan. Ein Jahr dauerte die Entwicklungsphase, dann wurden die ersten Edelstahl-Schlitten verkauft. Das Unternehmen nennt sich Pistenclaudi. „Eigentlich wollten wir es Pistengaudi nennen, aber der Name war geschützt. Also wurde aus ,Gaudi‘ dann ,Claudi‘“, lacht Ehefrau Claudia Dahm.

Die ersten Schlitten wurden produziert, das Ergebnis kam bei den Kunden gut an. Es folgten Verbesserungsvorschläge und Weiterentwicklungen – mittlerweile gibt es drei Modelle, ein viertes kommt 2015 auf den Markt. Der Unterschied zu gewöhnlichen Holzschlitten ist leicht zu erklären: Die Edelstahl-Konstruktion ist extrem belastbar und stabil. „160 Kilogramm, also Vater und Kind, können damit den Hang runter fahren“, sagt Holger Dahm. Das sagt er aus Erfahrung, seine Tochter Xenia ist ebenfalls begeisterte Co-Pilotin. Und irgendwie auch verantwortlich für einen weiteren Kniff: „Meine Tochter packte mal die Skier aus, als gar kein Schnee lag. Auf nassem Rasen funktionierte es trotzdem.“ Jetzt sind die Kufen mit einem Kunststoffbelag überzogen – theoretisch kommt der Schlitten also auch auf nassem Rasen ins Rollen.

Mehr Spaß macht es natürlich im Schnee. Sechs Kilogramm wiegt der leichteste Schnee-Bolide. Das Ziel ist der Spaß im Schnee, der Weg dahin hat aber ein anderes Motto: „Wir bringen nichts auf den Markt, was nicht sicher ist.“ Alle Schlitten sind von der Dekra geprüft. Übrigens nach Sport-, nicht nach Spielzeugnorm. Die Alpener Schlitten sind sicher, sie sind stabil – und sie sehen gut aus. „Unsere ersten Modelle waren matt. Aber Edelstahl verbinden die Menschen eher mit Hochglanz und poliert wie ein Küchentopf. Daraus haben wir gelernt.“

Bei seinen ersten Werbe-Touren wurde er oft belächelt. Schlitten? Am Niederrhein? Auf einem Spargelfest? „Aber alle, die mit dem Kopf geschüttelt haben, haben sich zumindest einmal drauf gesetzt. Und hatten Spaß dabei“, sagt Dahm. „Wir werden nicht reich mit Pistenclaudi, aber der Spaß und der Kontakt zu den Leuten ist klasse.“ Und neben Kindern, die mit ihren Eltern den Hang runter rasen wollen, hat Dahm auch einen besonderen Schlitten für Menschen mit Behinderungen entwickelt. „Mit einem Rollstuhl kommt man im Schnee nicht weit“, so der Ansatz. Und auch hier gilt: gesagt, getan. Holger Dahm ist bald im Urlaub, im arabischen Raum. „Da wird gerade eine Ski-Halle gebaut. Ich pack mal ein paar Flyer in den Koffer…“