1300 Pfeifen, 21 Register – die neue Orgel in Orsoy

Die neue Orgel in der Kirche in Orsoy
Die neue Orgel in der Kirche in Orsoy
Foto: Peter Bußmann
Was wir bereits wissen
Am Pfingstsamstag wird die neue Orgel in der evangelischen Kirche Orsoy im Rahmen eines kleines Fests eingeweiht.

Rheinberg-Orsoy..  Die evangelische Kirche in Orsoy feiert an Pfingsten ihre Königin: die neue Orgel. Über 1300 Pfeifen hat sie, umfasst 21 Register, ist 6,5 Tonnen schwer. Auch optisch ist das neue Instrument ein Hingucker. Auf den ersten Blick frei schwebend thront das Prachtstück an der Turmwand über dem Eingang, der zugleich noch eine neue Glastüre bekam. Über sechs Jahre wartete die evangelische Gemeinde auf eine neue Orgel. Was 2006 mit den ersten Planungen zur Renovierung der Kirche begann, nimmt nun ein Ende. Seit 2010, als der Boden der Kirche aufgerissen und trocken gelegt wurde, verzichtet die Gemeinde auf die Orgel. Ersetzt wurde sie von einem Flügel. Am Pfingstsamstag um 17 Uhr feiert die Gemeinde ein Orgelfest. Holzpfeifen, Metallpfeifen, große und kleine, dicke und dünne baute ein Orgelbauer aus dem westfälischen Rietberg viele Monate lang – von der nur zehn Zentimeter langen bis hin zur 3,70 Meter hohen Pfeife.

Für Pfarrer Uwe Klein ist die Orgel ein Abbild einer Gemeinde. „Viele Orgelpfeifen ergeben einen Choral, der zur Ehre Gottes erklingen soll. Und so, wie die Pfeifen zur Ehre Gottes erklingen, so sollen viele Menschen Gott die Ehre geben.“

Ein großer Vorteil sei, so Klein, dass die neue Orgel nun endlich an ihrem richtigen Standort hängt. Während die alte früher neben dem Abendmahlstisch stand, was klanglich nicht ideal gewesen sei, ist sie nun auf zehn Meter Höhe direkt über dem Eingang. „Hier haben wir endlich den Klang, den wir immer gewünscht haben“, betont der Pfarrer. „Die neue Orgel ist schön. Hier haben wir feinstes Handwerk!“

Farblich ist das Instrument, das knapp 230 000 Euro kostete, komplett durch Spenden finanziert wurde und dank reiner mechanischer Traktur bis zu 300 Jahre halten soll, mit Braun-, Rot-, Blau- und Goldtönen an die Kirche angepasst. Orgelbaumeister Ralf Müller von der Firma Speith gelang ein Prachtstück. „Diese Orgel ist ganz klassisch gebaut“, erzählt der 58-jährige Rietberger. „Alle Winkel und Achsen sind in Paraffinöl gekocht worden, damit sie nicht quietschen. Das Prospekt und viele Teile im Inneren sind aus Eiche gefertigt, die Seiten aus nordischer Kiefer. Alles ist gezinkt und verzapft.“

Technisch ist auch die Aufhängung der Orgel eine tolle Leistung. Dort hatte sich schon die erste Orgel von Peter Weidtmann befunden. Diese stammte von 1680 und wurde irgendwann entfernt. Das Pfiffige an der Konstruktion: Die Orgel schwebt hoch über den Kirchenbesuchern. An der Innenseite klebt sie, dreieinhalb Meter über dem Kirchenboden, wie ein Schwalbennest. An der Seite gibt es eine kleine stählerne Wendeltreppe, damit die Organistin zu ihrem Arbeitsplatz kommt.