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Alles, aber nicht von der Stange

20.01.2012 | 21:00 Uhr
Alles, aber nicht von der Stange

Rheinberg. Ein Kostüm von der Stange? Nein, danke! Viel zu teuer, und wer Pech hat, trifft beim nächsten Karnevalszug auf sein Spiegelbild, denn schließlich gibt es Kostüme im Laden gleich als Dutzendware.

Also, selber kreativ sein. Ganz einfach. Mit den Tipps von Eva-Maria Ritt können selbst Närrinnen, die bislang nicht nähen konnten, ein einfaches Kostüm in weniger als einer Stunde schneidern.

Historische Kostüme für die Stadtführer

Eva-Maria Ritt jedenfalls macht das im Minutentakt. Sie hat sich alles selbst beigebracht, und zwar mit Bravour. Davon können sich jedes Jahr die Besucherinnen beim Künstlerinnentag in der Stadthalle überzeugen, wenn sie ihre historischen Kostüme zeigt. Oder wer schon einmal eine Stadtführung des Heimatvereins mit Edeltraud Hackstein gemacht hat, weiß ebenfalls, dass Eva-Maria Ritt mit Nadel und Faden umgehen kann. Sie schneiderte das historische Kostüm der feinen Dame, das die Stadtführerin zu besonderen Gelegenheiten bei den Touren durch die Stadt trägt.

Also ran an den Stoff. Am besten Fleece, rät die Fachfrau, denn der hält bei Veranstaltungen draußen schön warm. Anfängern rät sie, einfach eine Kapuze zu schneidern, je nach Farbe und Ausstattung ist daraus ganz schnell ein Tier geworden -- Hund, Katze, Maus zum Beispiel. Vor Jahren wollte die Grundschule Ossenberg am Karnevalszug teilnehmen. Und in Windeseile verwandelte Eva-Maria Ritt 120 kleine Mädchen und Jungen in Mäuse - nur mit einer Kapuze.

Wer schneidern will, braucht einen Entwurf. Am besten und einfachsten ist es, sich an der Form einer bereits vorhandenen Kapuze zum Beispiel an einer Jacke zu orientieren. „Die legt man auf ein Stück Papier und zeichnet die Konturen nach.“ Am Kinn bitte ein bisschen nach vorne ziehen, damit dort später genug Platz ist, um einen Klettverschluss anzubringen -- Knöpfe gehen natürlich auch, aber dafür müsste ein Knopfloch her...

Dann geht’s ans Zuschneiden. „Zwei Teile gegengleich aufeinanderlegen“, sagt Eva-Maria Ritt. Aha?! Heißt im Klartext, den Stoff entsprechend falten, dass die rechten Seiten aufeinanderliegen und man von links das Muster nachzeichnen und dann die Teile ausschneiden kann. In weniger als einer Minute hat die 51-Jährige so das Grundgerüst für die Kapuze erstellt. Jetzt muss nur noch hinten die Naht zusammengenäht werden, und der Anfang ist geschafft.

Ein Tier hat Ohren. Also, wieder gegengleich aufeinanderlegen und Schlitze für die Ohren schneiden. Dann aus dem restlichen Stoff kleine Halbmonde formen, ausschneiden, zusammennähen und in die Kapuze nähen. Das sind in diesem Fall ganz einfache Stoffohren, ohne viel Aufwand. Wer zum Beispiel eine Elefantenkapuze nähen möchte, der bastelt natürlich große Ohren, ein Huhn braucht keine Ohren, dafür aber einen Kamm und einen Schnabel und, und, und.

Nächster Schritt: An die Kapuze wird eine Pelerine angenäht. Sieht erstens hübsch aus und hält zweitens auch warm. Dazu wird ein Kreis auf den Stoff gemalt -- ausmessen nicht vergessen, damit es auch wirklich ein Kreis wird --, ausgeschnitten und eine großzügige Halsöffnung berechnet. Mit Stecknadeln teilt Eva-Maria Ritt die Pelerine in vier Teile: Rücken, zwei Schulterhälften und Vorderteil, damit die Pelerine auch richtig an die Kapuze angenäht werden kann. Dann noch den Rand umschlagen und abnähen, und fertig ist das Kostüm für Anfänger.

Selbst kreativ sein

Halt, sagt Eva-Maria Ritt, warum nicht noch eine Hose dazu nähen? Eine Pyjama- oder Trainingshose könnte als Vorbild für das Schnittmuster dienen, „auf jeden Fall eine, die gut sitzt“. Zwei Teile ausschneiden, an der Hüfte für jedes Teil zwei bis fünf Zentimeter dazu rechnen, damit hinterher noch genug Platz ist, ein Gummiband einzuziehen. An jedem Bein separat die Nähte schließen -- ausgenommen die Schrittnaht. Anschließend ein Bein auf rechts, eins auf links ziehen, das rechte in das linke ziehen, so dass beide Beinhälften aufeinanderliegen. Jetzt die Schrittnaht schließen, Gummizug rein, ebenfalls fertig.

Für ein selbst gemachtes Kostüm gibt es für Eva-Maria Ritt viele Gründe. Was sie am Nähen fasziniert: „Hier kann ich meine Fantasie ausleben und selbst kreativ sein.“ Ganz abgesehen davon, dass es sich um ein Unikat handelt, wenn jemand selbst zu Nadel und Faden greift oder sich an die Nähmaschine setzt.

Mit Hose werden für das Kostüm auf die Schnelle rund zwei Meter Stoff gebraucht. Fleece, sagt Eva-Maria Ritt, gibt es für drei, vier Euro pro Meter, aber auch für zehn. Kommt aufs Angebot und die Qualität an. Und wenn alle Stricke, pardon Fäden, reißen, dann kann sie ja immer noch einspringen. Bezahlen müssen die Auftraggeber bei ihr das Material und je nach Aufwand bis zu 120 Euro fürs Nähen.

Carmen Friemond



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