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Bombastischer Klangkörper und ein Weltstar

09.06.2012 | 10:00 Uhr
Bombastischer Klangkörper und ein Weltstar
Der Plettenberger Bariton Eike Wilm Schulte organisiert ein Benefizkonzert zugunsten der sanierungsbedürftigen Christuskirche. Der eigens ins Leben gerufene Projektchor probte vor dem großen Auftritt in der Johanniskirche Eiringhausen unter Leitung von Herbert Wilberg zusammen mit Schulte und der Pianistin Erika LeRoux .

Plettenberg. „Eigentlich wollte doch ich der erste sein.“ Ist er aber nicht. Als Herbert Wilberg am Donnerstag eine gute halbe Stunde vor Beginn der Generalprobe für das Benefizkonzert an der Johanniskirche in Eiringhausen vorfährt, scharrt vor dem Gotteshaus an der Reichsstraße schon ungeduldig eine Gruppe von Sängerinnen und Sängern aus Wilbergs 53-köpfigem Projektchor mit den Füßen.

„Oh, da kommt Eike!“ Fast ehrfürchtig stehen die Sänger stramm, als Eike Wilm Schulte erscheint. Dabei kennen einige von ihnen den Holthauser Jungen, der seit fast vier Jahrzehnten auf den großen Opernbühnen dieser Welt gefeiert wird, von Kindesbeinen an. Man duzt sich. Andere aus dem Projektchor begegnen dem Star-Bariton zum ersten Mal persönlich. Sie haben noch nie vor Publikum gesungen. Und morgen geben sie ihre Premiere an der Seite dieses international renommierten Kammersängers. Welch ein Einstand.

Kaum hat sich der Chor auf dem für ihn im Altarraum errichteten Podest formiert, schafft der bodenständige und heimatverbundene Opernstar familiäre Nähe. „Liebe Kolleginnen und Kollegen“, begrüßt er den Chor. Die Sänger im Alter zwischen 15 und über 70 fühlen sich zutiefst gebauchpinselt. Das geht runter wie Öl. Spontan applaudieren sie. „Lasst uns mit Freude ans Werk gehen. Dann werden wir am Sonntag großen Erfolg haben.“ Alle kleben an Schultes Lippen.

Kiebitze in den Kirchenbänken wissen nicht, ob sie einer Chor- oder einer Weinprobe beiwohnen. Denn zunächst verteilt Weinliebhaber und Weinbergbesitzer Schulte flaschenweise edle Tröpfchen. Zum Beispiel Müggenbrucher Doktor­eck. Wer in den zehn Monaten seit Gründung keine oder nur eine Probe des Projektchors versäumt hat, wird von dem kleinen Mann mit der großen Stimme, der heute im rheinhessischen Wiesbaden zu Hause ist, persönlich belohnt. Und obwohl die Generalprobe noch gar nicht richtig begonnen hat, macht Schulte bereits Appetit auf die After-Show-Party am Sonntag im Eiringhauser Gemeindehaus. „Dafür habe ich extra Wein aus der Toskana mitgebracht.“ Dazu gibt’s kalte Platten.

Doch vor dem Lohn muss Schweiß fließen.

Pianistin Erika Le Roux streichelt das Bechstein-Instrument, lobt den Klang in höchsten Tönen. Der einstige „Skandal-Flügel“ aus dem Bonhoeffer-Haus wurde eigens fürs Benefizkonzert in die Johanniskirche transportiert. Virtuos fliegen Finger über Tasten. Die gebürtige Südafrikanerin flachst mit herrlichem Akzent, zieht fröhlich Grimassen, verbreitet ansteckend gute Laune. Herbert Wilberg greift ein, bringt den Chor mit Stimmübungen auf Touren. Locker werden. Letzte unmusikalische Anweisung vom Chef: „Herren tragen am Sonntag dunklen Anzug, weißes Hemd, silbergraue Krawatte, notfalls geliehen, Damen Schwarz-Weiß, Kostüm oder Kleid egal.“

Endlich Musik. Wilberg lässt den Chor das Gebet an die Macht der Liebe anstimmen. Schulte lauscht, merkt sofort, welch großartige Arbeit Wilberg und seine Schützlinge in der Vorbereitung auf das Konzert geleistet haben, welch bombastischer Klangkörper sich da binnen kurzer Zeit gebildet hat. Der Profi, trotz seiner 72 Jahre ein echtes Energiebündel, überschüttet die Amateure mit Zuckerbrot: „Sehr gut, das war sauber, fantastisch, bravo, toll, freut mich.“ Nur dezent holt Schulte, wenn’s mal nicht so klappt, die Peitsche raus. „Herbert, ich will dir ja nicht ins Handwerk pfuschen, aber singt bitte nicht ‘Jerusaleeem’ sondern ‘Jerusaläm’ – einfach mit ‘ä’. Das muss klingen." Jetzt ist der Kammersänger mit begnadetem Schauspieltalent in seinem Element. Ihm entgeht kein Fehler. Mit kleinen Tipps treibt er den Chor in gut zweistündiger Probe zu Höchstleistungen.

Bei voluminösen Passagen fordert Schulte größte Hingabe. „Denkt daran: Da spielt am Sonntag noch die Trompete dazu. Wir haben uns doch vorgenommen, die Mauern hier zum Einsturz zu singen.“ Das wäre allerdings schlecht. Denn was nutzt ein Benefizkonzert für die Sanierung des Christuskirchenturms, wenn sich am Sonntagabend mit einer eingestürzten Johanniskirche die nächste Baustelle auftut? Ist Schulte in seinem leidenschaftlichen Engagement wohl nur so rausgerutscht.

Von Bernd Maus



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