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Monokultur

Ein Schatten spendendes Laubdach für die Wiemke

30.09.2010 | 18:21 Uhr
Ein Schatten spendendes Laubdach für die Wiemke
Förster Stolz und Biologe Kraatz erklären die Entfichtung und Ökologie am Bachtal der Wiemke.

Plettenberg. Erle, Esche und Bergahorn statt Fichtenmonokultur. Auf etwa 200 Metern Länge werden am Bachlauf der Landemerter Wiemke auf einer Fläche von 5000m² rund 60 Jahre alte heimische Fichten und ursprünglich aus Nordamerika stammende Sitkafichten gefällt und samt der Baumkronen vom Gelände entfernt. Um den Waldboden zu schonen, werden die Fällarbeiten klassisch mit Motorsägen statt mit tonnenschweren Harvestern durchgeführt.

Im Anschluss werden vom Regionalforstamt Märkisches Sauerland, das vertreten durch Förster Henning Stolz in Abstimmung mit der Unteren Landschaftsbehörde MK und der Waldbesitzerin die Abholzung organisiert, auf der freien Fläche etwa 1000 Exemplare der in Ufernähe natürlicherweise vorkommenden Baumarten Erle, Esche und Bergahorn gepflanzt.

Ökologische und
wirtschaftliche Vorteile

Die Entfichtung hat ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Die ökologisch besonders sensiblen Ufer- und Auenbereiche von Fließgewässern sind natürlicherweise mit Laubbäumen bewachsen. Besonders die Erle ist an diesen Lebensraum hervorragend angepasst. Ihre bis unter das Gewässerbett reichenden Wurzeln bilden einen Lebensraum für Tierarten wie Feuersalamander oder Prachtlibelle. Außerdem ist das Falllaub Nahrungsgrundlage für den Bachflohkrebs, immerhin die Lieblingsspeise der heimischen Bachforelle. Auch Licht- und Temperaturverhältnisse werden durch Uferbewuchs von Laubbäumen beeinflusst. Im Sommer spenden die Blätter dem Gewässer Schatten, verhindern eine übermäßige Erwärmung und erhöhen so den Sauerstoffgehalt. Im Winter lassen die laubfreien Bäume einen moderaten Temperaturanstieg des Wassers durch Sonneneinstrahlung zu. Oberhalb der Wasseroberfläche nutzen der Erlenzeisig und einige Zugvögel sowie der Erlenblattkäfer das Ufergehölz.

Diese vielfältigen Funktionen an den Ufersäumen kann die Fichte bei weitem nicht erfüllen. Wie der Orkan Kyrill zeigte, sind die Nadelbäume außerdem gerade an wassernahen Standorten besonders anfällig für Windwurf und Holzfäule.

Beispiel soll
Schule machen

Ohne die Fichte an sich bekämpfen zu wollen, rät Förster Henning Stolz dringend dazu, an speziellen Standorten wie Bachtälern auf stabile Laubbäume zu setzen. „Deren Stabilität wiegt zusammen mit höheren Erlösen aus Brennholz oder später stärkerem Stammholz den etwas geringeren Gesamterlös wieder auf“, weiß Stolz. So hoffen er und Diplom-Biologe Klaus Kraatz von der Unteren Landschaftsbehörde des Märkischen Kreises, dass andere Waldbesitzer diesem Beispiel an der Wiemke folgen.

Constantin Pantel

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