1:0 für Rheinbergs Bürgermeisterkandidatin

Das Alte Rathaus war ein Thema.
Das Alte Rathaus war ein Thema.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die SPD-Bürgermeisterkandidatin präsentierte sich beim Bürgerdialog in der Alten Kellnerei. Im März stellt die CDU ihren Kandidaten vor, die Grünen folgen im April

Rheinberg..  Spätestens seit Dienstagabend ist der Bürgermeisterwahlkampf in die heiße Phase gerückt. Bürgermeister Hans-Theo Mennicken tritt im Herbst bekanntlich nicht mehr zur Wiederwahl an. Am 13. September gehen die Bürger zur Wahlurne. Dann entscheidet sich auch, ob Rheinberg künftig von einer Frau oder einem Mann geführt wird. Rosemarie Kaltenbach, derzeit Beigeordnete der Stadt, ist von den Sozialdemokraten als Kandidatin nominiert worden. Gefühlt ist sie bereits auf der Überholspur, ohne dass überhaupt Kandidaten der anderen Parteien auftauchen. Erst im März will die CDU den Kandidaten aus dem Hut zaubern, die Grünen im April.

70 Bürger kamen

Schon vor einer Woche outete sich die Beigeordnete und Kandidatin der Rheinberger SPD in den Tageszeitungen. „Ja, ich kann es“, war das Credo von Rosemarie Kaltenbach. Am Dienstag nutzte die erfahrene Verwaltungsfachfrau die nächste Chance. Sie persönlich, nicht die Partei, in die sie 1988 eintrat, hatte in die Alte Kellnerei eingeladen. Viele hatte sie persönlich angesprochen, andere über ihre Homepage und ihren Facebookeintrag eingeladen.

70 Bürger aus allen Ortsteilen Rheinbergs, nicht nur Genossen, waren zu ihrem Bürgerdialog gekommen. Schon an der Tür zum Saal der Alten Kellnerei gab es eine persönliche Begrüßung. Per Handschlag stellte sie sich vor, jeder bekam Visitenkarte und ein kleines rotes Schokoherz. Der erste Pluspunkt für Rosemarie Kaltenbach.

Bürgerdialog nannte die SPD-Kandidatin ihre Veranstaltung. Untertitel: „Was Rheinberg bewegt“. Was sie in einer angeregten Diskussion erfuhr. Die moderierte die Journalistin Carmen Friemond. Bevor es in die Diskussion ging, löcherte sie die Kandidatin.

1960 in Lank-Latum geboren, zog sich das Stichwort „Verwaltung“ wie ein roter Faden durch Rosemarie Kaltenbachs Leben. Statt Lehramt zu studieren, wie sie es wollte, folgte sie dem Rat des Vaters, wurde Beamtin. Über Meerbusch, Düsseldorf und schließlich Schwelm, wo sie am Ende Fachbereichsleiterin Zentrale Dienst und Rat war, kam sie 2012 als Beigeordnete nach Rheinberg. „Wenn Rosemarie Kaltenbach keinen Wahlkampf macht, wie entspannt sie sich?“, wollte die Moderatorin wissen. Krimis lesen, Kochen, Radfahren, längere Spaziergänge. „Das Wort Wahlkampf ist unglücklich. Ich will nicht kämpfen, ich möchte um ihre Stimme werben.“ Nie habe sie vorgehabt, in die Politik zu gehen. Ihr Ziel: „Ich möchte etwas gestalten.“ Nicht alleine, „miteinander“. Mit den Bürgern.

Der Abend konzentrierte sich auf zwei Bereiche: Altes Rathaus mit Markt und Freizeitmöglichkeiten. Da wurde es lebhaft. „Es muss was geschehen, aber wir haben kein Geld“, sagte Rosemarie Kaltenbach. „Nachdenken, einen Förderverein gründen“, war eine ihrer Ideen. Der kann öffentliche Gelder einwerben, die die Stadt nicht bekommt. Oder an einen Investor verkaufen? „Das Rathaus, eines der ältesten am Niederrhein, war immer ein Haus für die Bürger und soll es bleiben“, entgegnete die Kandidatin. Gastronomie und Bürgertreffs wären denkbar.

Zum Thema neues Pflaster auf dem Markt entbrannte eine Diskussion. Und der Wochenmarkt zurück in die Gelderstraße? Dem erteilte Hans Schwerdt eine klare Abfuhr. Beim Brand bliebe die Feuerwehr außen vor, mit schlimmen Folgen. „Die Marktstände wieder in die Gelderstraße zu legen, ist ein Unding.“

Auch beim zweiten Themenschwerpunkt, den Freizeitangeboten, wurde lebhaft diskutiert. Rosemarie Kaltenbach stellte die Vereine bis zur VHS vor, die sich engagierten. „Ich möchte mit den Bürgern ins Gespräch kommen, wissen, was ihnen wichtig ist.“ Für mehr Ehrenamt, wie in der Bücherei, will sie sich stark machen, Bäder erhalten. Auch kritische Stimmen gab es. Rheinberg würde außerhalb nur auf Amazon und Minilohn reduziert. „Die Stadt muss nach außen attraktiv werden – das ist in der Vergangenheit zu kurz gekommen“, sagte eine Bürgerin.

Der Abend war Auftakt einer Reihe, auch in die Ortschaften möchte Rosemarie Kaltenbach gehen. Eloquent, sachkundig, zukunftsorientiert will sie auch dort punkten.