Polizeiwache wütend gestürmt
19.08.2010 | 16:34 Uhr 2010-08-19T16:34:00+0200
Drolshagen.Drolshagen. Als Dörthe Wigger geb. Tölle vor wenigen tagen die „Führerschein-Erinnerungen“ von Karl-Richard Heipel las, wurde auch bei ihr ihre Bemühungen um die ersehnte Fahrerlaubnis wieder wach.
Und die Erinnerung an ihren Fahrschullehrer Rahrbach. Denn jedes Mal, wenn seine Schüler irgendetwas falsch machten ertönte es vom Beifahrersitz: „Näher mein Gott zu dir“.
„1959! Mein Bruder kam nach Hause und sagte: Ich habe mich zur Fahrprüfung angemeldet, heute ist die erste Stunde. Ich überlegte nicht lange und sagte: Ich gehe mit (Mein Bruder war 23, ich 21 Jahre alt).
Abends bei Herrn Rahrbach in Drolshagen schlackerten mit doch erst die Knie. Es hieß im Vorgespräch mit anderen Fahrschülern, es dürfe keiner vorlaut zur ersten Stunde kommen. Ich bemühte mich also, schüchtern zu sein und erwähnte vorsichtig, dass ich Fahrrad fahre und zur Zeit ein Moped besitze. Wie viele Fahrstunden ich hatte weiß ich heute nicht mehr. Es waren alles zusammen jedenfalls 320 Mark.
Bei der Prüfung in Olpe (ich kannte Olpe gut, da ich zehn Jahre in Rhonard gewohnt hatte und somit jede Straße in Olpe kannte) fuhr ich durch die Felmicke. In Höhe der Brennerei Arens saß ein Vogel auf der Straße und ich hielt spontan an. Auf die Frage des Prüfers, was das denn zu bedeuten habe, erwähnte ich den Vogel. Ich dachte schon, jetzt ist alle aus. Aber er lobte mich und meinte: „Wer wegen eines Vogels anhält, fährt auch keine Kinder an.“ Damit war mein Führerschein sicher.
Nur dreimal wurde ich in den 51 Jahren als Autofahrerin angehalten. Das 1. Mal war für mich eine Katastrophe. Ich fuhr gemütlich von Olpe nach Hützemert. Hinter mir ein Pkw, der mich, so meinte ich, bedrängte. Kurz vor dem Ortsschild Hützemert wollte ich denen dann doch beweisen, dass ich sie nicht vorbeilasse und trat das Gaspedal durch.
An der Tankstelle, wo ich stoppte, kamen dann zwei Männer auf mich zu und wollten meinen Führerschein sehen. Ich fuhr sofort die Krallen aus und stellte mich stur. Was hatte ich denn gemacht?
Ihren Ausweis, bitte! Polizei in Zivil: Sie sind vor der geschlossenen Ortschaft 50 km/h gefahren, in der Ortschaft dann 70 km/h! Die beiden bemühten sich, mich einzuschüchtern. Und holten ihren Bußgeldkatalog.
Ich überzeugte sie dann aber davon, dass ich vier Kinder habe und zu der Zeit - kurz vor Weihnachten - ich eine hohe Strafe nur in Raten bezahlen würde. Mit 20 Mark kam ich dann doch davon - und sie rauschten ab. Wenig später stellte ich erschrocken fest, dass sie mir meinen Führerschein nicht wieder gegeben hatten. Der lag wohl noch in dem Bußgeldkatalog. Bei mir brach Panik aus. Waren das überhaupt richtige Polizisten gewesen? Der Tankwart zuckte auch die Schultern.
Ich also zurück nach Drolshagen zur Polizeiwache. In meiner Wut verlor ich genau vor dem Eingang den Absatz eines Schuhes. Mit den Schuhen in der Hand stürmte ich die Wache und schilderte den Vorfall. Nach einigen Telefonaten war das Problem dann gelöst: Es war eine Zivilstreife aus dem Rheinland. Und diese musste anschließend zurückkehren, um mir durchs Fenster den Führerschein zu reichen, den ich ihnen wütend entrissen habe. Zum Glück sind mir weitere aufregende Ereignisse erspart geblieben.
Beim 2. Mal (1974) war es ein nicht funktionierendes Rücklicht, als man mir nahe legte, meinen Führerschein von 1959 mal umschreiben zu lassen, da ich ja ab 1960 nicht mehr Tölle, sondern Wigger hieß, worauf auch die Familienpapiere ausgestellt waren.
Beim 3. Mal hatte ich Familienmitglieder von einer Feier in Rüblinghausen abgeholt. Weil der Alkoholgeruch stark war, fuhr ich mit offenem Fenster - und meine Familie sang laut. In der Wüste bei Lister- und Lenne war dann plötzlich ein Auto hinter mir. Bis der Hintermann vor mir her fuhr. Dann sah ich die aufleuchtende Schrift: Bitte anhalten. Wieder eine Rüge: Warum halten Sie nicht sofort an? Haben Sie die Leuchtschrift nicht gesehen? Nein. Erst als Sie vor mir her fuhren. Sind Sie denn noch nie abends angehalten worden? „Nein, noch nie“ war meine Antwort. Und zum Glück war ich nüchtern - und die Fahrt ging weiter.“
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