Oh, mein Gott: Geld und Adressen weg
18.11.2011 | 10:38 Uhr 2011-11-18T10:38:00+0100
Olpe. Das ist ein ganz dreister Fall von Internetbetrug. Das E-Mail-Konto der Ex-Oberin der Olper Franziskanerinnen Sr. Mediatrix Nies wurde von Ganoven geknackt. Ein Pater fiel auf den Betrug rein und überwies 1000 Euro.
Mit allem dürfte die ehemalige Generaloberin der Olper Franziskanerinnen und jetzige Vorsitzende der Maria-Theresia-Bonzel-Stiftung, Sr. Mediatrix Nies, in ihrem Leben gerechnet haben, jedoch nicht mit solch einer Dreistigkeit, die ihr jetzt widerfuhr. Internetganoven knackten nach Hackermanier ihren persönlichen E-Mail-Account und benutzten so ihre private Internetadresse für eine dreiste Abzocke.
Irgendwie müssen es die bislang unbekannten Hacker geschafft haben, Sr. Mediatrix zu benutzen, um an das Geld fremder Leute zu kommen. Sie verschickten einen Aufruf an die Kontakte der Schwester mit der Bitte: Helft mir! Ich bin in Spanien und man hat mir mein ganzes Geld gestohlen. Bitte dringend einen Betrag auf ein Konto der Western Union-Bank einzahlen. Ich gebe es Euch in Olpe zurück!
Gestern, am späten Nachmittag, berichtete Sr. Mediatrix, die jetzt in Richrath im Krankenhaus arbeitet und die auf einer Tagung im Olper Mutterhaus weilte, unserer Zeitung über den Vorfall. „Man hat von meinem Computer alle Adressen gelöscht, sowohl die eingegangenen als auch die gesendeten. Ich habe nichts mehr. Und schlimm ist auch, dass einige Leute bereits Geld auf das ominöse Konto eingezahlt haben. Ein Pastor hat sofort 1000 Euro überwiesen und gesagt, da muss man voran machen, die „Medi“ braucht das Geld.“ Sr. Mediatrix weist auf eine zusätzliche Dreistigkeit hin: Kurze Zeit nach Eingang des Geldes sei eine zweite Forderung eingegangen: Es reicht nicht. Bitte noch mal 800 Euro! Erst dann habe der „Wohltäter“ Lunte gerochen und sich gesagt: Im Leben nicht. So dreist ist die „Medi“ nicht!
Die 1000 Euro aber seien weg, vermutet Sr. Mediatrix. Ziemlich sicher. Strafanzeige bringe wenig. Sie habe sich bereits mit dem Justiziar der Gemeinnützigen Gesellschaft der Franziskanerinnen zu Olpe (GFO) kurzgeschlossen. Der Jurist habe die Schultern gezuckt und auf die kölsche Erkenntnis verwiesen „Was fott is, is fott!“
Aber die ganze Sache habe auch einen guten Nebeneffekt: Viele Menschen, die sie im Laufe der Jahre habe kennengelernt, hätten sich plötzlich wieder gemeldet. Dabei sei allerdings immer wieder die Frage gestellt worden: Warst Du denn in Spanien? Hast Du dich möglicherweise dorthin abgesetzt, ohne den Orden zu befragen? Es seien die tollsten Gerüchte im Umlauf.
Sr. Mediatrix ist von der Verwaltung der GFO auf den Umstand mit dem geklauten Mail-Account hingewiesen worden. Daraufhin sei das ganze Ausmaß bekannt geworden. Sofort sei man tätig geworden und habe alle bekannten Stellen und Adressen angerufen und angeschrieben, auf keinem Fall Zahlungen zu tätigen. Sr. Mediatrix: „Alle werden wir nicht erreicht haben. Viele werden es jetzt auch nicht mehr zugeben, dass ihnen das passiert ist, obwohl der Text des Bittschreibens derart voller Fehler war, dass man hätte eigentlich schon drauf kommen müssen, dass diese Zeilen nicht von mir stammen. Ich beherrsche nämlich die deutsche Sprache.“ Es ist davon auszugehen, dass die Täter genau wussten, wen sie sich da ausgeguckt haben. Sie haben auf den Bekanntheitsgrad der ehemaligen Generaloberin geschaut, einer Frau, der so ziemlich jeder in allen Lebenslagen helfen würde.
Wie viel letztendlich an Geld geflossen ist, weiß nur der Himmel. Die Maschen der Hacker werden immer „brillanter“. Sie bewegen sich nah an der Wirklichkeit des Lebens. Das macht sie so gefährlich.
Sr. Mediatrix hatte gestern sowohl ein lachendes als auch ein weinendes Auge. Natürlich ärgert sich die couragierte Schwester, die aus Rahrbach stammt, schwarz, weil „die Kohle“ weg ist. „Allein die 1000 Euro des jungen Geistlichen! Mein Gott, wenn wir die geteilt hätten, dann hätten wir ein kleines Fest feiern und richtig Spaß haben können“, resümiert sie. Auf der anderen Seite tuen ihr die geklauten Adressen richtig weh. „Das ist bitter“, sagt sie, obwohl der Provider Yahoo es technisch möglich machte, einige ihrer Adressen aus dem elektronischen „Orkus“ zurückzuholen. Gott sei Dank!
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